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Versicherungesverträge mit Lücken: Schutzlos trotz Schutzbrief

60 Milliarden Euro an Beiträgen zahlen die Deutschen jährlich für ihre Sachversicherungen und wähnen sich auf der sicheren Seite. Die Versicherer nutzen viele Schlupflöcher, um nicht zahlen zu müssen.

Von Joachim Reuter

Unbeschwerte Klassenfahrt, doch schon ein kleiner Unfall kann zu seinem komplizierten Versicherungsfall werden. Vor allem, wenn ein Betreuer ehrenamtlich arbeitet.

Unbeschwerte Klassenfahrt, doch schon ein kleiner Unfall kann zu seinem komplizierten Versicherungsfall werden. Vor allem, wenn ein Betreuer ehrenamtlich arbeitet.

Die viertägige Klassenfahrt sollte nach Sylt führen und Sandra K.s zehnjähriger Sohn mitreisen. Als die Lehrerin die Mutter fragte, ob sie als Begleitperson zur Aufsicht der Kinder mitkommen wolle, sagte Sandra K. spontan zu. Auf der Nordseeinsel allerdings passierte es: Sandra K. führte ein paar Jungs eine Treppe zum Strand hinunter, es gab Gerangel, einer stürzte und brach sich den Knöchel.

Nach dem Schock beruhigte sich Sandra K. Immerhin hatte sie ja eine Haftpflichtversicherung, die den Schaden abdecken sollte. Stattdessen gab es Ärger. Die Versicherung lehnte Hilfe und Entschädigung ab. Sie bewertete die Begleitung von Sandra K. auf der Klassenfahrt als ehrenamtliche Tätigkeit. Bitter für Sandra K.: Während Lehrer durch ihre Berufshaftpflicht abgesichert sind, steht sie als Privatperson in so einem Falle ohne Schutz da.

Vorsicht bei ehrenamtlichen Diensten

Eltern versehen oftmals – ohne es zu wissen – solche ehrenamtlichen Dienste. Beispielsweise der Vater, der im Sportverein den Fahrdienst für die Kinder zum Fußballplatz übernimmt. Bei einem Autounfall würde zwar die Kfz-Haftpflicht oder Kaskoversicherung greifen. Doch würde eines der Kinder nach dem Aussteigen vor ein anderes Auto laufen, wäre das ein Fall für die Privathaftpflicht. Die aber zahlt bei einem Ehrenamt nicht.

Wie lässt sich solch eine Lücke im Schutz vermeiden? Versicherungen bieten sogenannte Deckungsklauseln an, die bei Schadensfällen bei ehrenamtlichen Tätigkeiten einspringen. Solche Upgrades der Haftpflicht kosten etwa zehn Euro im Jahr mehr. Haftpflichtversicherungen neueren Datums decken in der Regel einen größeren Umfang möglicher Schäden ab als Policen, die vor längerer Zeit abgeschlossen worden sind. Bevor also der Ärger mit der Versicherung losgeht, sollte man mit einem Versicherungsberater mögliche Lücken in der Absicherung überprüfen.

Das ist kein Einzelfall, Versicherungen nutzen immer wieder Lücken im Vertragswerk aus. Beispiel Gebäudeversicherung: Dort hat die Versicherung die Möglichkeit, nach der Regulierung eines Schadensfalles den Vertrag mit dem Kunden zu kündigen - der steht dann ohne Schutz da und hat auch Schwierigkeiten, eine neue Versicherung zu finden. Beispiel Hausrat: Hier können Versicherer sich weigern, den kompletten Schaden zu ersetzen, wenn der Kunde aufgrund von fahrlässigem Verhalten eine Mitschuld trägt. Beispiel Rechtsschutz: Sie deckt Streitfälle bei Familien- und Erbrecht, Geldanlagegeschäften und Immobilienfinanzierung nicht ab.

Haben Sie schlechte Erfahrungen gemacht?

Haben auch Sie als Versicherungskunde auch schlechte Erfahrungen gemacht? Nicht nur bei der Haftpflicht, sondern auch mit Ihrer Hausrat-, Rechtsschutz- oder Gebäudeversicherung? Wenn Sie Probleme mit Ihrer Versicherung hatten, so schreiben Sie uns doch ihren Fall bitte an aktion@stern.de

Mehr zum Thema...

... lesen Sie im Spezial "Wer den Schaden hat..." in der in der aktuellen Ausgabe des stern

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.