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8. Dezember 2011, 15:17 Uhr

Die NPD im braunen Gemenge

Militante Strategen, tumbe Mitläufer und Größen der NPD: Im Umfeld der Zwickauer Zelle trieben auch Parteifunktionäre ihr Unwesen. Von Christina Elmer

Zwickauer Zelle, Rechtsextremismus, Terror-Trio, Zschäpe, Böhnhardt, Mundlos, Holger G., Ralf Wohlleben, Andre Kapke, NPD, Neonazis

Ralf Wohlleben (l. mit Sonnebrille) und der damalige NPD-Parteichef Udo Voigt (Mitte) auf einer NPD-Demonstration in Jena 2007© Martin Schutt/DPA

Beinahe täglich werden neue Kontakte des Terror-Trios in die rechte Szene bekannt. Einige sollen dem Trio mit Waffen oder Ausweisen geholfen, Wohnungen für sie angemietet haben. Wie Holger G. und Ralf Wohlleben, beide wurden festgenommen. Andere Verbindungen sind schwerer zu fassen, wie beim Altenburger NPD-Mitglied Thomas G. Nun wurde bekannt, dass er offenbar auch zum Netzwerk rund um die Terrorzelle gehörte.

Helfernetz des Terrortrios

In mehreren Internet-Foren benutzte Thomas G. schon 2005 den Tarnnamen von Beate Zschäpe ("Mandy Struck") als Passwort. Wie viel wusste er über die Untergetauchten? In der Neonazi-Szene jedenfalls ist der Thüringer bestens vernetzt - auch im Helfernetz des Trios.

Mit Ralf Wohlleben organisierte Thomas G. bis 2009 die Rechtsrock-Veranstaltung "Fest der Völker". Über ihn schreibt Thomas G. 2005 in einer persönlichen Nachricht: "Wir arbeiten eng gut zusammen und sehen uns oft". Im offenen Forum schwadroniert er zu dieser Zeit im szenetypischen Jargon über seine nationalistische Gesinnung.

Anwältin stammt aus der Szene

Mehrere solcher Neonazi-Foren wurden von Computer-Aktivisten gehackt und zugänglich gemacht. Tausende Einträge und persönliche Mitteilungen zeigen, wie die rechte Szene tickt, wenn sie sich unbeobachtet wähnt. Auch die jüngst engagierte Anwältin von Ralf Wohlleben ist dort aktiv.

Nicole S. stammt ebenfalls aus dem Jenaer Umfeld des Trios, heute arbeitet sie in einer NPD-nahen Kanzlei in Rastatt. Im Internetforum der "Freien Kameradschaften Rhein-Neckar" ist sie für juristische Ratschläge bekannt, etwa zum Versammlungsrecht. Auch privat steht Nicole S. der Szene nahe. In dem Neonazi-Forum veröffentlicht sie 2005 sogar die Einladung zu ihrer Hochzeit.

NPD-Kontakte und Waffenlager

Bezüge zur NPD finden sich an immer mehr Knotenpunkten im Terrornetzwerk. Da ist Thorsten Heise, der bis vor kurzem zum Bundesvorstand der NPD gehörte. Er soll in Kontakt zum Trio gestanden haben, wie die damaligen NPD-Mitglieder Thomas G. und André Kapke. Auch Wohlleben war viele Jahre in der Partei.

Wie Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe verfügen viele Neonazis nicht nur über eine rechte Gesinnung, sondern auch über Waffen. Beispiel Sachsen. Dort besitzen Rechtsextreme mehr als 150 Schusswaffen, wie eine Kleine Anfrage der Landtagsabgeordneten Kerstin Köditz (Die Linke) im November offenlegte. Auch sächsische NPD-Aktivisten haben offenbar Zugang zu Kurz- und Langwaffen. Das zeigen kürzlich gehackte E-Mails.

Noch Ende Oktober wurde vor dem Amtsgericht Neuburg ein Neonazi wegen Waffenbesitzes zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt. In seinem Haus fanden Ermittler zwei Pistolen, einen Haufen Munition und NPD-Plakate. Eine der Waffen war eine halbautomatische Ceska. Das gleiche Modell wie die Tatwaffe der Mordserie an Kleinunternehmern.

Mut gegen rechte Gewalt

Mut gegen rechte Gewalt Seit über elf Jahren unterstützt die stern-Kampagne "Mut gegen rechte Gewalt" Initiativen, die sich den Problemen mit Rechtsextremismus stellen. Gemeinsam mit der Berliner Amadeu Antonio Stiftung hilft sie Opfern rechter Gewalt und fördert das Neonazi- Aussteigerprojekt "Exit". Es werden weiter dringend Spenden gebraucht, um Menschen und Initiativen zu helfen, die sich gegen die alltägliche rechte Gewalt engagieren und den Opfern zur Seite stehen.
Spenden an:
Amadeu Antonio Stiftung
Stichwort: Mut gegen rechte Gewalt
Deutsche Bank Bensheim
BLZ: 509 700 04
Kto.: 030 331 329
Mehr Informationen: Mut gegen rechte Gewalt

Von Christina Elmer
 
 
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