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Kernforschungszentrum Cern: "Weltmaschine" stellt Energierekord auf

Der größte Teilchenbeschleuniger der Welt ist wieder in Betrieb. Nun sind in der "Weltmaschine" Protonen mit bislang unerreichter Wucht aufeinander geprallt - ein Erfolg für die Forscher in Genf.

So sieht der Teilchenbeschleuniger Large Hadron Collider (LHC) im Europäischen Kernforschungszentrum Cern bei Genf aus

So sieht der Teilchenbeschleuniger Large Hadron Collider (LHC) im Europäischen Kernforschungszentrum Cern bei Genf aus

Erst vor knapp sechs Wochen wurde der größte Teilchenbeschleuniger der Welt wieder in Gang gebracht, Forscher hatten auf diesen Moment sehnsüchtig gewartet. Nun gibt es die erste Erfolgmeldung: Der Large Hadron Collider (LHC) hat einen Kollisionsrekord erreicht.

In der riesigen Anlage prallen jetzt erstmals Protonen mit einer Energie von 13 Teraelektronenvolt aufeinander, wie das europäische Atomforschungszentrum Cern in Genf mitteilte. Allerdings handelte es sich zunächst um Test-Kollisionen und noch nicht um die weitere Suche nach unbekannten Elementarteilchen.

Mit dem Erreichen der Rekord-Energiewerte sei die auf acht Wochen angelegte Phase der Wiederinbetriebnahme des LHC erfolgreich fortgesetzt worden. Dabei werden alle Systeme und Bestandteile des 27 Kilometer langen LHC-Ringtunnels getestet und aufeinander eingestellt. Ab Anfang Juni sollen Daten aufgezeichnet werden. Der LHC war in zweijähriger Arbeit umfassend modernisiert worden.

Forscher erhoffen bahnbrechende Erkenntnisse

Auf unsere Alltagswelt übertragen entspricht ein Teraelektronenvolt zwar in etwa nur der Bewegungsenergie eines fliegenden Moskitos. Im LHC und in der Welt der Protonen konzentriert sich die Energie jedoch auf einen winzig kleinen Raum, der billionenfach kleiner ist als ein Moskito.

In dem 27 Kilometer langen Ringtunnel des LHC (Großer Hadronen-Speicherring) an der französisch-schweizerischen Grenze lassen die Wissenschaftler mehr als hundert Meter unter der Erde Protonen mit nahezu Lichtgeschwindigkeit aufeinanderprallen. Bei diesen Kollisionen hoffen die Forscher auf Spuren neu entstandener Teilchen.

Auf diese Weise hatten die Forscher 2012 am LHC das lange gesuchte Higgs-Teilchen nachgewiesen, das anderen Teilchen ihre Masse verleiht. Im Februar 2013 war der LHC nach dreijährigem Betrieb heruntergefahren und anschließend modernisiert worden. Bei den nun deutlich gesteigerten Energien in der zweiten LHC-Betriebsphase erwarten viele Wissenschaftler weitere bahnbrechende Entdeckungen.

Wird das Rätsel der Dunklen Materie gelöst?

Zu den Geheimnissen, die der LHC demnächst womöglich lüften kann, zählt die Natur der sogenannten Dunklen Materie. Sie gilt als eines der größten Rätsel in der Kosmologie: Forscher gehen davon aus, dass die sichtbare Materie nur rund vier Prozent des Universums ausmacht, während 96 Prozent auf Dunkle Materie und die ebenso geheimnisumwitterte Dunkle Energie entfallen.

Eine Erklärung für die unsichtbare Dunkle Materie lautet, dass alle aus dem bewährten Standardmodell der Teilchenphysik bekannten Partikel schwerere Zwillinge haben - sogenannte supersymmetrische Teilchen, aus denen dann die Dunkle Materie bestehen könnte. Wissenschaftler glauben, dass der aufgerüstete LHC nun genug Energie besitzt, um supersymmetrische Teilchen zu entdecken - wenn sie existieren.

kis/AFP/DPA / DPA
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