Übernahme durch Adidas Reebok bekommt drei Streifen

Der fränkische Sportwarenhersteller Adidas steht vor der Übernahme der Konkurrenzmarke Reebok. Mit dem Drei-Milliarden-Deal holt das Unternehmen kräftig auf den Weltmarktführer Nike auf.

Der fränkische Sportartikelhersteller Adidas will für 3,1 Milliarden Euro seinen US-Konkurrenten Reebok kaufen und damit den Abstand zu Branchenprimus Nike verringern. "Die heutige Ankündigung ist ein großer strategischer Meilenstein", sagte Adidas-Chef Herbert Hainer am Mittwoch in Herzogenaurach. "Das ist eine einmalige Gelegenheit, zwei der respektiertesten und bekanntesten Unternehmen der weltweiten Sportartikelindustrie zusammenzuführen." Mit Reebok verstärkt Adidas vor allem seine Präsenz in den USA, dem weltgrößten Markt für Sportartikel. Mit einem Jahresumsatz von knapp neun Milliarden Euro rückt der fusionierte Konzern Nike (Jahresumsatz elf Milliarden Dollar) deutlich näher. Außerdem verstärkt damit Europas größter Sportartikelhersteller auf einen Schlag seine Position im wichtigen US-Markt. Zugleich legte Adidas einen deutlichen Gewinn- und Umsatzanstieg für das zweite Quartal vor.

Übernahmepreis von 59 Dollar je Aktie

Finanziert werden soll die Übernahme mit eigenen Mittel und Krediten. Adidas erwirbt alle ausstehenden Reebok-Aktien für 59 Dollar pro Stück, dies bedeutet einen Aufschlag von 34,2 Prozent auf den Schlusskurs vom Dienstag. Der Transaktion müssen noch die Aktionäre von Reebok und die Kartellbehörden zustimmen. Sie soll im ersten Halbjahr 2006 abgeschlossen werden. Schon im ersten Jahr nach der Übernahme werde Reebok zum Ergebnis von Adidas beitragen, im dritten Jahr erwarten Adidas und Reebok Einsparungen von rund 125 Millionen Euro.

Nach der Reebok-Übernahme wird sich der Marktanteil von Adidas im US-Sportschuhgeschäft verdoppeln, neue Geschäftsfelder wie American Football oder Hockey werden hinzugewonnen. Zu Reebok gehören Marken wie Rockport, Jofa, Koho und Greg Norman. Experten reagierten auf die Pläne dennoch zurückhaltend. "Wir sind skeptisch, weil wir den Schritt vor allem von der regionalen Ergänzung in den USA getrieben sehen und ansonsten wenig Synergien erwarten", sagte Analyst Jörg Frey von Sal. Oppenheim. Die HVB stufte die Aktie auf "Neutral" von "Outperform" herunter. Das Papier lag am Vormittag mit 147,50 Euro in etwa auf Vortagesniveau, nachdem es zunächst deutlich nachgegeben hatte.

Strategische Neuausrichtung fortgesetzt

Die Marktpositionierung - und die Übernahme von Reebok - kommt nicht von ungefähr: Adidas-Vorstand Erich Stamminger hatte bereits im Juni erklärt, sein Konzern versuche, den US-Marktanteil zu erhöhen. Adidas setzt mit dem Kauf seine strategische Neuausrichtung fort. Der Konzern wolle sich ganz auf Sportschuhe und -kleidung konzentrieren, sagte Vorstandschef Hainer. Erst im Mai hatte Adidas den Verkauf der vor allem im Winter- und Radsport aktiven französischen Salomon an die finnische Amer Sports angekündigt. Nur das Golf-Geschäft unter der Marke Taylor Made bleibt im Konzern.

Aus den Geschäftszahlen zum zweiten Quartal hat Adidas das Wintersport-Geschäft von Salomon bereits herausgerechnet. Ohne Salomon stieg das Nettoergebnis um 33 Prozent auf 94 Millionen Euro. Analysten hatten im Schnitt nur 86 Millionen Euro erwartet. Mit 1,52 Milliarden Euro setzte Adidas acht Prozent mehr um als noch vor einem Jahr. Der Konzern bestätigte die Prognose, wonach der Umsatz im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich steigen soll. Das Ergebnis solle um 20 Prozent auf 375 Millionen Euro wachsen.

DPA, Reuters DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker