Familie Sicherheit ohne Trauschein


Viele Paare ohne Trauschein denken nicht daran, aber auch sie müssen sich gegen mögliche Ernstfälle wie Trennung, Todesfall oder mangelnde Handlungsfreiheit bei schwerer Krankheit absichern.

Wer ohne Trauschein zusammen lebt, sollte sich gegen mögliche Ernstfälle absichern: Geklärt werden sollte nach Ansicht von Experten etwa, wer bei einer Trennung die Wohnung oder das Haus behält. Auch ist es wichtig vorher zu entscheiden, was im Todesfall eines Partners mit Vermögenswerten geschieht oder welche Handlungsfreiheit jemand bei einer schweren Erkrankung seines Lebensgefährten hat.

»Wir raten unverheirateten Paaren, sich zunächst vom Notar beraten und dann eine vertragliche Regelung erarbeiten zu lassen, in der die Rechts- und Vermögensverhältnisse in der Partnerschaft eindeutig geklärt werden«, sagt Dirk Solveen, stellvertretender Geschäftsführer der Rheinischen Notarkammer in Köln.

Partnerschaftsvertrag schützt vor bösen Überraschungen

Während das Gesetz für Eheleute umfangreiche Regelungen zu Vermögen, Unterhalt, Versorgung und Erbrecht enthalte, fehlten solche Bestimmungen für eheähnliche Partnerschaften. Mit einem so genannten Partnerschaftsvertrag lassen sich laut Solveen jedoch unliebsame Überraschungen im Trennungsfall vermeiden. »Aber auch für den Fall, dass später doch geheiratet wird, ist eine vertragliche Regelung sinnvoll«, empfiehlt der Jurist. Damit könne die gemeinsam verbrachte Zeit vor der Eheschließung rechtlich berücksichtigt werden.

Doch was passiert mit doppelten Versicherungsverträgen, wenn zwei Menschen zusammenziehen? Hier kann das Haushaltsbudget geschont werden, wenn einer der Partner sich beim anderen mitversichert. »Privatversicherungen machen in aller Regel keinen Unterschied, ob es sich um eine eheliche oder nichteheliche Lebensgemeinschaft handelt - vorausgesetzt, man wohnt in einem gemeinsamen Haushalt«, so Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten in Henstedt-Ulzburg bei Hamburg.

Mitversicherung ist möglich

Bei Haftpflichtversicherungen, einer der wichtigsten Versicherungen überhaupt, lehnt kaum noch ein Unternehmen die Mitversicherung von Partnern in einer eheähnlichen Lebensgemeinschaft ab. Dies gelte auch für deren Kinder. »Man sollte nur darauf achten, dass der Partner im Vertrag namentlich genannt wird«, rät Rudnik.

Sind bei Beginn der Partnerschaft zwei Haftpflichtversicherungen vorhanden, dann hat das Paar das Recht, eine Police ohne Einhaltung von Fristen zu kündigen - und zwar immer die Versicherung, die zuletzt abgeschlossen wurde. Der ältere Vertrag hat die älteren Rechte und bleibt bestehen. »Für Hausratversicherungen gilt eigentlich das gleiche, aber da tun sich viele Versicherer noch eher schwer und pochen auf Einhaltung beider Verträge«, erläutert Rudnik. Allerdings könnten häufig die Versicherungssummen angepasst werden.

Finanzielle Absicherung

Ratsam ist auch der Abschluss einer Risikolebensversicherung, die den oder die Hinterbliebenen finanziell absichert, falls der Partner stirbt. Doch hier ist Vorsicht geboten: Obwohl die so genannte Todesfallsumme aus einer Lebensversicherung nicht zum Erbe gezählt, sondern direkt an den Empfänger ausgezahlt wird, werden verheiratete und nicht verheiratete Lebenspartner hier unterschiedlich behandelt.

Während überlebende Ehepartner von hohen Freibeträgen und niedrigen Steuersätzen profitieren, schmälern bei nichtehelichen Lebenspartnern geringe Freibeträge und hohe Steuersätze die auszuzahlende Summe. Wenn der so genannte Bezugsberechtigte nicht selbst die Police abgeschlossen hat, sind Versicherungsgesellschaften dazu verpflichtet, dem Finanzamt Empfänger und Höhe der Leistung mitzuteilen. Aus diesem Grund sollten nach Empfehlung des BdV Versicherungsnehmer und Bezugsberechtigter immer identisch sein.

Besonders wichtig: die Vorsorgevollmacht

»In Beratungsgesprächen empfehle ich Ehepaaren, aber auch nichtehelichen Lebenspartnern die Erteilung einer gegenseitigen Vorsorgevollmacht«, sagt Herbert Asschenfeldt, Sprecher der Hamburgischen Notarkammer. »Nur so ist gewährleistet, dass der andere im Ernstfall handeln kann.«

Im Krankenhaus zum Beispiel bekommen selbst Verwandte allenfalls Auskunft über den Gesundheitszustand des Betroffenen, nichteheliche Partner noch nicht einmal das. Liegt keine Vollmacht vor, ist das Vormundschaftsgericht zuständig, das dann einen gesetzlichen Betreuer bestellt, der über medizinische Behandlung oder gegebenenfalls über die Einweisung in ein Pflegeheim entscheidet. »Eine Generalvollmacht, die sämtliche Geldgeschäfte mit einbezieht, setzt großes Vertrauen voraus, da Missbrauch drohen kann«, warnt Asschenfeldt allerdings.

Im Erbrecht wird die Ehe ohne Trauschein benachteiligt: Stirbt einer der Partner, geht der nichteheliche Lebenspartner leer aus, weil er laut Gesetz nicht erbberechtigt ist. Diese Klippe kann zwar mit einem Testament umschifft werden. Allerdings ist der steuerliche Freibetrag von 10.000 Mark bei einer Erbschaft wesentlich niedriger als für Verheiratete mit 600.000 Mark. Nur Kinder müssen sich keine Sorgen machen: Für sie spielt es beim Erben weder rechtlich noch finanziell eine Rolle, ob die Eltern verheiratet waren oder nicht.

Informationen:

Das Informationsblatt »Risikolebensversicherung und Erbschaftssteuer bei nichtehelichen Lebensgemeinschaften« kann kostenlos angefordert werden beim Bund der Versicherten, Postfach 1153, 24547 Henstedt-Ulzburg, Tel.: 04193/990 40, Fax: 04193/942 41.


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