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Nichtraucher-Tagebuch Das Weichei mit dem Pflaster


Wie man sich das Rauchen am besten abgewöhnt, ist eine Glaubensfrage. Sollte man Hilfsmittel verwenden, vor allem wenn sie Nikotin enthalten? Für mich gilt momentan noch: Nicht ohne meine Pflaster.
Von Björn Erichsen

In dieser Woche bekam ich einen Anruf von einem alten Bekannten. Er hatte das Nichtraucher-Tagebuch gelesen und nahm das zum Anlass, einfach mal wieder zu plaudern. Er erzählte mir, dass er vor drei Jahren auch mal mit dem Rauchen aufgehört hatte. "Allerdings ohne Nikotinpflaster!", wie er betonte. Es klang wie "Björn, du Weichei, schaffst du das nicht ohne?" Und so war es wohl auch gemeint.

An der Frage, auf welchem Weg man erfolgreich mit dem Rauchen aufhört, scheiden sich die Geister. Das zeigen auch die Kommentare zu diesem Tagebuch: Nullpunkt-Methode vs. langsam reduzieren, Nikotinpflaster, -kaugummis oder -spray, Akupunktur, Hypnose oder einen der vielen Ratgeber zum Thema lesen. Kultstatus hat sicher das Buch "Endlich Nichtraucher!" von Allen Carr, der übrigens vehement gegen den Einsatz jeglicher Nikotinersatzpräparate poltert.

Vom ersten Tag an habe ich Pflaster geklebt

Ich habe mich für die Nullpunkt-Methode und Nikotinpflaster entschieden. Bekannte hatten damit gute Erfahrungen gemacht, durch die Trennung in psychischen vom physischen Entzug wird die unangenehme Anfangszeit erleichtert. Studien legen die Wirksamkeit dieser Methode nah: Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sind die Erfolgschancen bei einer Nikotinersatztherapie in etwa doppelt so hoch ein wie bei einem "kalten Entzug".

Vom ersten Tag an habe ich Pflaster geklebt. Bei meinem ausschweifenden Konsum kamen nur die stärksten Pflaster in Frage. 52,5 Milligramm Nikotin träufeln seither täglich in meinen Körper. Vor heftigen Entzugserscheinungen hat mich das nicht bewahrt, über die Achterbahnfahrt der ersten Tage habe ich ja berichtet. Insgesamt bin ich dennoch relativ ausgeglichen und nicht so aggressiv, wie ich das von vorherigen Versuchen kannte. Und natürlich das Wichtigste: Ich bin nicht rückfällig geworden.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Dem körperlichen Entzug werde ich mich noch stellen müssen. Etwas anderes macht mir aber größere Sorgen: Die psychische Abhängigkeit ist derzeit nur verschoben. In dieser Woche bin ich kurzfristig zu einem eiligen Termin beordert worden. Unterwegs fiel mir auf, dass ich das Pflaster vergessen hatte. Das war mir zwar vorher auch schon mal passiert, allerdings unbewusst und da völlig problemfrei. Dieses Mal litt ich den gesamten Termin über, die schlimmsten Entzugserscheinungen seit Tagen.

In der nächsten Woche möchte ich auf schwächere Pflaster umsteigen. Das Nikotin soll langsam aus meinem Körper "ausschleichen", wie das so schön heißt. Wann genau ich mit dem Pflaster aufhören werde, weiß ich noch nicht. Bis zu zwölf Wochen wie es der Hersteller empfiehlt, wollte ich mir nicht gönnen.

Übrigens: Der Bekannte, der mich anrief, raucht seit einiger Zeit wieder. Nicht viel, nur ein paar Zigaretten täglich. Glücklich ist er damit nicht. Aber er ist hart im Nehmen. Und bei seiner Willensstärke hat er sicher kein Problem, einfach wieder damit aufzuhören...


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