HOME

Zweiter Vioxx-Prozess: Merck zu 4,5 Millionen Dollar Schadensersatz verurteilt

Weil Merck nicht ausreichend vor den Risiken einer Herzerkrankung gewarnt hat, muss der Pharmariese einem Kläger 4,5 Millionen Dollar Schadensersatz zahlen. Nun fürchten Investoren die weiteren fast 10.000 eingereichten Klagen.

Der US-Pharmariese Merck & Co. hat eine weitere Niederlage in einem Rechtsstreit um sein Schmerzmittel Vioxx einstecken müssen. Ein Geschworenengericht in der amerikanischen Stadt Atlantic City machte Merck für die Herzerkrankung eines Klägers haftbar und sprach einem 77-jährigen Rentner 4,5 Millionen Dollar (3,7 Millionen Euro) Schadensersatz zu. Damit gab es in dem Rechtsstreit bislang zwei Niederlagen und zwei Erfolge für Merck; ein weiterer Prozess ist in Texas anhängig.

Die Jury gelangte zu der Auffassung, Merck habe nicht ausreichend vor den Risiken einer Herzerkrankung gewarnt. Die Einnahme von Vioxx habe bei einem der beiden Kläger entscheidend dazu beigetragen, dass dieser einen Herzinfarkt erlitten habe. Dem 77-jährigen John McDarby wurden drei Millionen Dollar für erlittene Schmerzen zugesprochen, weitere 1,5 Millionen Dollar wurden seiner Frau zuerkannt. Bei dem zweiten Kläger, einem 60-jährigen Geschäftsmann, sah die Jury keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Vioxx und einem Herzinfarkt. Diesem sprachen die Geschworenen daher nur einen Ersatz der Kosten für das Medikament in Höhe von 45 Dollar (36.70 Euro) zu.

Studie ergab erhöhtes Risiko von Herzproblemen

Merck-Aktien verbilligten sich nachbörslich um drei Prozent. Die Entscheidung der Jury löste bei Investoren Sorgen aus, dass auch die anderen fast 10.000 eingereichten Klagen Erfolg haben und damit dem Konzern erheblich finanziell belasten könnten.

Der Konzern hatte Vioxx im September 2004 vom Markt genommen, nachdem eine Studie ein erhöhtes Risiko von Herzproblemen durch das Medikament bei Patienten aufgedeckt hatte, die das Mittel mindestens 18 Monate einnahmen. Viele der Kläger argumentieren, dass das Unternehmen über Jahre hinweg nicht ausreichend auf die möglichen Herzkreislauf-Risiken bei dem Mittel hingewiesen habe. Im Jahr 2003 machte Merck mit dem Medikament einen Umsatz von mehr als 2,5 Milliarden Dollar.