Rauchen verändert Erbgut innerhalb von Minuten

17. Januar 2011, 09:50 Uhr

Dass Rauchen der Gesundheit schadet, ist bekannt. Doch wie schnell das geht, zeigt nun eine neue Studie. Schon 15 Minuten nachdem die Zigarette geraucht wurde, bildeten sich im Blut chemische Substanzen, die das Erbgut schädigen. Von Michelle Röttger

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Eine neue Studie zeigt, wie gefährlich die Stoffe sind, die Raucher einatmen©

Wissenschaftler aus den USA haben zum ersten Mal mitverfolgt, wie schnell sich beim Rauchen Substanzen bilden, die die Erbsubstanz schädigen können. Ein Teil der krebserregenden Stoffe im Tabak sind polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs). Sie sind zusätzlich zu anderen Schadstoffen hauptverantwortlich für die rund 3000 täglichen Todesfälle durch Lungenkrebs weltweit.

Für die Untersuchung, deren Ergebnisse nun in der Fachzeitschrift "Chemical Research in Toxicology" veröffentlicht wurden, fügten die Forscher normalen Zigaretten weitere PAKs zu und markierten diese. So konnte der Weg der Giftstoffe im Körper von Testpersonen verfolgt werden.

Im Blut dieser Menschen bildeten sich überraschend schnell chemische Verbindungen, die die Erbsubstanz zerstören und Mutationen hervorrufen. 15 bis 30 Minuten, nachdem die Freiwilligen aufgehört hatten zu rauchen, war die Belastung am höchsten. Der Effekt trete so schnell ein, dass er mit einer direkten Injektion in den Blutkreislauf gleichzusetzen sei, schreiben die US-Forscher.

Natürliche Abwehr gegen DNA-Schäden

Schäden in der Erbsubstanz treten auch auf natürlichem Wege auf. Der menschliche Körper hat gute Reparatursysteme, die geschädigte oder mutierte DNA-Sequenzen ersetzen können. Versagen auch diese Mechanismen, entsteht Krebs.

Daher erkrankt ein Raucher erst nach Jahren und nicht nach der ersten Schachtel. Dennoch war den Wissenschaftlern bisher nicht klar, dass die Gifte eine so unmittelbar negative Auswirkung auf die Gesundheit haben. Die Forscher waren davon ausgegangen, dass erst jahrelanger Tabakkonsum ernstzunehmende Schäden auslöst.

"Die Studie ist einzigartig", schreibt Hauptautor Stephen Hecht. Es sei die erste Untersuchung, die die Auswirkungen des Rauchens auf den menschlichen Stoffwechsel entschlüssle, ohne dass man andere Quellen für die schädlichen Stoffe in Betracht ziehen müsse. Luftverschmutzung und Ernährung hätten beispielsweise dank der direkten Untersuchungsmethode keinen Einfluss auf die Ergebnisse. "Die Resultate sollten eine eindeutige Warnung an Menschen sein, die überlegen, mit dem Rauchen anzufangen", schlussfolgern die Autoren.

Gefunden in ... der "Financial Times Deutschland".

 
 
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