- 4 von 5 Punkten
- Spannender und bewegender Thriller aus der Schweiz
Worum geht’s in diesem „Tatort“?
Eine Pizzalieferung in Zürich zu später Stunde, eigentlich Routine für die Fahrradkurierin Moya Alemu (Nambitha Ben-Mazwi). Dabei beobachtet sie jedoch zwei Vermummte beim Abtransport einer Leiche und entkommt den Tätern nur knapp. Zur Polizei gehen – das kann Moya als illegale Migrantin nicht. Sie jobbt unter dem Namen einer Freundin, die sie und ihren Jungen Yaro (André Nkot Olinga) heimlich bei sich wohnen lässt.
Als am nächsten Tag die Leiche des Callboys Ruben (Yves Weckemann) am Limmatufer gefunden wird, erkennt Moya das Opfer. Während die Zeugin um ihr Leben fürchtet, übernehmen die Ermittlerinnen Tessa Ott (Carol Schuler) und Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher) den Fall. Zu ihrem Team stößt neu Justus Reynier (Basil Eidenbenz), den Noah Löwenherz (Aaron Arens) als Vertretung für sein Sabbatical einarbeitet. Eine erste Spur führt zu einem „Sugardaddy“ von Ruben: dem angesehenen Richter Urs Jacobi (Stefan Merki). Doch schnell überschlagen sich die Ereignisse und es gibt ein weiteres Mordopfer.
Warum lohnt sich der Fall „Könige der Nacht“?
Dieser „Tatort“ wird zum Thriller und bietet Spannung bis zum Schluss: Das liegt vor allem an der Regie von Claudio Fäh, einem Schweizer Hollywood-Export, der auf Actionfilme spezialisiert ist. Diesen Hintergrund merkt man dem Film spätestens bei einer grandiosen Verfolgungsszene zwischen Grandjean und einem Verdächtigen an – packend inszeniert, ohne Angst vor blutigen Tatsachen.
Der Film kann sein Tempo halten, auch dank eines besonders großen Twists am Ende. Schön auch, dass der moralische Aspekt der Migrationsgeschichte gekonnt in die Handlung fließt und so fast nebenbei seine emotionale Wirkung entfaltet.
Was stört?
Man muss schon ein Auge zudrücken, um das Ganze für plausibel zu halten, so sehr häufen sich beim Ermitteln die Zufälle und Ungereimtheiten. Auch beim Motiv setzen die Macher am Ende nicht auf Glaubwürdigkeit, sondern auf Hollywood-Effekt. Trotzdem lohnt es, sich auf den Krimi einzulassen. Optik, Tempo und Spannung machen die Löcher in der Handlung wett.
Die Kommissarinnen?
Grandjean und Ott sind auch in ihrem mittlerweile elften Fall ein cooles und charismatisches Team, das mit Humor und vollem Einsatz ermittelt. „Außendienst wär wirklich gar nichts für mich“, kommentiert Datenspezialist Löwenherz trocken, als er Grandjeans blutige Verletzungen vom Kampf sieht. Die gibt sich tough und provoziert den Verdächtigen auch im Verhör – obwohl ihr die Gewalt sichtlich zusetzt. Ihre Kollegin Ott hat derweil ein moralisches Dilemma: Sie hat der Zeugin Moya ein Versprechen gegeben, das sie nicht halten kann, nur, damit diese aussagt. So wird sie schmerzhaft mit der Grausamkeit der Asylpolitik konfrontiert – und der eigenen Hilflosigkeit.
Ein- oder ausschalten?
Einschalten, nicht nur, weil der Krimi hervorragend ist, sondern weil es auch der (frühe) Abschied in die „Tatort“-Sommerpause wird: Neue Folgen strahlt die ARD dann erst wieder im September aus.
„Tatort: Könige der Nacht“ läuft am Sonntag, 3. Mai, 20:15 Uhr in der ARD