Unternehmen + Märkte Die Strompreise steigen

Die Strompreise für Privatleute steigen: So liegt die Durchschnittsrechnung eines Haushalts 2003 schon zehn Euro im Monat höher als vor drei Jahren.

Lag die monatliche Rechnung für einen Durchschnittshaushalt im Jahr 2000 noch bei 40 Euro im Monat, so müssen 2003 rund zehn Euro mehr gezahlt werden, wie der Verband der Elektrizitätswirtschaft am Dienstag in Berlin mitteilte. Trotz der flauen Konjunktur stieg der Stromverbrauch im Winter 2001/2002 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um etwa ein Prozent, was die Branche unter anderem auf die zunehmende Nutzung von Computern und anderer Elektronik zurückführt.

Preisanstieg wegen "Sonderlasten"

VDEW-Hauptgeschäftsführer Eberhard Meller sagte, etwa drei Viertel des Preisanstiegs für Privatleute seien auf "Sonderlasten" zurückzuführen, also die Ausgaben der Stromwirtschaft zur Förderung von erneuerbaren Energien wie Windkraft sowie ökologisch besonders sinnvollen Energieformen wie der Kraft-Wärme-Kopplung. Etwa ein Viertel der Erhöhung sei aber dadurch verursacht, dass die Strombranche sich konsolidiert habe und Unternehmen ihr Produkt nicht mehr"„unter den Grenzkosten" anbieten, sagte Meller.

Kaum noch Überkapazitäten

Insgesamt schwinden laut Meller die Überkapazitäten aus der Zeit vor der Liberalisierung des Strommarkts. "Die Polster aus der Monopolzeit sind weitgehend weggeschmolzen", sagte der Hauptgeschäftsführer. Die Auslastung der Kraftwerkskapazitäten habe im vergangenen Winter bei 91 Prozent gelegen. Da der VDEW weiter einen jährlichen Anstieg des Stromverbrauchs um 0,5 bis 0,8 Prozent erwartet, dürfte sich das Stromangebot weiter verknappen.

Industriepreise steigen weniger stark

Eine mittelfristige Prognose über die Strompreise wollte Meller allerdings nicht abgeben. Er sagte lediglich, die Preise für Privatleute stiegen stärker als für die Industrie, da die Umlage für die Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung nur zu 20 Prozent von Gewerbekunden erhoben werde.

Zubau von 40.000 Megawatt

In den Jahren nach 2010 steht der Strombranche nach Mellers Worten ein Investitionsschub ins Haus, da ältere Kohle- und Gaskraftwerke sowie die Kapazitäten von Atomkraftwerken ersetzt werden müssten. Etwa 40.000 Megawatt Leistung - etwa ein Drittel der heutigen Kapazität - müssten neu gebaut werden, sagte der VDEW-Vertreter. Der Großteil davon soll aus Kohle und Gas gewonnen werden, allerdings effizienter und umweltfreundlicher als bisher.

Energiepolitisches Konzept gefordert

Gefordert sei deshalb ein energiepolitisches Konzept der Bundesregierung. Meller begrüßte es, dass die Regierung gemeinsam mit der Wirtschaft energiepolitische Eckdaten erarbeiten wolle. "Dieses Kooperationsangebot greift die Elektrizitätswirtschaft gerne auf", sagte er.

Stromrechnung kein "Inkassoinstrument"

Die Regierung solle in der Europäischen Union für einheitliche Wettbewerbsbedingungen auch beim Umweltschutz streiten und die "nationalen Sonderlasten" wie die Ökosteuer und die Umlage für erneuerbare Energien begrenzen. "Die Stromrechnungen sollten nicht als Inkassoinstrument des Staates missbraucht werden", sagte Meller.

Nicht nur Windkraft

In dem Zusammenhang solle auch die Förderung für Windkraft vor allem an guten Standorten verringert werden. Die Eckpunkte von Umweltminister Jürgen Trittin für ein neues Erneuerbare Energien Gesetz zeigten hier positive Ansätze. Mit jedem Förder-Euro müsse so viel erneuerbare Energie wie möglich gewonnen werden.


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