Traditionsunternehmen Wadan-Werft am Ende


Die Beschäftigten der insolventen Wadan-Werften in Wismar und Warnemünde werden heute ein letztes Mal ihrem Unmut Luft machen. Von Montag an ruht die Arbeit der Schiffbauer. Hoffnung auf einen Neuanfang gibt es praktisch nicht. Und der russische Eigentümer, der vollmundig neue Aufträge versprochen hatte, lässt sich nicht sehen.

Dem 56-jährigen Hans-Jürgen Bröhan ist der Schmerz ins Gesicht geschrieben, als er nach der Belegschaftsversammlung aus dem Werkstor der Wadan-Werft in Warnemünde tritt: "Ich spüre nur noch Trauer." Was er und seine Kollegen seit Wochen befürchten, ist nun Gewissheit. Von Montag an ist Schluss mit dem Schiffebauen auf der Werft. Mehr als 40 Jahre lang ist Bröhan dabei und hat schon diverse Krisen und Eigentümerwechsel erlebt. Doch so schlimm war es noch nie.

Wie Bröhan hoffen die meisten der rund 2400 Mitarbeiter, dass Insolvenzverwalter Marc Odebrecht noch etwas erreicht - entweder bei seinen Verhandlungen mit Reedern, die von den Verträgen abgesprungen sind, oder bei Versuchen, für die Werftstandorte in Wismar und Rostock-Warnemünde einen neuen Investor zu finden. Aber mehr als eine leise Hoffnung haben sie nicht. Vor allem keine wirkliche Alternative - "in meinem Alter", sagt Bröhan.

Wut auf den russischen Eigentümer

Einig sind sich die Werftarbeiter in ihrer Wut auf den russischen Wadan-Eigentümer Andrej Burlakow, der die Werften erst vor gut einem Jahr vom norwegischen Aker-Konzern übernommen hat. Keines seiner Versprechen habe er erfüllt, keinen Schiffbau-Auftrag nach Mecklenburg-Vorpommern geholt. Die großen Worte klingen den Arbeitern noch in den Ohren, von Milliarden-Aufträgen aus Russland, um die dortige Flotte auf Vordermann zu bringen. Betriebsrat Harald Ruschel fragt: "Wo ist Herr Burlakow? Der ist weg, der lässt sich hier auch nicht mehr sehen."

Doch die Wut bringt nichts, keiner hat eine passende Antwort auf die drängende Frage: "Wie geht es weiter?" Auch von Konkursverwalter Odebrecht kommt die Antwort nicht. Er schreibt in einer Mitteilung: "Die Werft verfügt nach wie vor über keinen sicheren Auftragsbestand für die Zeit nach der Insolvenzeröffnung." Odebrecht wird am Freitag im Amtsgericht Schwerin erwartet, um das Verfahren in Gang zu setzen. Er macht den Schiffbauern klar: "Die Voraussetzungen für eine positive Beschäftigungsprognose sind leider nicht gegeben."

Weltweit werden kaum noch Schiffe gebraucht

Vom Bund verbürgte Kredite in dreistelliger Millionenhöhe und Finanzspritzen des Landes konnten das vorläufige Ende der Werften nicht verhindern. Weitere Hilfen macht Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) von tragfähigen Unternehmensstrategien abhängig. "Wir brauchen einen privaten Investor, der sich engagiert und der ein langfristiges Konzept hat", betont der Regierungschef. Doch weil derzeit weltweit kaum noch neue Schiffe gebraucht werden, braucht auch niemand eine Werft.

"Ich weiß, dass ich in Mecklenburg-Vorpommern keine Arbeit mehr finden werde, wenn es hier nicht weitergeht", sagt der 40 Jahre alte Schiffbauer Reinhard Witt bitter. "So langsam ist die Hoffnung weg." Der Blick in die Liste der Stellenangebote bei der Arbeitsagentur ist nicht ermutigend: "Hier ist doch nichts mehr, es sucht auch keiner." Die Transfergesellschaft sei ein finanzieller Schutz für fünf Monate, eine Zeit, in der er wie die anderen aber auf 30 Prozent seines Lohns verzichten muss.

Ruschel sieht die Probleme seiner Leute. "Hier sind manche mit der Schultüte in die Werft hineingegangen, weil Vater hier gearbeitet hat, weil Mutter hier gearbeitet hat." Die Werft sei nicht nur ein Generationsbetrieb. Sie gehöre zum Leben ganzer Familien, ob als Warnow-Werft, Aker oder Wadan. Aber mit der Transfergesellschaft gebe es wenigstens die kleine Chance, dass es irgendwie weitergehe. Zumindest im Umfeld der Warnemünder Werft gibt es metallverarbeitende Großbetriebe, die bei anspringender Konjunktur neue Fachleute gebrauchen könnten. In Wismar ist die Lage schwieriger.

Joachim Mangler/DPA DPA

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