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Welt-Reichen-Report Deutschland hat jetzt noch mehr Millionäre


700 Milliarden Dollar haben die Reichen der Welt vergangenes Jahr verloren. Das sind aber nur 1,7 Prozent ihres Gesamtvermögens. Und in Deutschland gibt es sogar mehr Millionäre als je zuvor.
Von Niels Kruse

Reich bleibt reich, da helfen auch keine Krisen: Obwohl die Weltwirtschaft weiter vor sich hindümpelt und die Schuldenkrise in Europa immer mehr Länder stranguliert, hat die Zahl der Millionäre einen neuen Höchststand erreicht. Elf Millionen Menschen auf dem gesamten Globus dürfen sich zu den Glückspilzen zählen, die eine Million Dollar oder mehr zur freien Verfügung haben. Das entspricht jedem 636. Weltbürger.

Obwohl die Gesamtzahl der so genannten High Net Wealth Individuals im Vergleich zu 2010 nur leicht gestiegen ist, hat sie in Deutschland überdurchschnittlich zugelegt: 950.000 Millionäre (plus drei Prozent) leben zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen – nur in den USA und Japan gibt es mehr Reiche.

Verunsicherte Anleger flüchten in Staatsanleihen

Das Beratungsunternehmen Capgemini und die Royal Bank of Canada untersuchen jedes Jahr die Lage der Millionäre weltweit. Und versuchen so Rückschlüsse auf die Konjunktur insgesamt und Investments im Einzelnen zu ziehen. Ihr Fazit für das vergangene Jahr: Viele Anleger waren verunsichert und haben auf eher gediegene Anlagen gesetzt. Weil Unternehmensanteile und Rohstoffe gefallen sind, bewegen die Vorlieben "der Investoren sich in Richtung Kapitalerhaltung durch Bargeld und festverzinsliche Anlagen", wie Klaus-Georg Meyer von Capgemini sagt. Besonders gefragt waren US-Staatsanleihen, die historische Höchststände erreichten. Für das Jahr 2012 erwarten Capgemini und die kanadische Bank nur zwei Entwicklungen: hopp oder top, entweder große Gewinne oder große Verluste.

Das Jahr 2011 jedenfalls hat das Gesamtvermögen aller Reichen und Superreichen geschrumpft: 700 Milliarden US-Dollar haben die Millionäre dieser Welt im vergangenen Jahr verloren. Ziemlich genau die Summe, die die Euroländer in den Rettungsschirm ESM pumpen, um das Überleben ihrer kriselnden Partner und der Währungsunion insgesamt zu sichern. Für den exklusiven Kreis der Vermögenden aber bedeutet der Verlust gerade einmal ein Minus in Höhe von 1,7 Prozent. Zusammengerechnet verfügen die Wohlhabenden dieses Planeten über 42 Billionen US-Dollar (33,3 Billionen Euro) - eine Zahl mit 14 Stellen. Die deutsche Wirtschaft erbringt jährlich eine Leistung von 2,57 Billionen Euro.

Asien überholt Nordamerika

Rund die Hälfte der "High Net Wealth Individuals" lebt in den USA, Japan und Deutschland. Jeder einzelne hat ein anlagefähiges Vermögen von über einer Million US-Dollar (rund 793.000 Euro), im Schnitt sogar von mehr als 3 Millionen Dollar - Eigenheime, Luxusautos, Schmuck oder Gemälde sind da noch nicht mal mitgerechnet. Erstmals hat der asiatisch/pazifische Raum Nordamerika bei der Zahl der Millionäre überholt: 3,37 Millionen Millionäre leben in der Region. In den USA und Kanada "nur" 3,35 Millionen.

Aber auch unter den Millionären gibt es eine Verlierergruppe: die Superreichen. Mit 4,9 Prozent sank deren Finanzvermögen besonders stark. Ultrawohlhabend sind laut Capgemini Menschen, die 30 Millionen oder mehr zur Verfügung haben. Diese Gruppe lege einen Teil ihres Geldes besonders riskant an - und musste deshalb einen Teil des Gewinns von 11,5 Prozent aus dem Vorjahr wieder abgeben. Hätten sie ihr Geld doch besser in Kunst, Gold oder Diamanten investiert: Das Edelmetall hat im vergangenen Jahr zehn Prozent an Wert zulegt, die Edelsteine sogar um 20 Prozent. Und für Bilder und Plastiken gilt: "Der Ausblick für Kunst als Anlageobjekt ist nach oben gerichtet", wie das Beratungsunternehmen prophezeit.

mit DPA

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