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TV-Kritik

"WWM"-Promi-Special: Prominenter Telefonjoker wird zum Star bei Jauch

Sie zauberten, sie sangen und sie rätselten: Vier Promis gaben bei Günther Jauch alles. Im Gedächtnis blieb jedoch ein anderer – und das nur wegen eines verzweifelt ausgerufenen "Nein!"

Promi-Special bei "WWM": Wie ein Promi-Joker Günther Jauch die Show stahl

Es dauerte bis etwa zur Hälfte der über dreistündigen Show, als der Zufall allen Mitwirkenden auf die Sprünge half und die Sendung Fahrt aufnahm. Plötzlich wurde improvisiert und es damit tatsächlich lustig. Zu diesem Zeitpunkt saß Michael Mittermeier Günther Jauch gegenüber und grübelte über seine 125.000-Euro-Frage: "Was hielt Marilyn Monroe in der Hand, als man ihren unbekleideten Leichnam am 5. August 1962 auf dem Bett fand? A) Lippenstift, B) Telefonhörer, C) Whiskeyflasche oder D) Foto von JFK."

Thomas Herrmanns verzweifelter Ruf

Der Comedian wusste nicht weiter und griff auf einen seiner Telefonjoker zurück. Das war niemand geringeres als sein Comedian-Kollege Thomas Herrmanns. Dieser hatte zum Zeitpunkt des Anrufs nach eigener Aussage bereits eine halbe Flasche Wein intus. Beste Voraussetzungen also. Da Mittermeier sich für das Vorlesen der Frage reichlich Zeit ließ, musste Herrmanns zügig antworten – und sagte A, Lippenstift. In der allerletzten Sekunde besann er sich jedoch eines Besseren und rief ein verzweifeltes "Nein!" in den Hörer. Zu spät. Die Leitung wurde getrennt. Besser hätte man es nicht inszenieren können. Darüber hinaus nutzte Jauch die verbale Vorlage und äffte immer wieder das "Nein!" von Thomas Herrmanns auf überdrehte Louis-de-Funes-Art nach. 

Das half dem sichtlich verunsicherten Mittermeier bei der Beantwortung der Frage natürlich nicht. Der zusätzlich eingesetzte Publikumsjoker riet ihm dann jedoch zu Antwort B, dem Telefonhörer. Das war richtig – und die 125.000 Euro waren gerettet. Damit Herrmanns nicht vor lauter Verzweiflung, die falsche Antwort gegeben zu haben, eine weitere Flasche Wein trinken würde, wurde er erneut von Jauch angerufen und die Situation aufgeklärt. Eine spontane Aktion mit absolutem Seltenheitswert. Außerdem war ein Running-Gag geboren und etliche Nein!-Ausrufe erinnerten anschließend immer wieder an den nicht anwesenden Herrmanns, der dadurch zum eigentlich Star der Show wurde. Irgendwann wurde anstatt des Telefonjokers sogar vom Nein!-Joker gesprochen.

Die unterschiedlichen Ehrlich Brothers 

Eine solche Situation lässt sich nicht planen. Ganz im Gegensatz zu den Zaubertricks, die die Ehrlich Brothers während ihres Fragedurchgangs präsentierten. Sie hatten sich gleich in der ersten Schnellraterunde durchgesetzt. Spannender als ihre Tricks war jedoch ihr Umgang miteinander zu beobachten, wobei der ältere Bruder Andreas deutlich besonnener wirkte als der jüngere Christian. Während Jauchs Wortspielfragen zum Einstieg stand Christian darüber hinaus häufiger auf der Leitung, während Andreas schon die richtige Antwort wusste. Dieses Ungleichgewicht glich sich aber im Verlauf des Spiels wieder aus.

Doch auch wenn sich die Geschwister immer auf Augenhöhe begegneten und sich gegenseitig "Bruder" nannten, so hatte doch Andreas meist das letzte Wort. Das galt auch bei der 125.000-Euro-Frage, als Christian zocken wollte. Nicht zuletzt auf den Zwischenruf von Ruth Moschner ("Zocken beim guten Zweck ist voll asi") gaben sie sich mit 64.000 Euro zufrieden und legten noch einmal 10.000 Euro aus der eigenen Tasche obendrauf.

Promi-Special bei "WWM": Wie ein Promi-Joker Günther Jauch die Show stahl

Mit Gesang zur Lösung 

Alle anderen Kandidaten, der Reihe nach Michael Mittermeier, Ruth Moschner und Matthias Opdenhövel erreichten jeweils 125.000 Euro. Dabei verbrauchten sie nicht nur sämtliche Joker, mitunter sangen sie auch fleißig, um die richtige Lösung zu finden. Und ja, das konnten weder die Ehrlich Brothers ("Er gehört zu mir"), noch Ruth Moschner ("I Will Always Love You"), noch Günther Jauch richtig gut. Lustig war es aber allemal und zur richtigen Lösung führte es auch.

Mit einer musikalischen Frage, jedoch ohne Gesang, endete die Sendung. Matthias Opdenhövel musste bei seiner 500.000-Euro-Frage passen: "Die erste Pop-Platte, die kommerziell auf CD gepresst wurde, war zugleich das letzte Studioalbum von ...? A) Frank Sinatra, B) ABBA, C) den Beatles oder D) Queen." Korrekt wäre ABBA gewesen. Insgesamt erspielten die vier Prominenten – und wenn man so will auch Thomas Herrmanns – damit 439.000 Euro. Dank der Zusatzspende der Ehrlich Brothers gehen sogar 449.000 Euro im Rahmen des RTL Spendenmarathons an die Aktion Wir helfen Kindern. Ein schöner Erfolg, der ganz sicher von keinem der Promis mit einem "Nein!" quittiert werden würde.

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Von Lars Peters