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Folge der Zusatzbeiträge: Hunderttausende wechseln die Krankenkasse

Die Zusatzbeiträge haben zahlreiche Krankenversicherte im 1. Halbjahr zum Wechsel der Krankenkasse veranlasst. Allein die DAK verzeichnet mehr als 300.000 Mitglieder weniger, insgesamt wechselten mehr als eine halbe Million.

Hunderttausende Versicherte haben den ersten Krankenkassen mit Zusatzbeiträgen den Rücken gekehrt. Die DAK verließen bis 1. Juli rund 241.000 Mitglieder, wie ein DAK-Sprecher bestätigte. Inklusive beitragsfrei Mitversicherten gibt es sogar 307.000 weniger Menschen mit dem orangefarbenem DAK-Kärtchen. Rund 60.000 der Mitglieder seien der Kasse nicht durch Kündigungen verloren gegangen, sondern durch Todesfälle oder den Wechsel in die beitragsfreie Familienversicherung, so die DAK.

Mit Spannung erwarten Kassen und Koalitionsfraktionen den Gesetzesentwurf von Minister Philipp Rösler (FDP) nach dem Sommer. Die bisher auf maximal ein Prozent des Einkommens begrenzten Zusatzbeiträge sollen künftig unbegrenzt steigen können. Der Ausgleich aus Steuern soll aber verhindern, dass Versicherte mehr als zwei Prozent ihres Einkommens zahlen.

Unterschiede bei der Liquidität

Die KKH-Allianz verlor 147.000 Versicherte, davon 116.000 Mitglieder. Erstmals hätten auch viele Rentner und Hartz-IV-Empfänger gewechselt, sagte eine KKH-Allianz-Sprecherin. Früher zogen fast nur jüngere Gutverdiener zu Kassen mit niedrigeren Beitragssätzen.

Die BKK Gesundheit musste einen Aderlass von 20 Prozent ihrer Mitglieder hinnehmen. "Wir können das eindeutig auf den Zusatzbeitrag zurückführen, mittlerweile geht die Abwanderung zurück", sagte eine Sprecherin. Marktführer Barmer GEK verzeichnete dagegen ein Plus von 69.000 Versicherten, die Techniker Krankenkasse sogar von 238.000. Mehr als 511.000 Versicherte gewannen die 14 AOKen seit Januar dazu. Diese Kassen brauchen keine Zusatzbeiträge.

Die KKH-Allianz äußerte sich optimistisch, im kommenden Jahr wieder ohne Aufschlag auszukommen. Der DAK-Sprecher sagte, für Prognosen sei es zu früh. "Die angesprungene Konjunktur führt im kommenden Jahr auch zu einer Entspannung in der gesetzlichen Krankenversicherung", sagte Unionsfraktionsvize Johannes Singhammer (CSU). Außerdem sollen die Beiträge von 14,9 auf 15,5 Prozent steigen. Vermehrt Zusatzbeiträge und Sozialausgleich dürften aber ab 2012 die Kassenlandschaft weiter durcheinanderwirbeln.

"Die Unterschiede bei der Liquidität der einzelnen Kassen ist groß", sagte der Essener Gesundheitsökonom Jürgen Wasem. Wer also mehr zahlen muss, dürfte dahin wechseln, wo es weniger kostet. Viele Kassen dürften in Druck geraten. Wasem meinte, absehbar werde die Zahl der Kassen von derzeit 163 auf 100 sinken.

Westerwelle will "die Kostenexplosion dämpfen"

FDP-Chef Guido Westerwelle sagte RTL, die Koalition sorge dafür, "dass ein Wettbewerb zwischen den Kassen jetzt wirklich stattfinden kann". Die Ersatzkassen warnen vor neuer Ungerechtigkeit. Im Fall vermehrter Zusatzbeiträge "werden Besserverdienende relativ weniger stark belastet als Menschen mit mittlerem und niedrigem Verdienst", sagte der Chef ihres Verbands vdek, Thomas Ballast, der DPA.

Die Kassen pochen auf stärkere Einsparungen. Die Vorsitzende des Kassen-Spitzenverbands, Doris Pfeiffer, sagte: "Mit den bisher bekannten Eckpunkten bleibt die Bundesregierung deutlich hinter ihren Einsparplänen zurück." Nullrunden bei Ärzten und Krankenhäusern hätten die zusätzliche Belastung von Versicherten ihrer Ansicht nach merklich verringert. "Es ist unverständlich, dass die Koalitionäre selbst in so schwierigen Zeiten diejenigen schonen, die in den letzten Jahren massive Zuwächse verzeichnen konnten." Westerwelle versicherte, es gehe auch darum, "die Kostenexplosion zu dämpfen".

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ins/DPA / DPA