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Ticketpreise: Billigflieger möchten teurer werden

Schon kurz nach dem Start der deutschen Billigfluglinien Germanwings und Hapag-Lloyd Express zeichnet sich eine deutliche Preiserhöhung im Billigflugsegment ab.

Schon kurz nach dem Start der beiden neuen deutschen Billigfluglinien Germanwings und Hapag-Lloyd Express zeichnet sich eine deutliche Preiserhöhung im Billigflugsegment ab.

Weniger Billig-Sitze

»Wir müssen möglichst schnell auf durchschnittliche Flugpreise von 60 bis 80 Euro kommen, sonst können wir nicht kostendeckend operieren«, sagte Joachim Klein, Geschäftsführer von Germanwings, am Dienstag auf einer Branchenveranstaltung in Köln. Das bedeute, dass mittelfristig nur ein kleiner Teil der Sitze zu Preisen von 20 Euro zu haben sein werde. Zurzeit werde noch ein Großteil der Reisen zu einem Preis von knapp 20 Euro verkauft. Auch Wolfgang Kurth, Geschäftsführer des Konkurrenten Hapag-Lloyd Express, kündigte höhere Durchschnittspreise an. »Nur ein Viertel unserer Fluggäste wird unter 25 Euro fliegen können«, sagte Kurth auf der gleichen Veranstaltung.

Ryanair unangefochten billig

Beide Anbieter gaben zu, auf Dauer nicht das Preisniveau des Marktführers Ryanair halten zu können. »Niemand wird die Kostenstruktur von Ryanair erreichen können«, sagte Kurth. Germanwings ist eine Tochter der Lufthansa -Beteiligung Eurowings, Hapag-Lloyd Express gehört zum TUI-Konzern.

Ryanair zeigte sich unbeeindruckt von der neuen Konkurrenz. »Wir begrüßen den Wettbewerb, denn er erschließt im Endeffekt auch uns eine neue Kundenschicht«, sagte Caroline Baldwin, Marketing-Chefin von Ryanair. Die neuen Fluglinien seien aber auf Dauer keine echte Konkurrenz, da sie mit deutlich höheren Kosten operieren müssten. »Wer mit so teuren Marketingkampagnen an den Start geht, lädt sich eine hohe Bürde auf«, kommentierte Baldwin die Markteinführung von Germanwings und Hapag-Lloyd Express.

Neue Zielflughäfen

Für Ryanair blieben die Kosten auch in Zukunft der entscheidende Punkt bei allen Geschäftsentscheidungen, sagte sie weiter. Zurzeit verhandele das Unternehmen mit rund 40 möglichen neuen Zielflughäfen in Europa. Außerdem seien vier Kandidaten in der engeren Wahl für die vierte europäische Ryanair-Basis. Um wen es sich dabei handelt, wollte Baldwin nicht sagen. Die Entscheidung des Unternehmens werde aber wohl im Januar kommenden Jahres bekannt gegeben.

Flüge für 50 Cents

In der vergangenen Woche hatte Ryanair bekannt gegeben, ab dem 6. Februar einmal täglich Göteborg in Schweden vom Flughafen Hahn im Hunsrück anzufliegen. Bislang fliegen die Iren von Hahn aus zehn Ziele in Großbritannien, Irland, Frankreich, Italien und Norwegen an. In den vergangenen Tagen hatten sich die Billiglinien mit Flugpreisen ab 0,50 Euro auch einen ersten direkten Preiskampf geliefert. Ryanair setzte dabei nach eigenen Angaben mehr als 100.000 Flugscheine für jeweils einen halben Euro ab, Germanwings verkaufte 50.000 Flugscheine für einen Euro. Auch Hapag-Lloyd Express nannte den letzten Freitag ihren bislang buchungsstärksten Tag.