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5. Mai 2011, 16:44 Uhr

"Wir machen es in einem Bus"

Die Terrorverdächtigen der Düsseldorfer Gruppe wurden von Scheich al-Mauretani gesteuert, dem "Außenminister" von al-Qaida. Von F. Gerstenberg, J. Gunst, O. Schröm und G. Elendt

Terrorismus, Düsselsorfer Zelle, stern-Investigativ, Osama bin Laden

Einer der drei Terrorverdächtigen (l) wird von Polizeibeamten aus einem Hubschrauber geführt© Marius Becker/DPA/LSW

Abdeladim el-Kebir hat einen Auftrag. Er soll töten.

Doch bis es so weit ist, darf er nicht auffallen.

Schon lange hat der 29-jährige Marokkaner keine Vorlesung mehr an der Uni Bochum besucht; er ist exmatrikuliert und lebt illegal in Deutschland. Nicht mal mehr zum Beten geht er in die Moschee. Nur in der Küche seines Komplizen fühlt er sich sicher.

Nur dort spricht er offen über seinen Plan: "Wir machen es in einer Bushaltestelle oder in einem Bus." Die BKA-Ermittler, die das Gespräch am Mittwoch vergangener Woche mithören, überwachen den Marokkaner und seine Freunde seit sechs Monaten. 65 Beamte sind im Einsatz, dazu 50 Observationskräfte.

Sie haben die Wohnung in Düsseldorf verwanzt, die Telefone angezapft und Spähsoftware auf den Computern installiert.

Die BKA-Beamten wissen daher, dass Kebir in letzter Zeit im Internet gezielt nach Chemikalien für eine Bombe suchte und nach Elektronikbauteilen, etwa eine Fernsteuerung von Modellflugzeugen.

Sie wissen auch, dass er erst kürzlich über ein islamistisches Internetforum Kontakt zu einem hochrangigen Al-Qaida-Führer in Afghanistan hatte. Und nun wissen sie also auch, dass sie keine Zeit verlieren sollten. Zwei Tage nach dem abgehörten Telefonat nehmen sie el-Kebir am vergangenen Freitag gegen 6.40 Uhr früh fest, ebenso zwei Komplizen, einen Deutsch-Marokkaner, 31, Elektriker, und einen Deutsch-Iraner, 19, Abiturient.

Deutschland seit 2010 im Visier

Nach Informationen des stern erhielt Kebir seinen Terrorauftrag von demselben Mann, der auch Rami Makanesi im Frühling 2010 instruiert hatte: Scheich Younis al-Mauretani. In der Dschihadisten-Hochburg Nordwaziristan, wo schon die sogenannte Sauerland-Gruppe ihren paramilitärischen Drill bekam, gilt der gertenschlanke Scheich als Scharia-Experte und "Außenminister" von al-Qaida.

Seit Anfang 2010 plant er Anschläge in Deutschland. Dafür hat er in den Terrorcamps Rekruten wie Kebir ausgebildet und den Segen von ganz oben. "Scheich Younis durfte seine neue Gruppe nur mit der Erlaubnis von bin Laden gründen. Dieser hat seine Zustimmung gegeben", sagte Makanesi nach seiner Auslieferung im August vor den deutschen Behörden aus. Der mittlerweile von US-Spezialkräften getötete Al-Qaida-Chef sei von den Plänen Younis' begeistert gewesen und habe das nötige Geld zur Verfügung gestellt.

Die Aussagen Makanesis über die Anschlagspläne von Scheich Younis stimmen überein mit den Angaben von Ahmad Sidiqi. Der Hamburger Islamist (stern Nr. 41/2010 "Mama, wir erobern Afghanistan") war im selben Zeitraum wie Makanesi und Kebir zur Terrorausbildung in Waziristan. Sidiqi wurde im Sommer 2010 von US-Kräften in Kabul verhaftet und kürzlich nach Deutschland ausgeliefert. Die Erkenntnisse des BKA decken sich mit Informationen von US-Behörden.

"Keine Entwarnung für Deutschland"

Die machten das BKA auf Kebir aufmerksam, der bis Spätherbst 2010 nicht im Visier der Deutschen war. Im November übermittelte das FBI Angaben "über eine beabsichtigte Einreise von mehreren Personen nach Deutschland und damit möglicherweise verbundenen Anschlagsplänen", so ein BKA-Lagebericht.

"Die Anschläge sollen nach bisheriger Erkenntnis mit Schusswaffen oder Sprengstoff begangen werden und sich gegen repräsentative Gebäude oder große Menschenmengen richten", sagte Vizegeneralbundesanwalt Rainer Griesbaum nach der Festnahme von Kebir. Außer dem Marokkaner sollen sich weitere Terroristen im Land aufhalten, ausgebildet und geschickt von Younis. BKA-Präsident Jörg Ziercke glaubt, dass neben dem verhafteten Terrortrio von Düsseldorf noch mindestens drei bis vier Personen dazu zählen.

"Keine Entwarnung für Deutschland", sagt Ziercke. "Wir müssen mit Anschlägen rechnen."

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 19/2011

F. Gerstenberg, J. Gunst, O. Schröm und G. Elendt
 
 
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