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Schnäppchen-Schlacht: Warum Amazon vom Prime Day gar nicht so sehr profitiert

Zwei Tage rattern bei Amazons Prime Day Sonderangebote durch. Doch so richtig lohnt sich die Schnäppchen-Schlacht für den Onlinehändler nicht. Die Profiteure sind andere.

Pakete von Amazon

Der Prime Day dürfte für jede Menge Paketsendungen sorgen. Doch so richtig lohnt sich die Schnäppchen-Schlacht nicht für Amazon.

DPA

Am Montag ist es wieder soweit: Der Onlinegigant Amazon lädt zum Prime Day. Im Minutentakt rattern dann Sonderangebote und Rabatte auf allerlei Produkte herein - und das diesmal gleich zwei ganze Tage lang. Vom 15. bis zum 16. Juli 2019 lockt Amazon die Schnäppchenjäger. Und wird aller Voraussicht nach ein neues Rekordergebnis bei den Verkäufen einfahren.

Wie das "Handelsblatt" berichtet, wollen rund 70 Prozent der Deutschen beim Prime Day auf Einkaufstour gehen. Das zumindest fand die Unternehmensberatung McKinsey bei einer Befragung von 2587 Konsumenten heraus. Um sich auch bloß keine Schnäppchen entgehen zu lassen, haben sich die Amazon-Kunden gut informiert. Knapp 80 Prozent der Befragten haben sich schon einen Monat vorab auf die möglichen Preisreduzierungen vorbereitet.

Amazon Prime Day bricht alle Rekorde

Schon der Amazon Prime Day 2018 brach alle Rekorde: Über 100 Million verkaufte Produkte meldete Amazon nach der Verkaufsschlacht. Über die realen Umsätze schweigt Amazon allerdings hartnäckig.

Dass Amazon über den wirtschaftlichen (Miss)-Erfolg nicht so gerne reden möchte, könnte auch daran liegen, dass es vor allem die eigenständigen Händler sind, die von dem Kaufrausch der Kunden profitieren. So erzielten sie weltweit zum Prime Day 2018 einen Umsatz von rund einer Milliarde Dollar binnen von 24 Stunden. Die sogenannten Marketplace-Händler machten im Jahr 2018 insgesamt einen Umsatz von rund 160 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Amazon selbst erzielte 2018 einen Umsatz von knapp 233 Milliarden Dollar. Die kleinen Händler sind also eine wichtige Säule im Amazon-Kosmos. An den Verkäufen verdient Amazon mit, die Provision für Verkäufe über den Marktplatz des Händlers liegt bei 10 bis 15 Prozent, schreibt das "Handelsblatt". 

So viel Provision zahlen die Marketplace-Seller

Wer bei Amazon Produkte verkaufen will, nutzt entweder ein Verkäufer-Basiskonto oder die professionelle Variante. Beim ersten Modell zahlen die Verkäufer keine monatliche Gebühr, sondern 99 Cent plus einer prozentualen Provision. Diese liegt bei (fast allen Kategorien) bei mindestens 30 Cent pro Artikel - allerdings fallen je nach Warengruppe prozentual höhere Gebühren an. So erhebt Amazon für Verkäufer von Videospielen seit dem 5. Juni 2019 eine Provision von 15 Prozent, bei Reifen sind es 10 Prozent und bei Zubehör von Amazon-Geräten sogar 45 Prozent. 

Das Provisionsgeschäft ist sicherlich lohnenswert - doch es wird zunehmend zur Gefahr für Amazon selbst. Denn die externen Händler, die die Plattform nutzen, wachsen deutlich stärker als das Eigengeschäft. Jeff Bezos, Chef von Amazon, fauchte in einem Brief an seine Aktionäre: "Sie treten uns in den Hintern." Tatsächlich legten die Händler zuletzt um 18 Prozent zu, fand das Forschungsinstitut IFH heraus, das die Verkäufe untersuchte. Amazon selbst wuchs 2018 nur um 2,2 Prozent.

Ob der Prime Day nun zu einem Erfolg wird, hänge von den Produkten ab - und von der Uhrzeit, zu der sie angeboten würden, sagt Nils Zündorf, der mit seiner Agentur factor-a Amazonhändler berät, zum "Handelsblatt". Um die Preise für neue Produkte nicht mit dem Prime Day zu ruinieren, würden vor allem ältere Modelle und Lagerbestände angeboten. 

Amazon macht es Händlern leicht

Für die "Seller", wie sie im Amazon-Jargon heißen, scheint sich der Prime Day zu lohnen. Einen zusätzlichen Monatsumsatz können sie in diesem kurzen Zeitraum erwirtschaften. Jeff Bezos ärgert diese Entwicklung. "Warum verkauften Verkäufer bei Amazon so viel besser als bei eBay? Und warum konnten diese Verkäufer so viel schneller wachsen als das hoch organisierte Handelsunternehmen Amazon?", fragt er in dem Brief an die Aktionäre. Eine einzige Antwort auf diese Frage gebe es nicht. Vielmehr seien eine ganze Reihe von Antworten möglich. So habe Amazon in den vergangen Jahren stark in Tools investiert, von denen nun die Händler auf der Plattform profitieren würden. Auch das Prime-Programm habe den Händlern zusätzlich Auftrieb verliehen. Und die können sich nun die Hände reiben, wenn am kommenden Montag die Rabattschlacht startet - zumindest mehr als Amazon selbst.

Disclaimer: An einigen Stellen unserer Webseiten zeigen wir unabhängig und auf redaktioneller Basis ausgewählte Produkte. Es handelt sich um sogenannte Affiliate-Produkte, die vom jeweiligen Verkäufer angeboten werden. Nur mit diesem kommt gegebenenfalls ein vertragliches Verhältnis zustande. Im Falle eines Kaufes erhält stern eine Provision. Unabhängig von einer Affiliate-Partnerschaft sind und bleiben die beteiligten Unternehmen, zu denen auch Amazon gehört, selbstverständlich Gegenstand kritischer Berichterstattung. Weitere Infos dazu finden Sie hier.

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kg