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Ärzte retten Jungen nach "innerer Enthauptung"

Ein Kleinkind bricht sich das Genick - der Schädel wird von der Wirbelsäule getrennt. Ärzten können den Bruch reparieren, die Presse spricht von einer medizinischen Sensation. Doch der Junge hatte vor allem großes Glück.

Der kleine Jackson liegt nach der OP auf einem Bett. Sein Kopf wird von einem Gestellt gestützt

Der kleine Jaxon nach der Notoperation. Seine Halswirbel waren gebrochen, sein Kopf dadurch vom Hals abgetrennt. 

Als der Wagen der Australierin Rylea Taylor vergangenen Monat ungebremst in einen anderen krachte, saßen ihre neunjährige Tochter Shayne und ihr 16 Monate alter Sohn Jaxon auf der Rückbank. Mutter und Tochter kamen mit mittleren Verletzungen und dem Schrecken davon. Doch als Rylea Taylor ihren schreienden Sohn aus dem Kindersitz hob, wusste sie augenblicklich: Sein Genick war gebrochen.

Sofort wurde das Kleinkind in eine Klinik nach Brisbane geflogen. Die Röntgenbilder bestätigten: Jaxons Kopf war durch den Aufprall so stark nach vorne geschleudert worden, dass sein Schädel buchstäblich von der Halswirbelsäule gerissen wurde - eine "innere Enthauptung". Dabei brachen ihm die oberen beiden Halswirbel - C1 und C2 genannt. Der C1 Wirbel hält den Schädel- durch den Bruch wurde diese Verbindung gelöst.

Viele Kinder hätten das nicht überlebt

Normalerweise breche bei einem Unfall entweder der erste oder der zweite Wirbel und nicht beide auf einmal, sagt Christoph Goetz, Chefarzt der Wirbelsäulen- und Neurochirurgie der Asklepios Klinik Hamburg Harburg, den stern um eine Einschätzung des Falls bat. Kinderknochen seien noch sehr weich und wenig bruchanfällig. Daher spreche Jaxons Doppelbruch für ein "sehr gravierendes Trauma". Auch der behandelnden Arzt Geoff Askin wird vom australischen Sender Channel 7 zitiert, solche Verletzungen noch nie gesehen zu haben. 

Die meisten Kinder würden solch eine Verletzung nicht überleben, so Askin. Denn ein derart heftiger Zug auf die Wirbelsäule hätte auch gut die Nervenbahnen, das Rückenmark und die Blutgefäße, die das Hirn versorgen, zerreißen können. Das hätte den sofortigen Tod oder schwere körperliche und geistige Behinderungen bedeutet. Der deutsche Arzt Goetz schätzt, dass nur wenige Stundenkilometer mehr ausgereicht hätten, um die Gefäße lebensgefährlich zu verletzen.

Doch Jaxon hatte Glück im Unglück: Seine Aterien und sein Rückenmark blieben unverletzt. In einer sechsstündigen Not-OP gelang es dem australischen Ärzteteam mithilfe eines Ersatzstücks aus Jaxons Rippen, die gebrochenen Wirbel zu reparieren und Wirbelsäule und Schädel mithilfe eines Drahts zu fixieren. 

Die Operation - eine medizinische Sensation?

Die Operation sei eine "medizinische Sensation", lobte die internationale Presse in den vergangenen Tagen. In der Tat seien solche Operationen sehr selten, sagt Goetz. "Aber es gab so etwas schon." Doch würde die Behandlung gut durchgeführt, sei das in jedem Fall eine chirurgische Leistung - wenn auch keine Sensation. Dennoch wird Jaxon nicht ohne Einschränkungen leben. "Beim Drehen des Kopfes und beim Nicken wird er Defizite haben", prognostiziert der Hamburger Chirurg. 

Noch muss der Kopf des kleinen Jaxon durch eine Apparatur gestützt und ruhiggehalten werden. Knochen und Gewebe können so in Ruhe verwachsen, um den Kopf zu stabilisieren. Gerade bei Kindern ginge das sehr schnell, so Goetz. Schon bald wird Jaxon also ohne Stütze wieder aufrecht gehen und sich bewegen können - wenn auch nicht ganz so gelenk wie vor dem Unfall. 


Alles nur wegen jugendlichen Leichtsinns

Doch für seine Mutter ist mit dem Überleben ihres Sohnes der Kampf noch nicht ausgestanden. Erst noch will Rylea Taylor für Gerechtigkeit sorgen. Denn der Unfall geschah durch puren Leichtsinn: Eine Gruppe Teenager probierte auf dem Seitenstreifen eines Highways "Burnouts" - sie ließen die Reifen eines stehenden Autos durchdrehen und lösten dann die Bremse. Als Taylor mit 110 Kilometer pro Stunden um die Kurve kam, sah sie nichts als den aufsteigenden Rauch, den die Reifen verursacht hatten, dann prallten die Wagen aufeinander.

Der kleine Jaxon kam bei dem Unfall nur knapp mit dem Leben davon. Die Teenager dagegen vollkommen unbeschadet. Alles was sie ihr Leichtsinn gekostet habe, sei eine Geldstrafe und der vorübergehende Führerscheinentzug, schreibt Taylor auf der Seite ihrer Online-Petition. Für die Mutter ist der Gedanke unertäglich, dass diese "verantwortungslosen Jungs in Schuluniform" schon bald wieder hinterm Steuer sitzen dürfen, während ihre Kinder ein Leben lang mit dem Unfall zu kämpfen haben würden. Daher fordert sie: "Steht auf, nehmt ihnen ihre Fahrerlaubnis und bestraft sie angemessen".

mh
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