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Datenschutz: Datenleck bei Unitymedia: Einfach mal die Rechnung Anderer anschauen ...

Der Telefon- und Kabelfernsehanbieter Unitymedia aus Köln hat ein Problem: Kunden konnten sich online anschauen, was andere Kunden so alles auf der Rechnung haben. Ein kleiner Datenschutz-GAU für das Unternehmen, das gerade verkauft werden soll.

Unitymedia-Logo, ein Mann an einer Computertastatur

Kunden von Unitymedia melden ein Datenleck, das Unternehmen versucht zu beruhigen (Symbolbild)

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In einem Chat auf der Homepage des Unternehmens machen sich die Kunden Luft. Und sie merken, dass sie nicht die einzigen sind, die plötzlich an fremde Namen und Adressen kommen – und an die von diesen Kunden gebuchten Leistungen. Das Unternehmen Unitymedia, das Kabel-TV, Internet und Telefonverbindungen anbietet und deutschlandweit rund sieben Millionen Kunden hat, bekam über Nacht ein ziemliches Problem.

"Ich checke meine Rechnungen eigentlich so gut wie nie, doch gerade wollte ich eine Einzelverbindung aus dem Einzelverbindungsnachweis anschauen und sehe, dass alle meine Rechnungen, bis auf die aktuellste, falsch sind", schreibt ein Unitymedia-Kunde. "Die Rechnungen sind an andere Personen adressiert, und ich kann komplett deren Vor- und Nachnamen, Kundennummer mit Adresse und den dazugehörigen gebuchten Leistungen sehen. Das ist doch datenschutzrechtlich ein Super-Gau, oder?" Der Kunde fragt sich, wer nun alles seine eigenen Rechnungen einsehen könne.

Unitymedia-Kunden sind beunruhigt

"Die Rechnungen ändern sich bei jedem Einloggen ins Kundencenter. Immer andere Adressen", ergänzt ein anderer Kunde. Ein Dritter berichtet, er habe "neun Rechnungen von neun verschiedenen Kunden runterladen können". Dieser Kunde macht sich Sorgen. "Könnte also gut möglich sein, dass jemand jetzt meine Anschrift hat, meine Kundennummer und dass er weiß, bei welcher Bank ich bin. Da ich in einer leitenden Position im öffentlichen Dienst bin, könnte man mich ohne Weiteres googeln, da mein Nachname in Kombination mit meinem Vornamen in Deutschland einzigartig ist." Genau das will der Kunde auf keinen Fall.

Der stern fragte bei Unitymedia nach. Ein Sprecher sprach von "einem kleinen Problem", das aber "wieder behoben" sei. Gleichzeitig sagte er, die Sache werde gerade noch geprüft. "Bei einigen wenigen Kunden wurden falsche Daten angezeigt." Mehr konnte oder wollte der Sprecher zuerst einmal nicht sagen.

Das Daten-Problem erwischt Unitymedia in keinem guten Moment. Gerade wird, wie Medien berichteten, über einen Verkauf des Unternehmens verhandelt. Der Vodafone-Konzern soll Interesse haben an dem Konkurrenten, der mehr als 2500 Mitarbeiter hat und Umsätze in Milliardenhöhe macht.

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