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Börsenmarkt "Generation Trade Republic": Warum der Aktienhandel gerade so boomt

Trade Republic: Apps wie diese haben zu einem Ansturm auf Aktien geführt.
Trade Republic: Apps wie diese haben zu einem Ansturm auf Aktien geführt.
© Fabian Sommer/ / Picture Alliance
Momentan beteiligen sich so viele junge Menschen an der Aktienbörse wie noch nie. Corona hat den Boom noch verschärft und auch die Digitalisierung hat ihren Teil dazu beigetragen: App herunterladen, ein paar Klicks und schon ist die Aktie gekauft. Online-Banken und Brokerdienste finden bei den jungen Menschen Anklang.

Experten sprechen von einem wahren Aktien-Boom während der Coronakrise und besonders eine Generation sticht heraus: Die jungen Erwachsenen. Im Vergleich zu 2019 haben im Coronajahr 2020 von den unter 30-Jährigen zwei Drittel mehr ihr Geld an den Börsen angelegt. Auch das Deutsche Aktieninstitut (DAI) spricht von einem Jugendboom an der Börse: "Fast 600.000 junge Erwachsene unter 30 Jahren wagten sich auf das Börsen-Parkett", schreibt das Institut in ihrem Jahresbericht 2020. Die Gründe für das Erwachen einer neuen "Generation Aktie" seien vielfältig.

Mehr Zeit und mehr Geld durch die Pandemie

Corona spielt bei dem Boom eine entscheidende Rolle: Weniger Shopping, kaum Urlaub, keine Restaurantbesuche und mehr Zeit, um sich über den umfangreichen Börsenmarkt zu informieren. Bei vielen Deutschen war durch geringere Ausgaben zudem mehr Geld vorhanden – Geld, das in Aktien oder Fonds investiert werden konnte. Außerdem war der Börsenkurs im Frühjahr 2020 recht niedrig, was viele als Chance für den Einstieg nutzen konnten.

Besonders junge Menschen legen ihr Geld nicht mehr bei klassischen Banken an, denn Tagesgeldkonten und Bausparverträge, bei denen häufig Negativzinsen entstehen, werden immer unbeliebter. Onlinebanken und sogenannte Fintech-Unternehmen, die digitale Technologien für Finanzgeschäfte anbieten, sprechen die junge Generation mehr an.

Trade Republic & Co.: "Die Aktienanlage hat die Hosentasche erreicht"

Apps auf dem Smartphone erleichtern den Einstieg in die Aktienwelt enorm: ein Modell, das besonders junge Menschen anspricht. Außerdem sind bei den Onlinebrokern keine oder geringe Gebühren anfällig, sodass auch Menschen mit niedrigerem Einkommen leichter investieren können – die Hürde ist nicht mehr so hoch wie noch vor ein paar Jahren.

Denn im Gegensatz zu den meisten Banken, die Gebühren für das Wertkonto und Aktientransaktionen verlangen, sind die Angebote bei den Onlinebrokern kostengünstiger. Die Apps haben ein ansprechendes, leicht verständliches Design und der Weg zum Aktienkauf ist nur wenige Klicks entfernt. Auch lässt sich mit diesen einen längerfristigen Sparplan einrichten, indem in ETFs oder Aktienfonds investiert wird: "Die Aktienlage hat die Hosentasche erreicht", schreibt das DAI in ihrem Bericht.

Aktienhandel: Finanz-Influencer vermitteln Wissen zur Geldanlage

Neben den Apps spielt auch Social Media eine wichtige Rolle beim Aktien-Boom. Finanz-Influencer geben Workshops, schreiben Blogeinträge oder geben Tipps mithilfe von YouTube-Videos. Ein Indikator hierfür: Im März 2020 wurde der Begriff "Aktien" sehr häufig gegoogelt und auch Suchanfragen nach gebündelten Aktienpaketen von mehreren Unternehmen "Fonds" und "ETFs" stiegen zu der Zeit rekordverdächtigt an.

Viele jungen Menschen verfolgen gespannt die Social-Media-Konten von Finanz-Influencern, den sogenannten Finfluencern. So einfach wie möglich erklären diese ihren Followern die Finanzwelt: Von Depoteröffnungen über Wertpapiere bis zu Renditen und den aktuellen Kursen. Die Finanz-Influencer vermitteln Wissen zur Geldanlage und wecken mit ihren eigenen Erfahrungen die Neugier bei den jungen Followern, die dann selbst anfangen zu investieren.

Smartphone-Broker und Influencer haben auch eine Verantwortung

So verlockend der Aktienmarkt auch klingen mag: Risiken sind damit immer verbunden. Wer also auf schnelle Gewinne hoffe, oder alles auf eine Karte setze, riskiere viel Geld, schreibt das Deutsche Aktieninstitut. Somit müssten die Smartphone-Broker, Influencer, aber auch die Schulen eine gewisse Verantwortung übernehmen: "Diese müssen der jungen Zielgruppe das nötige Finanz- und Aktienwissen vermitteln, damit aus einem kurzfristigen Boom auch ein langanhaltender Wandel entsteht."

Dass der Boom bei der jungen Generation noch nicht beendet ist, zeigen die aktuellen Zahlen aus 2021: Das Wachstum hat sich zwar verlangsamt, aber es sind nochmal 50.000 mehr 14- bis 29-Jährige, die mit dem Anlegen begonnen haben – die neue "Aktiengeneration" ist also weiterhin auf dem Vormarsch.

Quellen:Deutsches Aktien Institut (2021), DAI (2020)


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