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Spitze der Saar-AfD lässt nach stern-Enthüllung Ämter ruhen

"Die AfD und die Neonazis" titelt der stern in seiner neuen Ausgabe. Es geht um die Parteichefs im Saarland und um die Rolle der Bundespartei. Die zieht nun Konsequenzen.

Von Wigbert Löer und Christian Schweppe

Josef Dörr, Chef der AfD im Saarland

Josef Dörr, Chef der AfD im Saarland, tat so, als habe er die Rechtsextremen bei einer AfD-Demo nicht verhindern können. Nun lässt er auf Druck des Bundesvorstandes sein Amt ruhen.

Recherchen des stern bei der Saar-AfD haben ein Echo in Landes- und Bundespolitik hervorgerufen, zuallererst aber innerhalb der eigenen Partei. In seiner neuen Ausgabe enthüllt der stern auf der Basis von Dokumenten Kontakte der AfD-Landesvorsitzenden Josef Dörr und Lutz Hecker zu Rechtsextremisten. Sowohl der Saarland-Chef der Partei als auch sein Stellvertreter haben sich vor einer AfD-Demonstration in Saarbrücken mit der Rechts-Aktivistin Ulrike Reinhardt aus Kaiserslautern ausgetauscht. Reinhardt ist unter anderem für die "Pfälzer Spaziergänge" verantwortlich, eine Plattform, die inzwischen auch vom Landesverfassungsschutz beobachtet wird.

Dörr und sein Vize Hecker schrieben etliche E-Mails und WhatsApp-Nachrichten an Reinhardt, die dann auch bei der AfD-Demo am 4. November 2015 erschien – mit allerlei Gleichgesinnten. Auch der Neonazi Sascha Wagner demonstrierte mit. AfD-Chef Dörr hatte in den Tagen zuvor auch mit Wagner gesprochen.

Aus den zahlreichen E-Mails, die dem stern vorliegen, geht zudem hervor, dass Ulrike Reinhardt sich persönlich mit Dörr in Kaiserslautern traf. Hecker wiederum kommunizierte an einem Tag bereits morgens kurz nach sechs Uhr mit Reinhardt, die in der Region Demos und Aufmärsche mitorganisiert.

Ein AfD-Vorstand: "Jetzt sind die beiden Herren aus dem Wind"

Bereits nach der Online-Vorabberichterstattung am Mittwoch erging aus dem Bundesvorstand die dringende Aufforderung, dass sowohl Josef Dörr als auch Lutz Hecker ihre Ämter ruhen lassen sollten. Das sagte der zuständige AfD-Bundesvorstand Dirk Driesang heute Nachmittag dem stern. Dörr und Hecker erklärten sich damit laut Driesang einverstanden. Driesang: "Jetzt sind die beiden Herren aus dem Wind."

E-Mail-Auszug Dörr Reinhardt

"Taten sprechen lassen": AfD-Landeschef Josef Dörr umgarnte die Rechtsextremistin Ulrike Reinhardt, wie diese E-Mail zeigt

Dem Bundesvorstand Driesang ist jedoch wichtig, dass die erste Reaktion nur aufgrund der Vorab-Berichterstattung zu sehen ist. Was in der Printausgabe des stern stehe, habe "nochmal eine andere Dimension", sagte Driesang. Vergangenen Freitag hatte Lutz Hecker dem stern noch gesagt, es habe nur ein Treffen mit der rechten Partei FBU und danach keinerlei Kontakt mit Rechtsextremisten gegeben. AfD-Bundesvorstand Dirk Driesang sagt nun: "Die beiden sind sicher nie davon ausgegangen, dass die WhatsApp-Nachrichten und die E-Mails bekannt würden."

Auf einer AfD-Veranstaltung am Mittwochabend in Saarbrücken wurde mit Blick auf den stern-Vorabbericht von "Lügenpresse" gesprochen. Dörr und Hecker waren auch vor Ort. Sie hätten die Sache aufklären können, verschwiegen ihren Parteifreunden ihre Kontakte nach Rechtsaußen jedoch.

FDP-Chef Lindner: "kein Unfall, sondern Plan"

Der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner sagte dem stern: "Die Verstrickungen der AfD in das rechtsextreme Milieu zeigen, dass extremistische Äußerungen und Hassreden in dieser Partei keine Unfälle, sondern Plan sind. Niemand, der diese Partei wählt, kann im Nachhinein sagen, er habe nicht gewusst, was er tut."

Auch in der saarländischen Landespolitik sind die stern-Recherchen Thema. "Die jüngsten Vorgänge zeigen, dass die AfD nicht für die bundesrepublikanischen Werte der freiheitlich-demokratischen Grundordnung steht, sondern mit mindestens einem Bein im braunen Sumpf", sagte der CDU-Landesgeneralsekretär Roland Theis. Markus Tressel, der Fraktionsgeschäftsführer der Grünen im Landtag, sprach von einem Versuch der AfD, einen Schulterschluss mit den Rechten hinzukriegen und dort Potential abzugreifen. "Man will Mitglieder aus dem rechten Spektrum anziehen und schreckt vor überhaupt nichts zurück." Die AfD sei im Saarland der "verlängerte politische Arm der Rechtsextremen".


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