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VERSICHERUNGEN: Klicken Sie die Prämie klein

Wer weiß schon, ob er bei einer teuren oder günstigen Versicherung unterschrieben hat? Eine Einladung zum Selbstversuch im Internet.

Autoversicherung

, Hausratversicherung, private Krankenzusatzversicherung - zum Jahresende fallen die Rechnungen mit Dominoeffekt ins Haus. Ich zahle zwar, werde aber das Gefühl nicht los, dass ich den Versicherern viel zu viel überweise. Zeit, die Höhe der Prämien zu überprüfen und vielleicht zu einem günstigeren Anbieter zu wechseln. Eine Möglichkeit, der Maklerzunft (»Ist Ihre Versicherung zu teuer? Das muss nicht sein. Kommen Sie doch zu uns«) zu entgehen, ist ein Versicherungstest im Internet.

Ich nehme mir meine

Hausratversicherung und klicke mich zu Einsurance.de vor. Nachdem ich die Formularfelder ausgefüllt habe und auf die nächste Seite gekommen bin, erfahre ich, dass ich unterversichert bin, wenn ich nicht jeden Quadratmeter meiner Wohnung mit mindestens 1.200 Mark versichere. Bei 100 Quadratmeter Wohnfläche macht das 120.000 Mark Versicherungssumme. Dann folgen ewig viele Fragen: Gibt es eine Alarmanlage? Nein. Ist die Bedachung hart? Was sonst? Ich will nur mein Fahrrad gegen Diebstahl versichern. Das geht auch mit einem Prozent der Versicherungssumme. Mehrere Minuten und viele »weiter«-Buttons später bin ich endlich am Ziel. Sieben Ergebnisse werden angezeigt. Die günstigste Versicherung kostet 407 Mark im Jahr. Ich zahle jetzt aber nur 346 Mark. Also weiter.

Asuro.de wirbt mit einem Spezialangebot für 67 Mark im Jahr. Mordsbillig. Ganz unten in einer Fußnote, die kaum zu entziffern ist, steht: Das Angebot gilt für eine zirka 37 Quadratmeter große Wohnung. Für meine 100 Quadratmeter kostet das Super-Spezial-Angebot dann gleich 356 Mark und ist damit kein Schnäppchen mehr.

Nächste Station:

Insurancecity. Zielsicher finde ich den »Hausrat«-Button. Eine Minute soll's nur dauern. Nach dem Hinweis auf die drohende Unterversicherung werde ich gefragt, ob sich Wasserbetten (befüllt!), Aquarien und andere ähnlich gefährliche Dinge im Haushalt befinden. Viel länger als eine Minute hat das tatsächlich nicht gedauert. Aber nach abschließender Rechnerei bekomme ich nur einen einzigen Vorschlag: 342 Mark im Jahr bei der Württembergischen und Badischen Versicherungs-AG, Heilbronn. Das sind nur vier Mark weniger, als ich jetzt bezahle. Bei nur einem Angebot kann von einem echten Vergleich sowieso nicht die Rede sein. Übrigens hat auf meinen Wunsch hin nach zwei Tagen eine Mitarbeiterin angerufen, die mir einen Vergleich zuschicken wollte. Darauf warte ich mittlerweile seit zwei Wochen.

Jetzt sitze ich schon

seit über einer Stunde vor dem Computer. Wenn ich nicht versprochen hätte, meine Erfahrungen hier aufzuschreiben, würde ich aufgeben. So aber surfe ich weiter in der Hoffnung, endlich einen Rechner zu finden, der mir die 20 günstigsten Hausratversicherungen ausspuckt.

»Einfacher kann man

Versicherungen nicht managen», behauptet Quinner.de - ein Internetdienst, der sogar Kündigungen übernimmt. Das sei ganz einfach. Man müsse nur eine Vollmacht ausfüllen, und Quinner kündigt alle Versicherungen. Zweimal klicken, Bankverbindung eingeben, bestehende Versicherungen nennen - und das war's. Wer nicht aufpasst und auf den falschen Button klickt, hat schneller seine Versicherung gekündigt, als ihm lieb ist.

»Sie haben Versicherungen

abgewählt, die Quinner als erforderlich ansieht», bekomme ich als erste Auskunft. Ganz schön oberlehrerhaft ist das hier. Nach zehn Minuten und fünf Seitenklicks sind meine persönlichen Daten registriert, und ich bekomme einen Vergleich: aber nur zwischen dem angeblich höchsten Preis von 498 Mark, einem Durchschnittspreis von 390 Mark und schließlich dem natürlich total günstigen Quinner-Preis von gerade mal 238 Mark. Wie der zustande kommt und bei welcher Versicherung, erfahre ich nicht. Das ist mir zu riskant - der Nächste bitte!

Meine letzte Hoffnung

auf einen ganz einfachen Versicherungsvergleich ist fss-online.de. Nachdem ich inzwischen voll routiniert meine Angaben gemacht habe, bekomme ich hier eine Ergebnisliste mit Dutzenden von Versicherungen: von knapp 260 bis 629 Mark im Jahr. Da ist Sparpotenzial für mich drin. Ich lasse mir von den zwei günstigsten Versicherern mal ein Angebot zuschicken.

Die meisten Finanzportale

verlangen eine Gegenleistung für den Vergleich. Asuro.de beispielsweise will Namen und Adresse, bevor die Maschine einen Tarif ausspuckt. Davon leben einige der Plattformen: Für die Vermittlung an eine Versicherung kassieren sie eine Provision. Andere wie Finanzscout24.de arbeiten aus diesem Grund nur mit wenigen ausgewählten Anbietern zusammen oder haben wie Aspect-online für einige Versicherungen gar nur einen Vertragspartner. So gibt es angeblich 15 Prozent Rabatt auf eine Online-Hausratversicherung. Geht aber nur bei der HUK-Coburg-Tocher HUK24.

Zumindest habe ich festgestellt

, dass meine Hausratversicherung gar nicht so teuer ist. Sparen könnte ich aber mindestens 86 Mark im Jahr. Als Gegenleistung für diese Information kreisen meine Daten durchs Internet. Viele Versicherer kennen mein Geburtsdatum und meine Anschrift. Ich bin sicher, die werden sich melden.

Von Elke Schulze

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