HOME

Zumwinkel-Nachfolger: Ein Mann des offenen Wortes

Die Deutsche Post vollzieht einen Generationswechsel. Mit Frank Appel wird ein Ziehsohn Zumwinkels neuer Vorstandschef. Er stammt - wie viele Top-Manager bei der Post - von McKinsey. Und das, obwohl sein Studienfach nicht unbedingt auf eine Karriere in der Wirtschaft hindeutete.

Früher als geplant ist Frank Appel an die Spitze der Deutschen Post aufgerückt. Mit dem bisherigen Logistik-Vorstand wird ein Ziehsohn von Klaus Zumwinkel neuer Vorstandsvorsitzender. Der mittlerweile wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung zurückgetretene Zumwinkel hatte ihn schon über längere Zeit als Nachfolger aufgebaut.

Appel verantwortete bisher im Bonner Konzern den Bereich Logistik und internationales Briefgeschäft. Er hat sich bei der Post als Mann für besondere Aufgaben viele Meriten erworben, hielt sich aber im Hintergrund. Bereits vor knapp einem Jahr hatte Zumwinkel dem aufstrebenden Manager das wichtige Management von Regulierung und Liberalisierung übertragen. Damit habe er "sein Feld bestellt", hieß es damals aus dem Umfeld Zumwinkels.

Schneller Aufstieg

Nach erst zwei Jahren im Konzern stieg Appel schon 2002 in den Vorstand auf. Danach war er für das erfolgreiche internationale Kostensenkungsprogramm STAR verantwortlich und gibt nun auch bei der Qualitätsoffensive "First Choice" für weltweit mehr Kundenservice den Takt vor. Ziel des Programms sei es, über eine höhere Kundenzufriedenheit Wachstum zu generieren, erläuterte er. "Wir wollen mit First Choice schneller wachsen als der Markt." Dass das Programm, in das die Post bislang 25 Millionen Euro investierte, auch Arbeitsplätze kosten könnte, verhehlt er nicht.

Auf Appel warten bei der Post große Herausforderungen: Er muss eine Lösung für das hoch defizitäre US-Expressgeschäft des ehemaligen Staatsmonopolisten finden und über die Zukunft der Postbank entscheiden, um die zahlreiche Konkurrenten heftig buhlen. Mit Appel wird aber nicht nur ein Generationenwechsel im Bonner Konzern eingeläutet.

Ein neuer Stil kommt

Es heißt aus seinem Umfeld, mit ihm ziehe auch ein anderer Stil in den Post-Tower ein. Während Zumwinkel den "redlichen Kaufmann" gab und einen jovialen Umgangston pflegte, gilt Appel als Mann des offenen Wortes, mit scharfem analytischen Verstand und sozialer Kompetenz, als Teamspieler, der klare Visionen hat und mit Ehrgeiz auf deren Umsetzung hinarbeitet.

Appels Lebenslauf deutete zunächst nicht auf eine Karriere in der Wirtschaft hin. Appel legte 1989 an der Uni München sein Diplom als Chemiker ab, 1993 folgte eine Promotion als Neurobiologe. Doch dann stieg Appel bei der Wirtschaftsberatungsgesellschaft McKinsey ein, die auch als Kaderschmiede für den Post-Vorstand gilt. Denn neben Zumwinkel sammelten auch Ex-Finanzvorstand Edgar Ernst, Ex-Postbank-Chef Wulf von Schimmelmann und dessen Nachfolger Wolfgang Klein Erfahrungen bei den Beratern.

DPA/Reuters/msg / DPA / Reuters