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Meistgesuchte Berufe 2010: Trucker braucht das Land

Ein Blick in den Stellenteil der Tageszeitungen zeigt: Kraftfahrer und Service-Mitarbeiter waren dort zuletzt die Stars. Der Adecco-Stellenindex zeigt die begehrtesten Berufe des Aufschwungsjahrs 2010.

Von Annette Berger

Das Speditionsgeschäft boomt, die Unternehmen suchen händeringend nach Kraftfahrern

Das Speditionsgeschäft boomt, die Unternehmen suchen händeringend nach Kraftfahrern

Im Jahr nach der Wirtschaftskrise waren Berufe der Sparten Produktion, Konstruktion und Logistik in Deutschland besonders stark nachgefragt. Insgesamt machten entsprechende Angebote gut ein Viertel des deutschen Jobmarktes aus, wie aus dem aktuellen Adecco-Stellenindex hervorgeht. Dafür wertete der Personaldienstleister mehr als 387.000 Annoncen in 40 Printmedien aus.

Der Adecco-Stellenindex wird seit 1995 regelmäßig erhoben und gilt als wichtiger Indikator für den Beschäftigungsmarkt in Deutschland. Die Industrie habe nach der Krise einen enormen Nachholbedarf gehabt, heißt es bei den Arbeitsmarktexperten. Vermutlich sei manche Anzeige sogar mehrmals geschaltet worden, da es nicht mehr überall genug Fachkräfte gebe.

Besonders intensiv nach Mitarbeitern für produktionsnahe Sparten sei in Bremen und Bremerhaven sowie in Sachsen und Thüringen gesucht worden - also in Ländern mit Autoindustrie und -export. Dort habe die Zahl dieser Offerten mehr als 35 Prozent am Stellenmarkt in den gedruckten Medien ausgemacht, fand der Personaldienstleister heraus. Schlusslichter in diesen Berufszweigen waren Berlin und Hamburg. Hier machten diese Stellenanzeigen nur 17 Prozent aller Offerten aus.

Bundesweit gab es für Metallfacharbeiter, Lagerfachkräfte und Kraftfahrer die höchsten Zuwächse an Jobofferten: Hier stieg das Angebot um 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Allein für Servicekräfte, zu denen Kraftfahrer in dieser Auswertung zählen, wurden mehr als 78.000 Stellenanzeigen aufgegeben.

Pflegekräfte hoch im Kurs

Stark gesucht waren auch medizinische und soziale Berufe: Arbeitnehmer mit solchen Ausbildungen konnten aus gut 70.000 Jobangeboten in gedruckten Medien auswählen. Weiter hoch im Kurs stünden Arzthelferinnen und Pflegeberufe.

Erst danach kommen die kaufmännischen Berufe: Für sie gab es knapp 59.000 Annoncen. Die Zahl der Angebote für betriebswirtschaftliche Aufgaben sei zuletzt sogar leicht rückläufig gewesen. 2010 seien weniger Manager, Finanzfachleute und Experten für Verwaltung und Vertrieb gesucht worden als ein Jahr zuvor. Vor allem der öffentliche Dienst hatte zuletzt weniger neue Mitarbeiter gesucht.

Für Ingenieure wurden etwas mehr als 24.000 Stellenanzeigen geschaltet. Fertigungs-, Chemie- und Bauunternehmen hätten zudem insgesamt mehr Menschen aus Industrieberufen gesucht als 2010.

Die Aussichten für dieses Jahr

Allein aus den Annoncen des vergangenen Jahres lasse sich kein Trend für 2011 ablesen, heißt es bei Adecco. Volkswirte gehen jedoch davon aus, dass sich der Aufschwung am Arbeitsmarkt in diesem Jahr fortsetzt - nachdem er Ende 2010 einen leichten Dämpfer wegen des frühen Wintereinbruchs erhalten hatte.

Die saisonbereinigte Zahl der Arbeitslosen war im Dezember erstmals seit Mitte 2009 im Monatsvergleich wieder gestiegen. Die Arbeitslosenquote lag in Deutschland bei 7,5 Prozent. Die neuen Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt zeigen indes, dass die deutschen Unternehmen im vergangenen Jahr die Krise mit Riesenschritten hinter sich ließen: Um 3,6 Prozent wuchs die Wirtschaft hierzulande im Vergleich zu 2009 - das war das stärkste Plus seit der Wiedervereinigung.

Speditionsgeschäft boomt auch 2011

Gleichzeitig gab es für die deutschen Arbeitnehmer den kräftigsten Lohnzuwachs seit 17 Jahren: Die monatlichen Nettoverdienste je Arbeitnehmer legten um durchschnittlich 3,4 Prozent zu, errechnete das Statistische Bundesamt. "Das ist der höchste Zuwachs seit 1993", sagte eine Statistikerin der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Bruttoverdienste erhöhten sich zwar nur um 2,2 Prozent, doch sorgten geringere Lohnsteuern für mehr Netto vom Brutto. In diesem Jahr dürften die Löhne weiter steigen - die Gewerkschaften brachten sich für die Verhandlungen der laufenden Tarifrunden schon in Stellung.

Insgesamt also keine schlechten Aussichten für den Arbeitsmarkt. Dass Lkw-Fahrer beispielsweise weiter begehrt sind, gilt als ausgemachte Sache. Gut 60 Prozent der Logistikunternehmen in Deutschland geht davon aus, dass es in diesem Jahr mehr zu transportieren gibt als 2010, wie aus dem jüngsten Transportpreis-Index der "Verkehrsrundschau" hervorgeht. Das Fachmagazin für Verkehr und Logistik fand außerdem heraus: Schon drei Quartale hintereinander erhöhten die Speditionen ihre Preise. Das neue Personal muss ja schließlich auch bezahlt werden.

FTD