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Mobilfunkverträge: Vertragsverlängerung am Telefon aufgequatscht - komme ich da wieder raus?

Erst kündigen und dann am Telefon zu besseren Konditionen verlängern, so machen es viele Mobilfunk-Kunden. Doch was, wenn man die telefonische Zusage später bereut? Aboalarm-Chef Bernd Storm van's Gravesande erklärt, welche Regeln für den Widerruf von telefonisch vereinbarten Verträgen gelten.

Vertrag am Telefon

Telefonisch geschlossene Verträge können widerrufen werden - innerhalb bestimmter Fristen

Viele Mobilfunkkunden kündigen jährlich, um die Rückgewinnungsmaßnahmen der Anbieter zu nutzen und sich so bessere Konditionen beziehungsweise den Neukundenstatus zu sichern. Dass sich dies lohnt zeigt auch unsere Studie aus dem Jahr 2016 zum Strategischen Kündigen. Ist die Kündigung beim Anbieter eingegangen, melden sich meist zeitnah Servicemitarbeiter per Telefon oder SMS. Der Vorteil für den Verbraucher: Nach der Kündigung geht plötzlich alles, was vorher vertraglich nicht umgesetzt werden konnte.

Bernd Storm van's Gravesande, Gründer und Geschäftsführer des Kündigungsdienstes "aboalarm", berichtet in loser Folge über Ärgernisse und Fallen, vor denen sich Verbraucher in Acht nehmen müssen.

Bernd Storm van's Gravesande, Gründer und Geschäftsführer des Kündigungsdienstes "aboalarm", berichtet in loser Folge über Ärgernisse und Fallen, vor denen sich Verbraucher in Acht nehmen müssen.

Wer nach Vereinbarung neuer Vertragskonditionen jedoch feststellen muss, dass andere Anbieter günstigere Konditionen zu bieten haben, ärgert sich schnell über die Zusage am Telefon. Zusätzlich hören wir immer wieder von Fällen, bei denen ursprünglich versprochene Vertragskonditionen in den anschließend zugesendeten Vertragsunterlagen nicht enthalten sind. Zugestimmt hat man dem Vertrag dann aber im Voraus mündlich am Telefon. Wenden sich die Betroffenen an die Hotline des Anbieters finden die Mitarbeiter meist "keinen Vermerk in Ihren Unterlagen".

In diesen Fällen stellt sich also die Frage: Können am Telefon verlängerte Verträge widerrufen werden?

Auf die Widerrufsbelehrung kommt es an

Im Vornhinein ist zu sagen: Für Verträge, die nach der Kündigung geschlossen werden, hat der Verbraucher ein Widerrufsrecht. Solche gelten nämlich aufgrund der vorausgegangenen Kündigung als neue Verträge. Grundsätzlich beträgt eine Widerrufsfrist ab dem Tag des Vertragsschlusses 14 Tage.

Bei Vertragsabschlüssen am Telefon, kommt es dann jedoch auf die Vertragsunterlagen an: Nach der telefonischen Vertragsverlängerung müssen diese dem Kunden in Textform, in der Regel per E-Mail oder postalisch, zugesendet werden. Sie müssen eine Widerrufsbelehrung sowie ein Musterformular für den Widerruf enthalten.

Gut zu wissen ist: Erst mit dem Eingang der schriftlichen Widerrufsbelehrung beginnt die vierzehntägige Widerrufsfrist. Wird eine solche Belehrung nie zugestellt, verlängert sich die grundsätzliche Widerrufsfrist um ein ganzes Jahr, sodass der Vertrag über einen Zeitraum von einem Jahr und zwei Wochen widerrufen werden kann.

Kommt es zum Streitfall, muss der Anbieter beweisen, dass der Kunde über den Widerruf belehrt wurde. IT- und Medienrechtsanwalt Holger Loos gibt jedoch zu bedenken: "Das Unternehmen hat grundsätzlich den Vorteil, dass es immer Zeugen hat, ob durch mit Erlaubnis aufgezeichnete Gespräche oder durch Aktennotizen der Mitarbeiter." Daher ist es sinnvoll, sich nach der Kündigung genau zu überlegen, ob man sich auf eine telefonisch angebotene Vertragsverlängerung einlässt. Wer sich mit den neuen Vertragskonditionen per Telefon nicht sicher ist, sollte darauf achten ganz deutlich einem neuen Vertrag zu widersprechen oder gleich auf ein schriftliches Angebot inklusive Widerrufsbelehrung zu bestehen. 

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