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Überwachungsskandal: Detektive attackieren Lidl

Wegen der Mitarbeiterbespitzelung steht der Discounter Lidl seit Tagen in der Kritik. Nun wehrt sich der Bundesverband der Detektive gegen den Versuch des Discounters, die Verantwortung auf die Ladendetektive abzuwälzen.

Der Bundesverband Deutscher Detektive (BDD) wirft dem Discounter Lidl vor, die Überwachung von Mitarbeitern falsch darzustellen. In seinem Mitarbeiterschreiben heiße es, dass "durch Detekteien zusätzliche und teilweise auch persönliche Informationen über Mitarbeiter protokolliert worden sind, was von Lidl so nicht gewollt war". Damit werde versucht, den wahren Sachverhalt zu verschleiern und die Detekteien als die alleinigen Schuldigen darzustellen, teilte der BDD in Bonn mit.

Es stehe außer Frage, dass sich die Detektive nicht korrekt verhalten hätten, wenn sie solche Protokolle angefertigt hätten. "Dass sie dies aber ohne die Rückendeckung der Unternehmensführung getan haben sollen, erscheint vor dem Hintergrund der rechtlichen Rahmenbedingungen für den Einsatz von Detektiven wenig wahrscheinlich", erklärte der Verband.

Bei dem Einsatz handele es sich nicht um "klassische" Detektive, sondern um "Kaufhausdetektive", die eigentlich Fachkräfte für Sicherheit im Handel und gewerbemäßig dem Bewachungs- und Sicherheitsgewerbe zugeordnet seien. Deren Aufgabe nach der Gewerbeordnung sei allein die Bewachung von Waren zur Verhinderung von Diebstählen. Eine Doppelfunktion - Warenbewachung einerseits und die Ausspähung von Mitarbeitern andererseits - verbiete sich einmal von der grundlegenden Aufgabenstellung her und zum anderen vor allem mit Blick auf die negativen Auswirkungen auf das Betriebsklima, betonte der Detektiv-Verband.

Ein unverrückbarer Grundsatz beim Einsatz von Detektiven sei es, dass alle Ermittlungsergebnisse vor Gericht bestehen könnten. "Das setzt auch voraus, dass für den Einsatz eines Detektives ein berechtigtes Interesse nachgewiesen werden und ein konkreter Anfangsverdacht bestehen muss." Vor diesem Hintergrund distanziere sich der Bundesverband Deutscher Detektive ausdrücklich von dem bei Lidl eingesetzten Unternehmen MIG Security, das nicht Mitglied im BDD sei.

AP / AP