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21. September 2011, 22:10 Uhr

Julian Assange schmeckt seine eigene Medizin

Julian Assange fällt einem sehr persönlichen "wir werden veröffentlichen" zum Opfer. Assange hatte seine Autobiografie zunächst an einen britischen Verlag verkauft, stieg aber später trotz Zahlung des Honorars aus dem Vertrag aus. Die Verlagsleute rächen sich jetzt auf eine Weise, die dem Wikileaks-Gründer bekannt vorkommen dürfte. Von Sophie Albers

Julian Assange, Biografie, Canongate, unautorisierte, Ellingham Hall, Wikileaks, Verlag, Autobiografie

Eine Veröffentlichung, die Julian Assange so gar nicht passt: seine unautorisierte Autobiografie© Canongate

Mit der Julian Assange eigenen Bescheidenheit hatte der Wikileaks-Gründer im Dezember 2010 seine Autobiografie verkauft und im Januar verkündet, dass er hoffe, "dass dieses Buch das eine, vereinende Dokument unserer Generation wird." Es solle ein "ungemein persönliches Werk" werden, "in dem ich unseren globalen Kampf für eine neue Beziehung zwischen den Bürgern und den Regierungen erkläre".

Das britische Verlagshaus Canongate Books hatte die Geschichte des weltweit gefragten Mannes für sich gesichert und die Rechte auch gleich an 38 weitere internationale Verleger verkaufen können - von Deutschland bis Brasilien. Ein Volltreffer. Dachte Canongate Books jedenfalls und überwies Assange eine nicht genannte, aber angeblich sehr hohe Summe Geld.

"Alle Memoiren sind Prostitution"

Dann jedoch änderte Assange im April plötzlich seine Meinung. Nach - laut Verlag - mehr als 50 aufgezeichneten Interviewstunden mit einem von Assange abgenickten Autor, zig durchwachten Nächten in Ellingham Hall in Norfolk, wo Assange auf eine Entscheidung über seine Auslieferung nach Schweden wegen Vergewaltigungsvorwürfen wartet, einer ersten Fassung und Assanges Worten "Alle Memoiren sind Prostitution" wollte der 40-Jährige aus seinem Vertrag aussteigen. Allerdings ohne das Honorar zurückzuzahlen. Mit dem hatte er schon teilweise seine Anwaltskosten beglichen.

Einen derart dicken Fisch entwischen zu lassen, kam für Canongate Books offensichtlich nicht in Frage. Man wolle den Vertrag erfüllen und deshalb veröffentlichen, meldete das Verlagshaus am Mittwoch. Die unautorisierte Fassung. Und zwar am 22. September. Wenn der Vorschuss durch die erwarteten Verkäufe eingebracht sei, werde man Assange die anfallenden Tantiemen natürlich zukommen lassen, heißt es in dem Statement.

Eigene Medizin

Auf der Website von Wikileaks ist zu dem Thema nichts zu finden, und auch Sprecher Kristinn Hrafnsson war bisher nicht zu erreichen.

Auf der britischen Amazon-Seite wurde der Preis für "Julian Assange: The Unauthorized Autobiogaphy" bereits vor Verkaufsstart von 20 Pfund auf 11,49 Pfund gesenkt.

Von Sophie Albers
 
 
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