HOME

Wirtschaft 2011: Mehr Jobs, mehr Kredite, mehr Konsum

Optimismus ist Trumpf in Deutschland, und zum Wochenauftakt nährten neue Zahlen die Euphorie in der Wirtschaft für 2011. Nur eine Nachricht aus Peking trübte die Stimmung ein wenig.

Überaus optimistisch blickt die deutsche Wirtschaft auf das neue Jahr. Ob Jobs oder Wachstum: die Prognosen sind eindeutig positiv, eine Fortsetzung des Aufschwungs ist bei den Experten - trotz Eurokrise - beschlossene Sache.

So erwartet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rund 70.000 neue Arbeitsplätze in der Industrie. Mit einem Produktionszuwachs von fünf Prozent werden die Industriebranchen doppelt so stark zulegen wie die gesamte Wirtschaft, frohlockte DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Stärkster Konsum seit zehn Jahren

Wirtschaftsforscher rechnen insgesamt mit einem Wachstum in der Größenordnung von 2,3 bis 2,5 Prozent, nach etwa 3,5 Prozent 2010. Das Plus in diesem Jahr wird das stärkste im wiedervereinten Deutschland sein. Der bisherige Rekordwert von 3,4 Prozent stammt aus dem Jahr 2006. Die Messlatte für 2010 war allerdings niedrig: 2009 war die Wirtschaft in Deutschland um 4,7 Prozent eingebrochen.

Nicht nur die Industrie soll das Wachstum beflügeln - auch der private Konsum ist stark wie lange nicht. Nach einem DIHK-Konjunkturbulletin, von dem das "Handelsblatt" berichtete, dürfte das Plus beim privaten Verbrauch mit 2,4 Prozent so deutlich ausfallen wie seit zehn Jahren nicht mehr. Erwartet wird, dass auch die heimischen Investitionen anziehen. Die Importe würden voraussichtlich schneller wachsen als die Exporte.

Zum Aufschwung trägt auch bei, dass die Unternehmen wider ihren Befürchtungen sehr gut mit Krediten versorgt werden. Die Kreditklemme nach der Finanzkrise ist 2010 ausgeblieben. Den zum Jahresende auslaufenden "Deutschlandfonds" nahmen die Firmen nur zu einem Viertel in Anspruch. Bis kurz vor Weihnachten seien Kredite von zehn Milliarden Euro zugesagt wurden, hieß es am Montag bei der bundeseigenen KfW-Bankengruppe. Für den Deutschlandsfonds standen 40 Milliarden Euro bereit. Er war gegründet worden, um gesunden Firmen zu helfen, die bei ihren Banken und Sparkassen im Zuge der Krise keine Kredite mehr erhielten. Seit diesem Sommer ist die Zahl der Anträge deutlich gesunken - die rasante Erholung der Konjunktur hat die Nachfrage einbrechen lassen.

Peking markiert den Spielverderber

Zumindest vordergründig sei die Schuldenkrise wenig relevant, weil Deutschland relativ wenig nach Irland (Anteil an den gesamten Ausfuhren 0,4 Prozent), Griechenland (0,6 Prozent) und Portugal (0,8 Prozent) exportiert.

Folgenschwerer wäre da schon, wenn das gelobte Wirtschaftsland China schwächeln würde. Und von dort kamen am Montag Signale, die die tolle Stimmung dann doch ein wenig trübten: Die Stadtregierung von Peking hatte am Heiligabend bekanntgegeben, 2011 die Neuzulassungen von Pkw auf 20.000 Stück pro Monat einzudämmen, um den stetig wachsenden Autoverkehr und die Abgase zu bekämpfen. Derzeit werden in der Hauptstadt pro Tag 2000 neue Fahrzeuge zugelassen. Würde dies auch in anderen Städten geschehen, so fürchtete die Börse, wäre der Autoboom im Reich der Mitte vielleicht bald passé - mit entsprechenden Folgen für die deutschen Autobauer, deren Aktien bis zu fünf Prozent verloren.

ben/DPA / DPA