Kult-Krimi
Was aus ehemaligen „Tatort“-Kommissaren wurde

Die beiden Ex-Tatort-Darsteller Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec
Machten nach 100 Folgen mit dem „Tatort“ Schluss: Miroslav Nemec (alias Hauptkommissar Ivo Batic, l.) und Udo Wachtveitl (alias Hauptkommissar Franz Leitmayr)
© Hein Hartmann / Imago Images
Gibt es ein (Berufs-)Leben nach dem „Tatort“? Die Karrieren von einstigen Stars der Krimiserie verliefen nach ihrem Abschied höchst unterschiedlich.

Am Osterwochenende machten sie Schluss: Nach 100 Folgen stiegen Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec alias Hauptkommissar Franz Leitmayr und Hauptkommissar Ivo Batic aus dem München-„Tatort“ aus. Beide Darsteller sind auch schon offiziell im Rentenalter: Wachtveitl wurde im vergangenen Oktober 67, Nemec ist 71. Ganz zur Ruhe setzen wollen sie sich nicht. In Interviews erklärten beide, gelegentlich noch weiter auftreten zu wollen – auch gemeinsam.

Der Ausstieg aus der Kultserie ist oft ein großer Einschnitt in den Karrieren der Schauspieler. Mit rund acht Millionen Zuschauern durchschnittlich und einem Marktanteil von knapp 30 Prozent ist das Format weiterhin eines der erfolgreichsten des deutschen Fernsehens. Für die Darsteller bedeutet dies: viel Aufmerksamkeit und Ruhm, aber auch eine sehr starke Festlegung auf die Rolle.

Dieser „Tatort“-Star wechselte in die Politik

Für einige Schauspieler war Letzteres der Hauptgrund, um den „Tatort“ wieder zu verlassen. Andere wurden herausgeschrieben. Doch was wurde aus den Ex-„Tatort“-Stars?

Nicht alle konnten (oder wollten) an den Serienruhm anknüpfen. Peter Sodann (gestorben 2024), der von 1992 bis 2007 als Kommissar Bruno Ehrlicher im Leipziger „Tatort“ im Einsatz war, zog sich nach seinem Ausstieg weitgehend aus dem Filmgeschäft zurück, engagierte sich dafür politisch. 2009 ließ er sich von der Linken als Bundespräsidentschaftskandidat aufstellen, verlor aber klar gegen den erneut kandidierenden Amtsinhaber Horst Köhler.

Peter Sodann und Bernd Michael Lade
Ermittelten gemeinsam in Leipzig: Peter Sodann und Bernd Michael Lade
© Imago Images

Bernd Michael Lade, der als Hauptkommissar Kain an der Seite von Sodann ermittelte, war anschließend noch in zahlreichen weiteren Serien und Filmen zu sehen, aber nicht mehr in einer so prägenden Hauptrolle. 

Auch der Ludwigshafener „Tatort“-Darsteller Andreas Hoppe stand nach dem Abschied weniger in der Öffentlichkeit. Hoppe lebt inzwischen auf dem Land, gibt Lesungen aus einem Buch über nachhaltige Ernährung und setzt sich für den Schutz von Wildtieren ein.

Für die Berliner „Tatort“-Darsteller Dominic Raacke und Boris Aljinovic kam der Abschied ungewollt: Der zuständige Sender RBB entschied 2013, mit einem neuen Team weitermachen zu wollen. Raacke beendete seinen „Tatort“-Einsatz umgehend und arbeitete anschließend intensiv als Hörspiel- und Synchron-Sprecher; er war unter anderem die Stimme von Haudrauf dem Stoischen in „Drachenzähmen leicht gemacht“, die im Original von Gerard Butler gesprochen wird.  

Dominic Raacke und Boris Aljinovic
Wurden Opfer der Programmplanung: die beiden Berliner „Tatort“-Darsteller Dominic Raacke (l.) und Boris Aljinovic
© Frederic Kern / Imago Images

Aljinovic drehte noch zwei Folgen und ist inzwischen in der Kleinkunstszene sehr präsent, mit Lesungen, Show- und Theaterauftritten.  

Joachim Król machte selbst Schluss, und das nicht zum ersten Mal: Erst beendete er sein Engagement als Kommissar Brunetti in der Krimiserie „Donna Leon“, dann stieg er nach nur sieben Fällen als Frankfurter „Tatort“-Kommissar Frank Steier wieder aus. Von Serien wollte Król indes nicht lassen: Der mehrfach ausgezeichnete Schauspieler ist inzwischen in der Erfolgsreihe „Endlich Witwer“ zu sehen. 

Joachim Krol und Nina Kunzendorf
Gaben beim Frankfurter „Tatort“ nur ein kurzes Intermezzo: Joachim Król und Nina Kunzendorf
© imago stock&people

Seine „Tatort“-Partnerin Nina Kunzendorf hatte das Frankfurter Format bereits nach fünf Folgen verlassen, war danach viel in Theaterproduktionen und bei Lesungen zu sehen. 2025 spielte sie in der Miniserie „Spuren“ eine Hauptrolle. Anfang des Jahres hatte sie eine Gastrolle im Dresdner „Tatort: Nachtschatten“.

Eine besondere Rückkehr

Eine andere Form von Rückkehr wählte Anna Schudt, die sich als Dortmunder „Tatort“-Kommissarin Martina Bönisch ebenfalls auf eigenen Wunsch aus der Serie schreiben ließ und bei ihrem letzten Auftritt 2022 dramatisch in den Armen des traumatisierten Kollegen Peter Faber (Jörg Hartmann) starb. Mit Hartmann blieb Schudt aber auch beruflich verbunden: Beide standen in den Theaterstücken „Love Letters“ und „Changes“ gemeinsam auf der Bühne.

Ein nahtloser Übergang von einer Erfolgsserie zur nächsten gelang Sebastian Bezzel, der im Konstanzer „Tatort“ von 2004 bis 2016 an der Seite von Eva Mattes den Hauptkommissar Kai Perlmann spielte. Seit 2013 ist er außerdem als Provinzpolizist Franz Eberhofer in der gleichnamigen Krimiserie nach den Romanen von Rita Falk zu sehen. Ex-Co-Ermittlerin Eva Mattes ist im Fernsehen nur noch sehr selten präsent, ihr Publikum findet sie bei Liederabenden und Lesungen. 

Sebastian Bezzel und Eva Mattes
Ermittelten gemeinsam am Bodensee: Sebastian Bezzel und Eva Mattes
© Imago Images

Die außergewöhnlichste Karriere

Von allen „Tatort“-Karriere-Geschichten ragt eine besonders heraus: die von Götz George. Der Sohn zweier Schauspieler verschreckte als Duisburger „Tatort“-Kommissar Horst Schimanski mit Feldjacke, Schnauzbart, derben Sprüchen und lockerer Faust zunächst das TV-Publikum – prägte die Serie aber nachhaltig. In 43 Fällen ermittelte er, darunter auch zwei erfolgreiche Kinofilme. Als er 1991 ausstieg, war er 53 Jahre alt. Was dann folgte, war eine atemberaubende Spätkarriere. Ob in „Rossini“, „Der Schattenmann“, als Thomas Manns Vater in „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“ oder im Historien-Drama „Die geliebten Schwestern“ – George war in Serien, Sendungen und Filmen als vielseitiger Charakterdarsteller präsent wie kaum ein anderer. Von 1997 bis 2007 übernahm er im „Tatort“-Spin-off erneut seine Kult-Ermittlerrolle.

Götz George
Der Archetyp des „Tatort“-Ermittlers: Götz George alias Horst Schimanski
© United Archives/Impress / Imago Images

Sein eindrucksvollster Auftritt war aber ein anderer: In dem Dokudrama „George“ von 2013 spielte George seinen eigenen Vater, den Schauspieler Heinrich George, der wegen seiner Popularität im Nationalsozialismus später umstritten war und der 1946 in einem von den Sowjets betriebenen Kriegsgefangenenlager starb. Es war die Rolle seines Lebens, noch mehr als Horst Schimanski.