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Verdacht auf Missbrauch von EU-Hilfen Griechische Bank soll 700 Millionen unterschlagen haben


Die griechische Privatbank Proton soll bis zu 700 Millionen Euro unterschlagen haben. Der Fall könnte hochbrisant werden: Das Institut wurde erst kürzlich mit 900 Millionen Euro aus EU-Hilfen gerettet.

Die griechische Privatbank Proton steht unter Verdacht, im vergangenen Jahr 700 Millionen Euro unterschlagen zu haben. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Dass Ermittlungen gegen das Geldhaus laufen, bestätigte die Bank gegenüber stern.de. Besonders brisant ist der Fall, weil Proton in den vergangenen Monaten mit fast 900 Millionen Euro vom griechischen Staat gerettet wurde. Das Geld dafür stammt aus dem Rettungsschirm der Euro-Staaten.

Proton soll in den vergangenen Jahren von Athen aus bis zu 700 Millionen Euro auf fragwürdige Weise außer Landes geschleust haben, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Das gehe aus einem Untersuchungsbericht der Griechischen Zentralbank hervor. Das Geld sei teilweise bei Offshore-Firmen versickert, deren tatsächliche Inhaber unbekannt seien. Die Athener Staatsanwaltschaft gehe den Vorwürfen nach und ermittele gegen sieben Proton-Verantwortliche.

Inzwischen bringt die griechische Polizei nach Angaben der Zeitung die Explosion in einem Wohnblock in einem Athener Vorort mit dem Fall in Verbindung. In dem Gebäude wohnt ein leitender Angestellter der griechischen Zentralbank, der gemeinsam mit Kollegen bei der Proton-Bank wegen des Verdachts auf Geldwäsche, Betrug und Bereicherung ermittelt habe. Vor wenigen Tagen waren dort vier Autos beschädigt worden. Der Anschlag sei offenbar als Warnung gedacht.

Rätselhafte Überweisungen

Einer der Hauptbeschuldigten bei der Athener Staatsanwaltschaft ist der griechische Unternehmer Lavrentis Lavrentiadis, der 2009 bei Proton als Hauptinhaber und Präsident einstieg. In dem Prüfbericht der Zentralbank sind nach Angaben der Zeitung rätselhafte Überweisungen von der Bank an Firmen mit Namen wie "Beauty Works" oder "Gold Valley" dokumentiert worden.

Außerdem habe der oberste Kreditrat von Proton viele hochriskante Darlehen an neu gegründete Gesellschaften genehmigt. Zudem sollen Offshore-Firmen finanziert worden sein, von denen keine ausreichenden Wirtschaftsdaten vorgelegen hätten.

Inzwischen hat der griechische Staat die Bank aufgespaltet. Die Neue Proton Bank macht mit dem vorhandenen Kapital weiter Geschäfte, der Rest wird auf Kosten des Staates liquidiert. Der Direktor der Neuen Proton Bank betonte gegenüber stern.de, das neue Institut habe mit dem alten Management, das unter Beschuss steht, nichts zu tun. Nach dem Bericht einer griechischen Zeitung hat sich der Staat per Gerichtsbeschluss den Zugriff auf das Vermögen von Lavrentiadis und weiteren Proton-Verantwortlichen gesichert.

Der Unternehmer weist die erhobenen Vorwürfe zurück. Die Verdächtigungen seien unhaltbar. Er arbeite mit den Behörden zusammen und werde die Angelegenheit klären.

fro

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