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Teure Versicherte: Krankenkasse soll Schwerkranke zu Wechsel gedrängt haben

Schwerer Vorwurf gegen die KKH-Allianz: Die Krankenkasse soll chronisch Kranke und damit teure Versicherte zur Kündigung gedrängt haben.

Die gesetzlichen Krankenkasse KKH-Allianz soll einem Bericht des ZDF-Magazins "Frontal 21" zufolge schwer kranke Mitglieder im Rahmen einer großangelegten Telefonaktion zum Kassenwechsel gedrängt haben. Entsprechende Vorwürfe hätten sowohl Versicherte als auch Mitarbeiter der Redaktion bestätigt, teilte das ZDF vor der Sendung mit, die am Dienstagabend um 21.45 Uhr ausgestrahlt wird. Die KKH-Allianz erklärte in Hannover, der Vorstand habe aufgrund der Vorwürfe eine interne Prüfung veranlasst und gehe den Hinweisen nach.

Nach Angaben der Kasse diente die genannte Telefonaktion dazu, ausstehende Zusatzbeiträge von säumigen Versicherten einzufordern. "Dies galt ausnahmslos für alle Schuldner und unabhängig von Alter, Geschlecht, Krankengeschichte oder sonstigen Kriterien", erklärte die KKH-Allianz. Die Krankenkasse hatte von März 2010 bis Februar 2012 einen Zusatzbeitrag erhoben. Ein kleiner Teil der Mitglieder zahlte nicht, die Kasse musste den Zusatzbeitrag laut gesetzlicher Regelung aber eintreiben.

Es sei "ausdrücklich" nicht Ziel der Anrufe gewesen, Mitglieder zum Kassenwechsel zu bewegen, so die KKH-Allianz. Im Übrigen sei es nach den derzeit geltenden Bestimmungen nicht mehr zutreffend, dass eine Kasse nur mit gesunden Mitgliedern wirtschaftlich besser dastehe. Zwischen den Kassen gebe es einen Risikostrukturausgleich für chronisch kranke Versicherte.

"Hat am Telefon geweint; Kündigung liegt vor!"

Das ZDF beruft sich in dem Beitrag auch auf interne Telefonprotokolle der Versicherung, die während der Telefonaktion angefertigt worden sein sollen. Darin heißt es laut "Frontal 21" beispielsweise über einen HIV-infizierten Mann: "Er sei immer schon bei KKH und die zahlen auch seine HIV Therapie; nach langem Gespräch dennoch überzeugt, über Kassenwechsel nachzudenken; Kündigung liegt vor."

"Frontal 21" zitiert aus weiteren Telefonprotokollen: "Kundin ist blind; Kassenwechsel als Möglichkeit aufgezeigt." Über eine schwer kranke Diabetikerin sei vermerkt: "Hat am Telefon geweint; Kündigung liegt vor!"

Der von dem Sender zu diesem Thema befragte Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar kritisierte das Verhalten der Kasse scharf. "Ich denke, dass Wettbewerb nicht dazu führen darf, dass man gesetzliche Grenzen überschreitet", sagte er dem Sender. Es könne nicht sein, dass Menschen aus der gesetzlichen Krankenkasse gedrängt würden, "weil sie möglicherweise zu teuer sind".

AFP/DPA / DPA
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