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Schlafen wir wirklich zu wenig?

Lange waren Forscher überzeugt, dass Schlaf in der modernen Welt zunehmend zur Nebensache wird. Jetzt zeigen Untersuchungen, dass wir nicht weniger schlafen als Naturvölker - aber schlechter.

Junger Mann liegt schlafend im Bett

Damit die Nacht erholsam wird, muss man nicht nur genug Stunden schlafen. Genauso wichtig ist auch die Qualität des Schlafs. Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle: Stress und Medienkonsum sind zwei davon.

“Heute gehe ich pünktlich ins Bett!“ Diesen Vorsatz fassen wohl viele, wenn sie sich morgens mal wieder  müde aus dem Bett quälen. Und dann kommt doch wieder etwas dazwischen: Die Arbeit verlangt Überstunden, der Körper Sport und Essen und die Entspannung soll auch nicht zu kurz kommen. Also Abschalten vor dem Bildschirm: Serien, Internet, mit Freunden schreiben. Aber auch wenn die Erschöpfung irgendwann groß und die Müdigkeit bleiern ist, so richtig gut schlafen kann man trotzdem nicht.

Sorgen der Medienkonsum und unser möglichst effektiver Lebensstil dafür, dass wir weniger schlafen als es in unserer Natur liegt? Ist Schlafmangel also ein Phänomen der Industrienationen?

Wissenschaftler der Universität von New Mexico räumen im Fachmagazin “Current Biology“ mit diesem Mythos auf. In einer Studie untersuchte die Gruppe um Gandhi Yetish das Schlafverhalten von drei ursprünglich lebenden Volksgruppen: den Hadza aus Tansania, den San aus Namibia und den Tsimané aus Bolivien. Diese Völker leben noch als Jäger und Sammler und größtenteils abgeschirmt von Medieneinflüssen. Laut der Studie schlafen diese Menschen jedoch durchschnittlich nur knapp 6,5 Stunden pro Nacht. Das ist deutlich weniger als in manchen Industrienationen. In Deutschland schläft zum Beispiel jeder Erwachsene im Schnitt 7,25 Stunden. "Der kurze Schlaf in diesen Kulturen stellt die Annahme, dass der Schlaf in der 'modernen' Welt erheblich reduziert wurde, infrage", sagte Jerome Siegel, Co-Autor von der Universität von Kalifornien.

Eine echte Entwarnung für die deutschen Schläfer gibt es jedoch nicht. Die Studie lässt nämlich keinen generellen Rückschluss auf den Erholungswert des jeweiligen Schlafes zu. Ein wesentlicher Unterschied zeigte sich etwa bei Schlafstörungen. Darunter litten nur sehr wenige Angehörige der Naturvölker - im Gegensatz zu den Menschen in Industrienationen.

Chronischer Schlafmangel kann schwere Folgen haben

Experten machen für Schlafstörungen das elektrische Licht, das Fernsehen, das Internet oder alles zusammen verantwortlich. Wenn wir abends zu viel Licht ausgesetzt sind, schüttet der Körper weniger Melatonin aus. Dieser Botenstoff wird auch als Schlafhormon bezeichnet, da er mit dafür verantwortlich ist, dass wir nachts müde und tagsüber wach sind. Ohne dieses Hormon werden wir kaum müde - und können nicht schlafen. Im schlimmsten Fall entwickelt sich ein chronischer Schlafmangel.

Dessen Folgen sind gut erforscht - und schwerwiegend. Er kann zum Beispiel das Risiko für Depressionen und Angsterkrankungen erhöhen und sogar Übergewicht, Diabetes oder Rückfälle bei Suchterkrankungen fördern. Wer es nicht schafft, jede Nacht seine acht Stunden zu schlafen oder sich auch danach noch müde fühlt, muss sich aber nicht unbedingt Sorgen machen. Wie viele Stunden Schlaf ausreichend sind, hängt sehr stark von der einzelnen Person ab: Zwischen sechs und zehn Stunden bezeichnen Mediziner als “normal“. Das wichtigste ist jedoch, dass man sich danach tagsüber ausgeschlafen und fit fühlt.

DPA / vs
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