HOME

VDO-Betriebsräte: "Von Siemens verraten"

Trotz einer Standortgarantie für die kommenden fünf Jahre befürchten die 7500 Beschäftigten des Automobilzulieferers VDO nach dem Verkauf an Continental einen Personalabbau. Nicht ganz unbegründet: Conti-Chef Wennemer wollte keine Beschäftigungsgarantie abgeben.

Die Sorgen der VDO-Belegschaft konnte Bayerns IG Metall-Vorsitzender Werner Neugebauer am Freitag in Regensburg gut in Worte nachvollziehen: Continental-Vorstandschef Manfred Wennemer habe bei einer Wirtschaftsausschuss-Sitzung des Gesamtbetriebsrates ausdrücklich keine Beschäftigungsgarantie geben wollen. Die mittelfristige Planung von Siemens, wonach von den 19.000 VDO-Beschäftigten in Deutschland bis zu 5000 gehen müssten, habe also weiter Bestand.

7000 Jobs wackeln

Laut Neugebauer sind bei VDO derzeit insgesamt sogar rund 7000 Jobs gefährdet. Mit Blick auf die fehlende Absicherung der Mitarbeiter beim Verkauf an Continental sagte er: "Die Mitarbeiter fühlen sich von Siemens verraten und verkauft." Allein in Bayern seien 3000 VDO-Stellen gefährdet. Wenn der neue Siemens-Vorstandsvorsitzende Peter Löscher den Konzernumbau weiter auf diese Art betreibe, sei das Schlimmste zu befürchten. "Man kann ja auch eine Hundehütte stehen lassen", sagte Neugebauer mit sarkastischem Blick auf die Standortgarantie.

Befürchtungen hegen die Mitarbeiter darüber hinaus auch angesichts von Produkt-Überschneidungen in den Werken von VDO und Continental, die teilweise bei bis zu 80 Prozent liegen sollen. So stellten sowohl Continental Temic in Ingolstadt und Nürnberg als auch VDO in Regensburg Airbags her. Bei der Sitzung des Wirtschaftsausschusses am Donnerstag habe man Conti-Vorstandschef Wennemer aufgefordert, bis September konkrete Aussagen zur Zukunft der einzelnen Werke zu treffen.

VDO-Zentrale bleibt nicht in Regensburg

Zerschlagen haben sich laut IG Metall jedoch die Hoffnungen, dass die bisherige Zentrale von Siemens VDO nach der Übernahme in Regensburg bleibt. "Es wird nur eine Zentrale geben, und die ist in Hannover", gab VDO-Gesamtbetriebsratsvorsitzender Hans Fischl die Ausführungen von Wennemer wieder.

Auch ohne konkrete Umsatzvorgaben von Continental befürchtet die IG Metall, dass Continental im neuen Konzern die Gewinnmarge auf neun Prozent anheben will. Der Kaufpreis von 11,4 Milliarden Euro müsse ja irgendwie wieder hereinkommen, sagte Neugebauer und kritisierte die Erwartungen: "Jeder Automobilzulieferer, der an die sieben Prozent herankommt, schreit Halleluja." Sorgen gebe es vor allem am Standort Würzburg. Da dort nur fünf Prozent erwirtschaftet würden, gebe es Verunsicherung, ob sich Continental auch an den soeben mit Siemens ausgehandelten Beschäftigungssicherungsvertrag halten werde, der eine Mitarbeiterzahl von 1410 bis 2010 festschreibe.

Abbau wird sicher nicht geräuschlos passieren

Neugebauer machte ausdrücklich darauf aufmerksam, dass die IG Metall keinerlei Abkommen mit Continental oder Siemens getroffen habe. Auch im Aufsichtsrat von Siemens habe man sich dem Verkaufsbeschluss widersetzt. "Aber wir haben weder rechtlich noch politisch die Möglichkeit, das zu verhindern", sagte er. "Wenn es aber zu einem Abbau kommt, wird das sicher nicht geräuschlos geschehen, auf den Tanz kann sich Continental jetzt schon einstellen", fügte er hinzu.

Jörg Völkerling/DDP / DDP