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Unisex-Tarife: Was die Umstellung der Versicherer bedeutet

Ab Ende des Jahres müssen viele Versicherungen die gleichen Tarife für Männer und Frauen anbieten. Welche Konsequenzen das für die Versicherten hat, können Sie unserem Überblick entnehmen.

Mit der Umstellung der Versicherer werden die Unisex-Tarife für Männer in manchen Fällen teurer als bislang, in anderen Fällen sind sie es für Frauen. Theoretisch müssten die Prämien im Gegenzug auch sinken - doch die Vergünstigungen werden in den meisten Fällen nur minimal ausfallen, wie eine Umfrage der Stiftung Warentest unter Versicherern ergab.

Unisex

Bislang rechnen Versicherer aus, wie wahrscheinlich es ist, dass sie zahlen müssen, wie viel das sein wird und wie lange. Weil Frauen etwa eine längere Lebenserwartung haben, sind Lebensversicherungen für sie teurer. Die Unisex-Tarife gehen auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) von 2011 zurück. Dieser hatte entschieden, unterschiedliche Tarife für Männer und Frauen seien diskriminierend - und nur noch zulässig, wenn ein höheres Risiko sich eindeutig durch biologische Unterschiede begründen lässt.

Neu- und Altverträge

Die Unisex-Tarife sind ab 21. Dezember verpflichtend. Sie gelten aber nur für Neuverträge, schon bestehende Verträge sind nicht betroffen. Aufpassen müssen Kunden, wenn sie ihren Versicherungsvertrag anpassen, zum Beispiel um eine höhere Absicherung zu vereinbaren. Das kann unter Umständen als Neuabschluss gelten. Wer in einem neuen Vertrag weniger zahlen muss als in einem Altvertrag, sollte sich einen Wechsel überlegen - aber nicht überstürzt handeln, warnt die Stiftung Warentest.

Kosten

An sich steigt der Gesamtschaden-Aufwand durch Unisex-Tarife nicht - die Ausgaben der Versicherer bleiben theoretisch gleich, nur ihre Einnahmen müssen sie neu verteilen. Entsprechend müssten sich steigende und sinkende Prämien die Waage halten. Die Versicherungskonzerne aber kalkulieren zusätzliche Sicherheiten ein - denn es könnte sein, dass sich jetzt mehr Menschen versichern, die dies zuvor wegen hoher Prämien nicht taten. Entsprechend könnte das Risiko der Versicherer steigen.

Risiko-Lebensversicherung

Mehr Männer als Frauen sterben früh - Versicherungen müssen für sie also öfter zahlen. Bislang müssen Frauen daher weniger zahlen als Männer. Ab Ende des Jahres steigen ihre Prämien deutlich - um bis zu 55 Prozent, wie "Finanztest" ermittelte. Für Männer wird es hingegen bis zu 22 Prozent günstiger. "Finanztest" rät Frauen, die eine Risiko-Lebenspolice benötigen, diese noch vor dem 21. Dezember abzuschließen.

Altersvorsorge

Lebensversicherungen zur privaten Rentenvorsorge werden für Frauen günstiger und für Männer teurer. Letztere zahlten bislang niedrigere Prämien für die gleiche Rente - denn sie leben im Schnitt deutlich kürzer. Riester-Renten haben schon seit 2006 Unisex-Tarife. Ausgenommen vom Unisex-Zwang ist die betriebliche Altersvorsorge - das könnte sich aber durch eine erneute Klage vor dem EuGH ebenfalls ändern. Arbeitgeber dürften daher künftig gleich auf Unisex-Tarife setzen.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Auch hier wird es für Frauen etwas günstiger, während die Prämien für Männer leicht ansteigen dürften. Der Grund ist, dass Frauen häufiger berufsunfähig werden als Männer.

Kranken- und Pflegeversicherung

Bei der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung sind die Beiträge unabhängig vom Geschlecht. Anders ist das bei privaten Anbietern, die künftig aber auch Unisex-Tarife anbieten müssen - für Voll- und für Zusatzversicherungen. Bislang zahlen Frauen deutlich mehr als Männer. Langfristig dürfte es aber laut Stiftung Warentest für niemanden billiger werden. Grund sind spezielle Wechselrechte der Kunden. Diese können dazu führen, dass Frauen aus alten, teuren Verträgen in die Unisex-Tarife wechseln, Männer können wiederum in günstigere Altverträge wechseln.

KFZ-Versicherung

Frauen bauen weniger Unfälle - und zahlen daher bislang oft deutlich weniger als Männer für die Versicherung ihres Autos. Ab Dezember wird es für Frauen also teurer, für Männer günstiger.

Florian Oel, AFP / AFP