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22. Dezember 2008, 10:36 Uhr

Mit Liebeskummer zum Bestseller

Der Seelenstrip im Internet brachte Erfolg: Unter dem Titel "Anleitung zum Entlieben" schrieb sich die Hamburger Werbetexterin Conni Lubek den Liebeskummer von der Seele. 300.000 Internet-User lasen mit. Dann biss sogar noch ein Verlag an. Wie man aus Schmerz einen Bestseller macht. Von Anke Schubert

Seelenstrip, Liebeskummer, Anleitung zum Entlieben

Vom Weblog zum Bestseller: Erfolgsautorin Conni Lubek gelang mit "Anleitung zum Entlieben" ein Coup© Conni Lubek

Manchmal lohnt sich Liebeskummer eben doch: 60.000 verkaufte Exemplare, Einnahmen aus Auslands- und Filmlizenzen, Vertrag für ein Hörbuch, über Merchandising-Produkte wird verhandelt - so liest sich die bisherige Bilanz von Conni Lubek. Mitte dieses Jahres hatte die Autorin ihren Erstlingsroman "Anleitung zum Entlieben" veröffentlicht und damit quasi aus dem Stand einen Bestseller hingelegt. Entlieben, ein Wort, das bei den Lesern offenbar zog. Entlieben, eine Mission, die Conni Lubek überhaupt erst dazu brachte, Autorin zu werden.

"Liebeskummer, das ist doch ein schönes, ergiebiges Thema!"

"Ich wollte eigentlich schon immer schreiben", erzählt die Hamburger Werbetexterin und studierte Psychologin. "Als mein Freund mich verlassen hat, wusste ich endlich auch, worüber. Ich saß da, heulte Rotz und Wasser und dachte: Liebeskummer, das ist doch ein schönes, ergiebiges Thema! Ich beschloss, darüber im Internet zu schreiben." Und so stellte Conni Lubek unter dem Pseudonym Lapared am 12. Juni 2005 ihren ersten Blog-Eintrag ins Netz: "Gestern Abend sind wir von unserem ersten gemeinsamen Urlaub zurückgekehrt. Wir, das sind 119 und ich. 119 ist ein Mann, und um Spekulationen vorzubeugen, nein, er ist nicht mein hundertneunzehnter. [...] Die Grundkonstellation unserer Beziehung ist schnell erzählt: Ich liebe ihn, und er liebt mich nicht. [...] Ich habe gekämpft. Ich habe mir den Arsch abgearbeitet. Ich habe mich geweigert, zu akzeptieren, dass sein Nichtverliebtsein endgültig ist, fast zwei Jahre lang. Aber seit ein paar Wochen ist es damit vorbei, ich bin zu erschöpft, alles tut weh, und ich fühle, dass es Zeit ist, mich zu entlieben."

So fängt er also an, Conni Lubeks Entschluss, ihre aussichtslose Beziehung zu beenden. Es folgen Einträge, die sich über Wochen und Monate ziehen. Die Autorin berichtet über Fortschritte, Rückschläge, Verzweiflungstaten und Alkoholbedingte Aussetzer, die eigentlich jeder, der schon einmal unglücklich verliebt war, nur zu gut kennt. Dabei erzählt die Autorin mit einem Witz und einer Lakonik, die neben all der Traurigkeit, die in dieser Geschichte steckt, immer wieder für brüllendes Gelächter sorgen. Stets mit von der Partie bei ihrem Entliebungsversuch: "Curd Rock", eine im Internet mittlerweile zum Kult anvancierte Stoffpuppe, die die Geschichte aus ihrer Sicht kommentiert und mit kleinen Fotostories von sich selbst optisch auflockert.

Seelenstrip, Liebeskummer, Anleitung zum Entlieben

Kult-Stofftier "Curd Rock" kommentiert Lubeks Geschichte aus seiner Sicht© Conni Lubek

Trübe Gedanken zu Papier bringen

Schreiben als Therapie? Für sich selbst und für andere gleich mit? Conni Lubek lacht. "Man macht ja unglaublich viel Mist, wenn man Liebeskummer hat. Es tut einfach gut, sich das von der Seele zu schreiben. Und anderen tut es gut, das zu lesen. Man weiß einfach, dass man nicht allein so bekloppt ist. Ja klar, das hilft." Also sollten wir alle schreiben, wenn wir Herzschmerz haben? Die trüben Gedanken zu Papier bringen, wieder und wieder, sich dabei zur Not auch in Endlosschleifen drehen, heute das eine finden, morgen das komplette Gegenteil für wahr halten und rückblickend, mit etwas Abstand, die eigenen Gefühle überprüfen können - in jedem Liebeskummer-Guide wird zum guten alten Tagebuch geraten. "Nee, Tagebuch hilft nicht!", winkt Conni Lubek ab. "Ich hab bewusst für andere geschrieben, dadurch bekommt man Abstand zu sich selbst. Im Tagebuch hätte ich mich im Selbstmitleid gesuhlt, im Blog wollte ich unterhalten."

Irgendwann meldete sich der Ullstein-Verlag

Das ist Conni Lubek offensichtlich gut gelungen. Immer mehr Besucher loggten sich ein, um sich von Lapareds Geschichte täglich unterhalten zu lassen. Und obwohl die Autorin alles tat, um ihre Anonymität zu wahren, tauchte natürlich immer wieder die Frage nach dem Wahrheitsgehalt der Ereignisse auf. "Nein, es ist nicht alles genau so passiert", erklärt die Autorin. "Man kann bei einem Blog schließlich nie ganz sicher sein, dass es anonym bleibt. Ich habe die Wahrheit immer gut im Erfundenen versteckt, sodass dann niemand verletzt ist."

Mit Conni Lubeks Anonymität war es dann tatsächlich ziemlich schnell vorbei. Denn irgendwann meldete sich der Ullstein-Verlag und bot ihr gleich einen Zwei-Buch-Vertrag an. Damit musste sie ihre Deckung verlassen - und sich daran versuchen, aus einem täglichen Blog einen Roman zu machen. "Ein Akt", sagt Conni Lubek "und natürlich ein Riesentraum, der sich erfüllt hat! Nur zu Therapie habe ich das Blog ja doch nicht geschrieben, die leise Hoffnung, dass daraus mal ein Buch wird, war schon da ..."

Im Juni diesen Jahres ist Conni Lubeks "Anleitung zum Entlieben" nun erschienen. Die komische Leidensgeschichte wurde zu einer Erfolgsstory, bald sehen wir sie vielleicht sogar im Kino. Es stimmt also tatsächlich: Liebeskummer lohnt sich eben manchmal doch. Oder? Conni Lubek schüttelt den Kopf. "Für kein Geld der Welt möchte ich das noch einmal durchmachen. Ich glaube, da lohnt sich Liebe in jedem Fall mehr." An der Fortsetzung für den zweiten Roman schreibt die Autorin übrigens auch schon. Wie das Buch heißen wird? Entlieben für Fortgeschrittene.

Literatur

Literatur Conni Lubek: "Anleitung zum Entlieben", Ullstein, 8,95 Euro

Das Weblog ist hier zu finden

Von Anke Schubert
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
Sanjoaquin (22.12.2008, 16:27 Uhr)
Brav korrigiert
Dankeschön.
Sanjoaquin (22.12.2008, 11:59 Uhr)
So, so
ein Verlag biss ein. Wo biss er denn hinein, ins Gras etwa, was irgendwann einmal jeder Verlag tun wird, der immer mehr journalisitische Leihkräfte beschäftigt, die Schwierigkeiten mit der Sprache haben. Gruss vom schiefen Turm.
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