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LHC: Keine Angst vor Schwarzen Löchern

Lange wurde er repariert, nun sollen die Experimente wieder beginnen. An diesem Dienstag werden im Teilchenbeschleuniger LHC im Kernforschungszentrum Cern in Genf Protonenstrahlen mit hoher Energie aufeinander geschossen. Kritiker befürchten erneut, die Welt könnte dabei untergehen.

Der weltgrößte Teilchenbeschleuniger LHC in Genf soll an diesem Dienstag einen neuen Rekord aufstellen. Dazu werden zwei Protonenstrahlen zusammengeführt, die in gegenläufiger Richtung durch den 27 Kilometer langen Tunnel bei Genf kreisen - mit einer Energie von jeweils 3,5 Tera-Elektronenvolt. Von den Experimenten erhoffen sich die Wissenschaftler Antworten auf offene Fragen zur Entstehung des Universums und zur Struktur der Materie. Dazu sollen Bedingungen wie unmittelbar nach dem Urknall erzeugt werden.

Einwände von Kritikern, die Erde könnte bei diesen Versuchen in einem Schwarzen Loch untergehen, wiesen die Wissenschaftler erneut zurück. Es würden keine gefährlichen Schwarzen Löcher erzeugt, sagte Cern-Generaldirektor Rolf-Dieter Heuer dem Sender Deutschlandradio Kultur am Montag. Im LHC-Beschleuniger könnten lediglich mikroskopische Schwarze Löcher entstehen. Dabei handelt es sich nach Cern-Angaben jedoch nicht um die aus dem Kosmos bekannten Objekte, sondern um exotische Quantenzustände. Diese zerfielen nach der Erzeugung sofort wieder, betonte Heuer.

Zudem mache das Universum seit Milliarden von Jahren jede Sekunde Milliarden derartiger Experimente, sagte Heuer. Denn im All kollidieren weit energiereichere kosmische Teilchen. "Und wir sind immer noch da." Wenn man Grundlagenforschung betreibe und Neuland betrete, gebe es stets derartige Ängste bei den Menschen, ist sich Heuer sicher.

Suche nach dem Higgs-Teilchen

Bei dem Experiment am Dienstag werden die Kerne von Wasserstoffatomen getrennt und anschließend beschleunigt. Nach Cern-Angaben könnten mehrere Tage bis zu den ersten Kollisionen vergehen. "Es ist, als ob Sie zwei Nadeln über dem Atlantik zusammenstoßen lassen wollen", sagte der Cern-Generaldirektor. Dadurch können vielleicht bislang nur theoretisch beschriebene Partikel wie das Higgs-Teilchen nachgewiesen werden. Das Higgs-Teilchen ermöglicht gemäß dem Standardmodell der Physik, dass Teilchen überhaupt eine Masse haben. Wenn das Higgs existiere, werde es auch am LHC entdeckt, vermutet Heuer. Das Standardmodell erkläre zudem lediglich vier bis fünf Prozent der Materie- und Energiedichte des Universums, der Rest liege im Dunkeln. "Ich erhoffe mir wirklich in den nächsten paar Jahren das erste Licht in dieses dunkle Universum."

Der LHC-Teilchenbeschleuniger war nach mehr als einjährigen Reparaturarbeiten am 20. November 2009 wieder angelaufen - im September 2008 hatte die milliardenteure Anlage wegen schwerer Pannen kurz nach Inbetriebnahme gleich wieder abgestellt werden müssen. Im November vergangenen Jahres lösten von einem Vogel fallengelassene Brotkrümel einen Kurzschluss in der Milliarden-Maschine aus. Beim Neustart lief der LHC zunächst nur mit gebremster Kraft an. Seitdem wurden Energie und Beschleunigung der Teilchen in der unterirdischen Anlage nahe der französisch-schweizerischen Grenze stetig erhöht.

AFP/DPA / DPA