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Skandalserie: Dieser Witz eines Uber-Direktors zeigt das Sexismus-Problem der Firma

Skandal-Unternehmen Uber will weniger sexistisch sein - und scheitert schon bei der Vorstellung eines Maßnahmenkatalogs: Wegen eines abfälligen Kommentars muss ein Uber-Direktor zurücktreten. Firmenchef Travis Kalanick hat eine Auszeit angekündigt.

Uber

Sexismus und Rücktritte: Uber steht schwer unter Druck

Mit Rücksichtslosigkeit und aggressiver Wachstumsstrategie hat den US-Fahrdienstvermittler Uber groß gemacht. Selbst um Gesetze scherte sich der "Taxi-Killer" lange wenig. Nun droht das "Bad Boy"-Prinzip die Firma zu zerstören. Nach dem Bekanntwerden interner Sexismus-Skandale mussten mehrere Top-Manager gehen - und Kalanick selbst eine unbefristete Auszeit einlegen. Selbst die Vorstellung des Untersuchungsberichts zum Sexismus-Skandal geriet zur Farce.

Eigentlich sollte die Präsentation das Signal senden: Wir haben verstanden. Nach schweren Mitarbeiter-Vorwürfen über Sexismus und sexuelle Belästigung im Unternehmen hatte Uber eine umfassende Untersuchung unter Leitung des Ex-US-Justizministers eingeleitet. Auslöser war der Bericht einer Software-Entwicklerin, die unter anderem beschrieb, wie ihr Chef ihr schon nach wenigen Tagen per Firmen-Chat eindeutige Sexangebote machte.

Insgesamt ging die Holder-Untersuchung 215 Beschwerden über Diskriminierung, sexuelle Belästigung und Mobbing nach. Mehr als 20 führende Mitarbeiter mussten seitdem gehen, darunter auch Technik-Chef Amit Singhal und die Nummer zwei des Unternehmens, Emil Michael

Travis Kalanick räumt seinen Stuhl (vorerst)

Bei der Vorstellung des Sexismus-Untersuchungsberichts war auch Firmenchef Travis Kalanick nicht mehr zugegen. Er hatte wenige Stunden zuvor eine unbefristete angekündigt. Er wolle seine Mutter betrauern, die kürzlich bei einem Bootsunfall ums Leben gekommen war, schrieb Kalanick in einer Email an seine Mitarbeiter. "Die jüngsten Ereignisse haben mir beigebracht, dass Menschen wichtiger als die Arbeit sind." Er wolle die Auszeit nutzen, "um nachzudenken, an mir zu arbeiten und ein Weltklasse-Führungsteam aufzubauen". Er wolle an einem "Uber 2.0" arbeiten und dafür sei auch ein "Travis 2.0" nötig. 

Die Erkenntnis kommt spät. Wie verdorben die Firmenkultur des von ihm geschaffenen Milliardenunternehmens ist, zeigte sich einmal mehr bei der Vorstellung des Untersuchungsberichts. Als Aufsichtsrat-Mitglied Arianna Huffington bekanntgab, dass mit Wan Ling Mortello eine weitere Frau ins Gremium einziehen werde, sorgte ihr Kollege David Bonderman für den nächsten Eklat. 

Frauenfeindlicher Witz bei Anti-Sexismus-Sitzung

Huffington erklärte, es gebe eine Menge Daten, die bewiesen, dass wenn eine Frau im Aufsichtsrat sitze, es wesentlich wahrscheinlicher sei, dass auch eine zweite berufen werde. Bondermans Kommentar: "Tatsächlich zeigen die Daten, dass es wesentlich wahrscheinlicher ist, dass es dann mehr Gequatsche gibt." Bonderman hat sich mittlerweile für seine nach eigener Aussage "respektlose Bemerkung" entschuldigt und seinen Rückzug aus dem Aufsichtsrat angekündigt.

Ob Uber sich von den Skandalen und Rücktritten erholen kann, ist ungewiss - zumal gerade erst ein Verlust von mehr als 700 Millionen Dollar verkündet wurde. Zumindest ein Anfang ist gemacht: Der Aufsichtsrat stimmte geschlossen den Empfehlungen des Holder-Reports für eine Änderung der Firmenkultur zu. Unter anderem soll bei Firmenfeiern künftig weniger Alkohol ausgeschenkt werden und sexuelle Beziehungen zwischen Managern und Angestellten verboten sein.