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Volkswagen: Porsche will mehr Macht

Porsche verlangt als größter Einzelaktionär mehr Einfluss bei VW. Der Sportwagenbauer geht damit auf Konfrontationskurs zum zweitgrößten Anteilseigner, dem Land Niedersachsen.

Von Oliver Wihofszki

"Wir erheben den Anspruch auf mehr Sitze im Volkswagen-Aufsichtsrat", sagte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking am Mittwoch auf der Bilanzpressekonferenz seines Unternehmens.

Zudem stellte Wiedeking eine Abmachung mit Niedersachsens Ministerpräsidenten Christian Wulff vom Januar infrage, wonach VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch im Frühjahr 2007 seinen Posten einem "neutralen" Manager geben solle. Piëch, Enkel des Porsche-Gründers, ist Miteigentümer der Sportwagenfirma. Der mächtige Patriarch führt die dreiköpfige Porsche-Fraktion im Volkswagen-Aufsichtsrat an.

Weg Richtung Familienfirma

Die Forderung Wiedekings verdeutlicht, wie sich das Machtgefüge bei Volkswagen von einem Staatskonzern hin zu einem Familienunternehmen wandelt. Auf die Frage nach einem möglichen Abgang Piëchs antwortete Wiedeking, dass sich die Bedingungen geändert hätten, seit Porsche einen Volkswagen-Anteil von knapp unter 30 Prozent anvisiert. Damit deutete er an, dass Porsche trotz der Abmachung bestrebt ist, den Posten des Aufsichtsratschefs in den eigenen Reihen zu halten.

Porsche hielt zum Zeitpunkt der Abmachung 18,5 Prozent an VW. Derzeit sind es 27,4 Prozent. "Wir sind der Überzeugung, dass wir Anspruch auf mindestens drei Sitze haben", sagte Wiedeking. Dabei verfügt Porsche nach eigener Zählung mit Wiedeking und Porsche-Finanzchef Holger Härter nur über zwei Mandate. Piëch sitzt aus Porsche-Sicht als ehemaliger VW-Chef im Kontrollgremium.

Hoffen auf Ende des VW-Gesetzes

Um die Macht bei Volkswagen endgültig zu sichern, ist Porsche davon abhängig, dass das sogenannte VW-Gesetz fällt. Es begrenzt den Stimmrechtsanteil auf 20 Prozent, egal wie hoch die tatsächliche Beteiligung ist. Die EU will das Gesetz kippen. Kommenden Dienstag gibt es dazu eine erste Anhörung vor dem Europäischen Gerichtshof. Wiedeking sagte, auch Porsche habe "juristische Möglichkeiten", falls die EU mit ihrer Klage scheitern würde.

Ein Angebot zur vollständigen Volkswagen-Übernahme durch Porsche, über das in der vergangenen Woche spekuliert wurde, sei aber "heute nicht Bestandteil unserer Planung", sagte Wiedeking.

Von Volkswagen erwarte er, dass der Konzern langfristig konkurrenzfähig zum derzeit erfolgreichsten Autohersteller Toyota ist. Es müsse Ziel sein, Toyota die Stirn zu bieten, so Wiedeking. Das wird in der Branche als Fingerzeig an den neuen VW-Chef Martin Winterkorn verstanden, vor allem die Kernmarke stärker im Massenmarkt zu positionieren.

FTD