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Fußball-WM: Ein Mega-Geschäft für Versicherungen

Franz Beckenbauer ist versichert, die 736 Spieler, der offizielle Fuhrpark, der Weltpokal, die je 15.000 Freiwilligen und Medienleute, 16.000 Ehrengäste und die drei Millionen Zuschauer - die Fußball-WM ist auch eine Versicherungs-WM.

Das umfangreiche Versicherungspaket zur Fußball-WM kommt von der Hamburg-Mannheimer Versicherungs-AG, deren WM-Werbespot lautet: Alles, alles ist versichert." Und je näher das Eröffnungsspiel am 9. Juni in München zwischen Deutschland und Costa Rica rückt, um so sicherer kann der offizielle Versicherer der WM sein, dass die Großveranstaltung zu einem lohnenden Geschäft wird. Dabei profitiert die Allianz, als der führende deutsche Sportversicherer, von ihrer Jahre langen Erfahrung im nationalen Bereich. Gegenwärtig sichert der Konzern rund 200 Bundesligaprofis aus der ersten und zweiten Liga mit einer Gesamtversicherungssumme von 250 Millionen Euro gegen Sportinvalidität und Todesfall ab.

Viele Risiken sind unwahrscheinlich

158 Millionen Euro - und damit rund 20 Mal mehr als bei der ersten WM in Deutschland 1974 - müsste der Leben- und Sachversicherer zusammen mit einigen Partnern an das Organisationskomitee (OK) zahlen, falls die WM verschoben oder verlegt werden müsste. Das wird mit jedem Tag des Näherrückens der Eröffnung unwahrscheinlicher. Den Totalausfall mochte angesichts der Bedrohung durch den internationalen Terrorismus allerdings kein Unternehmen mehr absichern. Stattdessen hat der Weltverband FIFA am Kapitalmarkt einen so genannten Katastrophenbond über 260 Millionen Euro aufgelegt. Geht alles gut, gibt es gute Zinsen, anderenfalls sind drei Viertel der Anlagegelder verloren.

Einen weiteren großen Posten macht die Ausrichterhaftung über eine Versicherungssumme von 140 Millionen Euro aus, beteiligt ist dabei auch die Allianz. Dabei geht es um Ansprüche von geschädigten Dritten, insgesamt um die Regulierung von Schäden, für die der Veranstalter verantwortlich gemacht werden kann.

Auch WM-Stadien sind versichert

Das Versicherungspaket umfasst mehr als 20 Verträge in allen Bereichen der Versicherung. Die WM-Stadien sind gegen Vandalismus abgesichert. Käme ein Zuschauer im Stadion ums Leben, würden für Hinterbliebene 10.000 Euro fällig. Geht der vergoldete Weltpokal mit seinem Sachwert von 50.000 Euro verloren, muss die Hamburg-Mannheimer 350.000 Euro berappen. Das ist immerhin mehr, als wenn OK-Chef Beckenbauer etwas zustoßen würde. "Doch der ist noch durch andere Versicherungen abgedeckt", sagt WM-Projektleiter Sebastian Conrad.

Doch auch als einer von sechs nationalen Sponsoren zeigt sich das Hamburger Unternehmen, wie Vertriebs- und Marketingvorstand Ulf Redanz sagt, "sehr zufrieden". Nicht viel mehr als die Hälfte des Einkaufspreises von knapp 12,9 Millionen Euro setzt die Hamburg-Mannheimer für die Kampagne ein, mit der sie ihre Exklusivrechte nutzbar macht. Dazu gehört die interne und externe Vergabe der vom OK eingekauften 12.000 Eintrittskarten. So gab es Motivationsprogramme unter den insgesamt 30.000 Festangestellten und selbstständigen Mitarbeitern, vielfach über Wettbewerbe und Spiele.

Besuch von "Herrn Kaiser"

Zudem habe das Unternehmen laut Conrad eine Reihe von Versicherungsprodukten im Zusammenhang mit der WM gut auf dem Markt platzieren können. Und dann war, mit dem Wohlwollen von "Kaiser" Franz Beckenbauer, auch die "Kaiser-Tour" ein Erfolg. Günter Kaiser, ein Versicherungsvertreter des Hauses, tourte in Gefolgschaft des WM-Globus durch die zwölf WM-Städte, wo sich 660 Freizeit- und Betriebsmannschaften für ein Berliner Finale qualifizieren konnten. "300.000 Kaiser-Kontakte" seien zusammengekommen, rechnet Conrad zusammen, auch mit Hilfe von Fußball-Idol Uwe Seeler als Zugpferd der Kampagne.

Günter Deister/DPA / DPA