HOME

Verkehr: So verliert der Auslandsunfall an Schrecken

Das Auto ist immer noch das beliebteste Reisemittel in den Ferien. Dabei scheppert es etwa 150.000 mal im Jahr zwischen Fahrzeugen aus verschiedenen EU-Ländern. Die richtige Vorbereitung kann Ärger, Kosten und Zeit sparen.

Nicht immer nimmt die Urlaubsfahrt ins Ausland einen glücklichen Verlauf: Etwa 150.000 Deutsche werden laut Statistik des Zentralrufs der Autoversicherer alljährlich unverschuldet in einen Verkehrsunfall im Ausland verwickelt. Noch bis vor kurzem konnte es Jahre dauern, bis die Geschädigten an Geld kamen - wenn sie nicht schon von vornherein auf verlorenem Posten standen. Seit 2003 ist es zumindest innerhalb der Europäischen Union (EU) viel einfacher, Ansprüche geltend zu machen.

Unfallprotokoll besonders wichtig

Dabei gilt: das Unfallopfer sollte das Geschehen genau festgehalten haben, möglichst mit Fotos, einer Skizze vom Unfallort, eventuell mit Zeugen und - ganz wichtig - mit Hilfe des Europäischen Unfallberichts, der vom Unfallgegner einvernehmlich unterschrieben wurde, wie Klaus Brandenstein vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GdV) rät. Das Formular kann man vor Abreise in vielen Sprachen beim eigenen Versicherer oder Autoclub anfordern. "Damit lässt sich jede Menge Ärger umschiffen", weiß auch Patrick Bruns, Vertragsanwalt des Auto Clubs Europa (ACE).

Wichtig ist zudem, die Polizei in der Fremde zu rufen. Die Ordnungshüter sind bei Bagatellschäden meist gar nicht verpflichtet zu protokollieren. Bei Fahrerflucht, hohen Schäden, Streit über den Unfallhergang, bei Personenschäden oder fehlendem Versicherungsschutz des Unfallgegners sei ein Polizei-Protokoll aber absolutes Muss. Vor allem in Dänemark, Polen, Tschechien sowie in den Balkanländern sei das prinzipiell Voraussetzung für eine spätere Schadensregulierung, wie Bruns betont.

Europäischen Unfallbericht nutzen

Hatte der deutsche Autourlauber den Europäischen Unfallbericht dabei, die Polizei gerufen und gibt es keinen Streit um den Unfallverlauf, stehen die Chancen auf Schadenersatz häufig gut. "Der Auslandsunfall hat im europäischen Wirtschaftsraum an Schrecken verloren", betont Andrea Schwarz, Juristin der Verkehrsopferhilfe in Hamburg. Das gelte für die EU-Mitgliedsstaaten sowie für Liechtenstein, Norwegen und Island.

Wessen Auto beispielsweise in Spanien angefahren wurde, kann sich nach der Rückkehr an den Beauftragten der spanischen Versicherung wenden. Jeder europäische Versicherer hat seit 2003 einen Repräsentanten in Deutschland, der sich kümmern muss. Und zwar in deutscher Sprache. Die Adresse der zuständigen ausländischen Versicherung bekommt man beim Zentralruf der Autoversicherer unter der Nummer 0180 - 25026 (6 Cent pro Anruf aus dem Festnetz) oder im Internet unter zentralruf.de. Der Repräsentant muss innerhalb von drei Monaten ein Angebot zur Schadensregulierung machen. Oder zumindest Stellung beziehen.

Weniger Schadenersatz als daheim

Hat die fremde Versicherung nicht rechtzeitig oder nicht angemessen reagiert, kann sich das Unfallopfer an die nächste Instanz wenden. In Deutschland ist das der Verein Verkehrsopferhilfe in Hamburg (Telefon: 040-30180-0, oder im Internet verkehrsopferhilfe.de). Der Geschädigte kann dort auch anrufen, wenn das ausländische Fahrzeug oder der fremde Versicherer nicht innerhalb von zwei Monaten nach dem Unfalltag ermittelt wurde. Der Verein sorgt für Zahlungen und holt sich das Geld von der ausländischen Versicherung zurück. Unfallopfern sollte allerdings klar sein: nicht jede Schadensbearbeitung mündet automatisch in eine akzeptable Zahlung, wie Juristin Schwarz betont.

Längst nicht jede Regulierung sei zufriedenstellend. Denn die Schadenersatzleistungen sind auch EU-weit noch lange nicht einheitlich. Abgerechnet wird immer nach dem Recht des Unfalllandes. Damit schneiden deutsche Autofahrer finanziell oft schlechter ab als nach einem Unfall zu Hause. "Nutzungsausfall, Wertminderung oder Anwaltskostenersatz darf man im Ausland nicht erwarten", betont Brandenstein.

Manchmal bleibt nur der Klageweg

Grundsätzlich sollten Autourlauber wissen: kann die gegnerische Versicherung nicht ausfindig gemacht werden, gibt es Streit um die Schuldfrage oder um große und komplizierte Schäden, kann auch die Verkehrsopferhilfe an ihre Grenzen stoßen. Dann bleibt manchmal nur noch der Klageweg - bislang noch in fremder Sprache, mit fremden Recht und erheblichem Kostenrisiko. Denn selbst wenn der Prozess im Ausland gewonnen wird, werden die Anwaltskosten häufig nicht von der fremden Versicherung übernommen.

Berrit Gräber/AP / AP