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ZEW-Index: Finanzprofis fürchten düstere Zukunft

Sie sind genau Beobachter der Konjunktur: Analysten und institutionelle Anleger - und laut einer Umfrage schwant ihnen für Deutschland nichts Gutes: Der renommierte ZEW-Index ist im September drastisch eingebrochen.

Die Nachricht hat die Börse am Dienstagvormittag erheblich belastet: Finanzmarktprofis blicken im September deutlich skeptischer als erwartet auf die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Der Saldo des monatlich veröffentlichten Index des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) sank in diesem Monat auf minus 22,2 Punkte. Das ist der tiefste Stand seit 1999. Im Vormonat hatte er bei minus 5,6 Punkten gelegen. Der Index ergibt sich aus einer Umfrage, die das ZEW bei rund 300 Analysten und institutionellen Anlegern durchführt. Der wichtigste deutsche Börsenindex Dax reagierte mit deutlichen Kursverlusten.

Geplante Mehrwertsteuererhöhung drückt auf Stimmung

Die Skepsis, die hinter dem Ergebnis steht, läuft dem allgemein verbreiteten Optimismus hinsichtlich der Entwicklung der deutschen Wirtschaft zuwider. Das ZEW erklärte das Ergebnis damit, dass die Experten wohl davon ausgingen, dass sich deutsche Produkte im Ausland demnächst schlechter verkaufen würden, weil alle damit rechnen, dass die US-Wirtschaft abflaut. Auch die Mehrwertsteuererhöhung Anfang 2007 von 16 auf 19 Prozent sowie die Zinserhöhungspolitik der Europäischen Zentralbank drückten auf die Stimmung, hieß es.

"Ich bin sehr überrascht. Denn insbesondere der Ölpreis ist stark gefallen, ich hätte deshalb erwartet, dass die Teilnehmer an der ZEW-Umfrage das eingepreist hätten", sagte Andreas Rees von der HypoVereinsbank der Nachrichtenagentur Reuters. Der ZEW-Indikator deute einerseits auf eine harte Landung der Konjunktur bis hin zur Rezession hin - der Ifo-Index des Münchner Ifo-Instituts andererseits auf eine weiche Landung.Für die Euro-Zone trübten sich die Erwartungen der Fachleute ebenfalls ein. Das ZEW-Barometer sank auf minus 10,2 nach 1,3 Punkten im Vormonat.

Günstige Prognose aus Essen

Dass sich die Experten uneins sind, was sie nun von der deutschen Wirtschaft erwarten können, zeigt eine Prognose, die Rheinisch-Westfälischen Instituts (RWI) in Essen ebenfalls am Dienstag veröffentlichte. Die Ökonomen dort rechnen damit, dass sich der Aufschwung trotz der Steuererhöhungen fortsetzen wird und erhöhten ihre Wachstumsprognose für Deutschland im nächsten Jahr auf 1,7 Prozent. Damit sind die Forscher deutlich optimistischer für das kommende Jahr als die meisten anderen der sechs führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute. Auch für das laufende Jahr erhöhten die Essener Experten ihre Prognose auf 2,2 Prozent von zuvor 1,8 Prozent - vor allem wegen der florierenden Inlandsnachfrage. Im kommenden Jahr werde die Mehrwertsteuererhöhung den Aufschwung zwar bremsen, da sie den Verbrauchern Kaufkraft entziehe. "Ein Ende des Aufschwungs ist jedoch nicht in Sicht", hieß es. Im März hatte es noch ein Plus des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von nur 1,3 Prozent erwartet.

FGÜ mit Reuters
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