Übernahmepoker Euronext will Deutsche Börse nicht


Im Fusionspoker um Euronext behält die New York Stock Exchange vorerst die Nase vorn. Die Aktionäre der Euronext mochten sich nicht auf eine Fusion mit der Deutschen Börse festlegen.

Nach dem Management der Vierländer-Börse Euronext haben bei der Hauptversammlung in Amsterdam auch die Aktionäre kein Votum für ein Zusammengehen mit der Deutschen Börse abgegeben. Denn ein Antrag, wonach die Fusion mit der Frankfurter Börse im besten Interesse der Aktionäre wäre, wurde von Aktionärsseite abgelehnt. Damit ist der Übernahmepoker weiterhin offen. Die Euronext hat das Angebot der New York Stock Exchange (NYSE) als langfristig attraktiver für ihre Aktionäre im Vergleich zur Gegenofferte der Deutschen Börse bezeichnet. Damit ist der Übernahmepoker zwischen der NYSE und dem Frankfurter Finanzplatz weiter offen. Denn die Verhandlungen mit der Deutschen Börse könnten auch jetzt weiter erfolgen.

Euronext soll NYSE-Dominanz sichern

Die NYSE will für die Euronext-Übernahme acht Milliarden Euro bar und in eigenen Aktien bezahlen. Die Deutsche Börse bietet dagegen eine Fusion unter Partnern an. Dabei würden die Aktionäre von Euronext und Deutscher Börse für ihre Anteile neue Aktien einer künftigen Dachgesellschaft erhalten.

Zuvor hatte das Management der Vierländerbörse für eine Fusion mit der New York Stock Exchange (NYSE) geworben. Dieses Angebot biete den besten Preis, die größten Synergien und eine gute Basis für Wachstum, sagte Euronext-Chef Jean-François Théodore. Ein Antrag, die Fusion mit der NYSE zu unterstützen, war nicht zur Abstimmung gestellt worden. Voraussichtlich wird nun eine Entscheidung auf einer außerordentlichen Hauptversammlung fallen.

Angebot der Deutschen Börse war höher

Die Deutsche Börse hatte das Angebot aus New York einer Modellrechnung zufolge überboten. Demnach würde das Frankfurter Unternehmen 76,6 Euro je Aktie oder rund 8,6 Milliarden Euro in Anteilen der neuen Gesellschaft sowie in bar zahlen. Die NYSE hatte rund 71 Euro geboten. Aus den Reihen der Euronext hieß es, das Angebot der Deutschen Börse sei teilweise irreführend, weil es sich nach der künftigen Entwicklung der Aktienkurse richte.

Erste Berechnungen der Euronext hätte ergeben, dass der Gewinn je Aktie im Zuge einer Übernahme durch die NYSE zweistellig steigen werde, sagte am Dienstag eine leitende Mitarbeiterin der Euronext auf der Hauptversammlung des Börsenkonzerns. Im Gegensatz dazu würde die Offerte der Börse nach Meinung der Euronext eine Verwässerung des Gewinns je Aktie im einstelligen Bereich bedeuten. Die Mitarbeiterin machte keine Angaben zum Zeitrahmen für ihre Angaben.

In eine ähnliche Kerbe schlägt John Thain, Chef der NYSE Group. Er will durch den Kauf des zweitgrößten europäischen Bärsenbetreibers Euronext die globale Spitzenposition und Dominanz der 214 Jahre alten New Yorker Börse sichern. Mit einem Übernahmeangebot von rund 71 Euro je Euronext-Aktie in Form von Aktien und Bargeld will er die Euronext mit der bereits weltgrößten Börse NYSE vereinen. Damit wurde Thain auch die erste große transatlantische Börse schaffen.

Zugang zum lukrativen Terminhandel

Die Aktien der neuen transatlantischen Gesellschaft NYSE Euronext hätten einen Gesamtwert von 16 Milliarden Euro (21 Mrd Dollar). Thain will aber auch Zugang zum lukrativen Terminhandel der Euronext bekommen. Euronext hatte die Londoner Terminbörse Liffe 2001 übernommen. Euronext würde wahrscheinlich mit der NYSE als Partner auch mehr Notierungen von Firmen aus aller Welt erhalten, die amerikanische Anleger anreizen wollen, ohne sich den viel härteren US-Aufsichtsregeln zu unterwerfen.

Gleichzeitig will Thain den US-Hauptkonkurrenten Nasdaq unterlaufen. Nasdaq-Chef Robert Greifeld war vor kurzem bei der Londoner Börse LSE (London Stock Exchange) mit einer Übernahmeofferte abgeblitzt. Die Nasdaq hat jedoch inzwischen am Markt etwas mehr als 25 Prozent der LSE-Anteile gekauft und hat damit eine Sperrminorität, die potenzielle Kaufvorstöße anderer Börsen bei der LSE sehr erschwert.

AP/Reuters AP Reuters

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