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Versicherungen: Österreichischer Rettungsanker für die Mannheimer?

Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung soll an diesem Freitag (27. Februar) über die mehrheitliche Übernahme der Mannheimer AG Holding durch die österreichische Versicherungsgruppe UNIQA entschieden werden.

Die finanziell schwer angeschlagene Mannheimer Versicherung greift nach einem österreichischem Rettungsanker. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung soll an diesem Freitag (27. Februar) über die mehrheitliche Übernahme der Mannheimer AG Holding durch die österreichische Versicherungsgruppe UNIQA entschieden werden. Der Wiener Konzern will seinen Aktienanteil von knapp 20 auf fast 88 Prozent erhöhen. Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) hat bereits Widerstand gegen die Pläne angekündigt.

Grundkapital soll herabgesetzt werden

Das Sanierungskonzept sieht vor, das Grundkapital der Mannheimer zur Verlustabdeckung von derzeit 25,8 Millionen auf 10,1 Millionen Euro herabzusetzen. 53 Millionen neue Aktien sollen dann zu einem Stückpreis von 1,50 Euro an die UNIQA verkauft werden. Die anderen Aktionäre sollen daran nicht beteiligt werden. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hatte das österreichische Unternehmen davon befreit, ein Pflichtangebot zu veröffentlichen.

Freie Aktionäre würden verlieren

Dieser Passus ist der Hauptkritikpunkt der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre. Argumentiert wird, dass die freien Aktionäre so sämtliche Risiken und damit den Verlust des Großteil des von ihnen eingesetzten Kapitals tragen würden. An den möglichen Erfolgen der Gesellschaft könnten sie dagegen nicht teilhaben. Die zuständigen Kartellbehörden sowie die BaFin müssen der Mehrheitsbeteiligung ebenfalls noch zustimmen.

Nur Protektor verhinderte Insolvenz

Die Mannheimer war durch die finanzielle Schieflage ihrer Lebensversicherungstochter in die tiefroten Zahlen gerutscht. Die drohende Insolvenz konnte Mitte vergangenen Jahres nur durch eine Einigung mit der Auffanggesellschaft Protektor verhindert werden. Damit war die Mannheimer Leben zum ersten Fall für die von der Versicherungsbranche für Notfälle gegründeten Gesellschaft geworden. An ihr sind 103 Lebensversicherer beteiligt.

Uniqa würde Verträge übernehmen

Protektor hatte Mitte September schließlich die 345.000 Verträge der Mannheimer Leben mit einem Volumen von etwa 18 Milliarden Euro übernommen. Ein in diesem Zuge gewährtes Darlehn von 193,1 Millionen soll durch eine Einmalzahlung von 25 Millionen Euro ausgelöst werden, wenn es zu der Mehrheitsübernahme durch die UNIQA kommt. Das Unternehmen gilt als eine der führenden Versicherungsgruppen Österreichs.

Derzeit nur noch im Kerngeschäft tätig

Die Mannheimer ist seit der knapp abgewendeten Insolvenz nur noch auf ihr Kerngeschäft der Schaden- und Unfallversicherung ausgerichtet. An die Versicherungsgruppe Continentale wurden 51 Prozent der Krankenversicherungssparte verkauft. Ende September ist die Mannheimer AG Holding aus dem SDAX ausgeschieden. Neben der UNIQA ist die Münchener Rückversicherungsgesellschaft mit 10 Prozent Großaktionär bei der Mannheimer. Der Rest der Papiere befindet sich in Streubesitz.

Bernd Glebe / DPA