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UNTERNEHMEN: Deutsche Börse will Clearstream ganz

Für 3,2 Milliarden Euro will die Börse durch eine Vollübernahme die größte europäische Clearingstelle unter ihre Kontrolle bringen. Erste Kunden, wie UBS wollen deshalb abwandern.

Die Deutsche Börse AG (DBAG) steht vor der vollständigen Übernahme des Wertpapierabwicklers Clearstream International. Es wurde eine Einigung mit dem Board von Cedel über ein Angebot zum Kauf der noch nicht in DBAG-Besitz befindlichen 50 Prozent an Clearstream erzielt. Die Offerte an die Anteilseigner bewerte Clearstream mit insgesamt 3,2 Milliarden Euro. Die Vollübernahme von Clearstream ist die zweite Akquisition der DBAG seit ihrem Börsengang vor einem Jahr. Es seien weitere Partnerschaften oder Zukäufe geplant, teilte die Börse weiter mit.

Teilweise fremdfinanziert

Mit dem Angebot wird die DBAG rund das Zwanzigfache des für 2002 erwarteten Jahresüberschusses von Clearstream vor Synergien und Restrukturierungsaufwendungen bieten, hieß es. Die Offerte bedarf noch der Zustimmung von zwei Dritteln der Cedel-Aktionäre. Diese würden aus der Transaktion 1,6 Milliarden Euro erlösen. Jeder der Aktionäre könnte wählen zwischen einer Barzahlung oder Aktien der Deutschen Börse. Für den Baranteil der Gesamtsumme stehen bis zu eine Milliarde Euro zur Verfügung. Dies entspricht ungefähr dem Erlös der DBAG aus ihrem Börsengang vor einem Jahr. Den möglicherweise über eine Milliarde hinausgehenden Baranteil an der Gesamtsumme will die Börse den Angaben zufolge fremdfinanzieren. Aus Kreisen im Cedel-Umfeld hieß es, dass die meisten Anteilseigner wahrscheinlich Barmittel bevorzugen.

Erste Kunden verlassen Clearstream

Unterdessen hat die Schweizer Investmentbank UBS angekündigt, Teile ihrer Kundenbeziehungen von Clearstream weg auf den Konkurrenten Euroclear zu übertragen. Wie schon das Investmenthaus JP Morgan, das bereits sogar den kompletten Wechsel zu Euroclear angekündigt hatte, kritisiert UBS, dass die Wertpapierabwicklung bei Clearstream durch die Übernahme ganz unter die Kontrolle einer Börse gerät. Clearstream teilte dazu mit, dass wichtige Kunden wie Barclays, Citigroup und ING die nunmehr eingeleitete weitere Entwicklung von Clearstream unterstützten.

Einsparungspotential erwartet

Joanna Nader, Analystin bei Lehman Brothers, hält den ausgehandelten Preis für angemessen. »«ch denke, wenn sie Kosteneinsparungen in Höhe von rund 80 Millionen Euro erzielen und und rund zehn Prozent ihres Geschäfts auf Grund abwandernder Kunden verlieren, ist das zu rechtfertigen», sagte sie. Die Börse hat zum möglichen Einsparpotenzial durch die Transaktion bislang keine Aussagen gemacht. Zur Frage der Kundenbindung bei Clearstream sagte Nader, dass sie keine Abwanderungswelle erwartet. Es wird damit gerechnet, dass vor allem Eurobonds von Clearstream abgezogen werden, da dies vergleichweise einfach geht. UBS und JP Morgan sind in diesem Geschäft wichtige Marktteilnehmer. Für weitere Übernahmen oder Börsenfusionen könnte sich die Börse jederzeit weitere Mittel beschaffen, sagte Nader mit Blick auf die durch die Clearstream-Übernahme weitgehend aufgebrauchten Erlöse aus dem Börsengang.

Angebot soll sechs Wochen gelten

Die Offerte der Börse an die Clearstream-Eigner soll den Angaben zufolge spätestens am 28. Februar unterbreitet werden und sechs Wochen lang gelten. Dann wird es auch eine formelle Empfehlung des Boards von Cedel an die Aktionäre geben. Clearstream war vor rund zwei Jahren aus der Fusion der Wertpapierabwicklungsgesellschaft der DBAG Deutsche Börse Clearing und der Luxemburger Cedel International entstanden.