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Beitrag von "Frontal 21": "Das ist für dumme Leute": Wie über Viagogo Konzertbesucher abgezockt werden

Konzerte von Weltstars oder Tickets für Fußballspiele sind schnell ausverkauft. Bei Viagogo, dem selbsternannten Weltmarktführer für den Weiterverkauf von Tickets, kommen Fans noch an Karten – zu horrenden Preisen. "Frontal 21" blickt hinter die Kulissen eines fragwürdigen Geschäfts.


Ein Tickethändler vor dem Olympiastadion in Berlin

Ein Tickethändler vor dem Olympiastadion in Berlin

ZDF

Wenn Ed Sheeran Konzerte gibt, sind diese schnell ausverkauft. Auch Ariane Methner wollte Karten haben. Über Viagogo ergattert sie welche. Doch als sie im Sommer 2018 vor dem Berliner Olympiastadion steht, wird sie nicht reingelassen. Das Ticket ist personalisiert. Ihr Name steht nicht auf dem Ticket, sie hat es über Viagogo gekauft. Nun bekommt sie keinen Einlass. Sie kann allerdings reguläre Tickets direkt vor Ort erwerben - für 95 Euro pro Ticket. Das ist ihr zu viel. Bei Viagogo hatte Frau Methner die Karten für unglaubliche 600 Euro gekauft.

Viagogo hat sich auf den sogenannten Zweitmarkt im Internet spezialisiert. Dort werden laut der Plattform übriggebliebene Karten verkauft. Doch seit Jahren gibt es den Verdacht, dass über Viagogo nicht nur privat gekaufte Karten weitergegeben werden – sondern die Plattform Karten von gewerblichen Großhändlern im großen Stil zu horrenden Preisen weiterverkauft.

Viagogo - ein fragwürdiges Geschäft

Alles Abzocke bei Viagogo? Die Reporter von "Frontal 21" haben hinter die Kulissen der Plattform geschaut und eine Kollegin als Undercover-Mitarbeiterin bei Viagogo eingeschleust. Als Last-Minute-Sales-Managerin dreht die Reporterin mit versteckter Kamera.

Schnell zeigt sich: Großhändler mischen bei diesem Geschäft mit. Sie kaufen Karten für nachgefragte Veranstaltungen auf, um sie zu überteuerten Preisen weiterzuverkaufen. „Dabei nutzen sie die Anonymität, die ihnen Viagogo bietet“, heißt es im Beitrag von "Frontal 21".

Das Problem: Der Weiterverkauf von Tickets an Dritte wird von vielen Veranstaltern in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen untersagt. "Es spielt keine Rolle, ob es sich um einen großen gewerblichen Händler handelt oder ob es eine Privatperson ist. In dem Moment, wo ich bei einem Veranstalter ein Ticket kaufe, gehe ich einen Vertrag ein", sagt Anwalt Felix Holzhäuser zu "Frontal 21". Werde die Karte dann weiterverkauft, begehe man Vertragsbruch. Und das Ticket werde ungültig. Doch das Geschäftsmodell von Viagogo basiere eben auf diesem Vertragsbruch, so Holzhäuser.

Viagogo-Kunden, bitte hier anstellen: Beim Auftritt von Ed Sheeran in Berlin gab es eine Extra-Schlange für geprellte Kunden.

Viagogo-Kunden, bitte hier anstellen: Beim Auftritt von Ed Sheeran in Berlin gab es eine Extra-Schlange für geprellte Kunden.

ZDF

Die Recherchen des "Frontal 21"- Teams zeigen, mit welchen Machenschaften Tickets im großen Stil in Umlauf gebracht werden. Einen der Händler machen die Reporter ausfindig. Ein Interview will der Mann nicht geben. Auf telefonische Nachfrage, ob er keine Skrupel habe, Tickets zu überhöhten Preisen zu verkaufen, antwortet er: "Das ist halt für Dumme, für dumme Leute. Und wer sich darauf einlässt ist, tja… Es zwingt sie ja keiner die Karten zu kaufen."

Die Verbraucherschützer kritisieren das Geschäft von Viagogo seit Jahren – und klagen derzeit gegen die Plattform vor Gericht. "Ganz konkret stört uns diese Intransparenz. Dass am Schluss auch zusätzliche Gebühren entstehen, die anfangs nicht erkennbar sind", sagt Tatjana Halm von der Verbraucherschutzzentrale zu "Frontal 21". Nächster Verhandlungstermin ist der 26. März am Landgericht München.

Viagogo wollte sich nicht in einem Interview zu den Vorwürfen äußern und lässt Frontal 21 schriftlich wissen: "Solange die Tickets legal erworben wurden, interessiert es uns nicht, wie viele Tickets eine Person verkauft – sei es der durchschnittliche Fan, der Großhändler oder der Eventveranstalter."


Das ZDF-Fernsehmagazin "Frontal 21" läuft am Dienstag, 5. März, um 21 Uhr im ZDF. Die Beiträge zur Sendung können gegen 22.30 Uhr auch in der Mediathek abgerufen werden.https://www.zdf.de/politik/frontal-21

kg
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