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3. September 2008, 17:40 Uhr

Der Sex liegt in der Stimme

Nicht nur ihr perfekter Körper und die verführerischen Lippen machen Angelina Jolie so anziehend. Wenn Claudia Urbschat-Mingues im neuen Actionthriller "Wanted" wieder Angelina Jolie spricht ist klar: Auch die Stimme bringt die entscheidenden Punkte. Von Judith Lövenich

Kommt dank der Stimme schon mal auf VIP-Listen: Jolies Synchronsprecherin Claudia Urbschat-Mingues.© Sean Gallup/Getty Images

Es ist einer der Momente, in denen die Augen einen zu trügen scheinen. Die Frau mit den langen brünetten Haaren hat man noch nie vorher gesehen - und doch wirkt sie vertraut, sobald sie spricht. Es ist dieses Gefühl, das einen auch manchmal bei einer neuen US-Serie beschleicht: "Irgendwoher kenne ich die Stimme." Die Frau mit den brünetten Haaren heißt Claudia Urbschat-Mingues, und wenn der Name nicht weiterhilft, dann doch der Hinweis, dass sie die deutsche Stimme von Angelina Jolie hat. Oder vielmehr: Angelina Jolie hat die Stimme von Claudia Urbschat-Mingues.

Wenn Angelina Jolie in ihrem neuen Film "Wanted" endlich wieder ordentlich durch die Gegend ballert, dann ist auch Claudia Urbschat-Mingues wieder mit dabei. Jolie wird als atemberaubende Killerin namens Fox den niedlichen Wesley Gibson (James McAvoy) in die Geheimnisse eines Profikillers einweihen. Sie wird im sexy Abendkleid auf Motorhauben springen und nebenbei treffsicher genau die Richtigen erschießen. Und mit Jolies Lippen wird Claudia Urbschat-Mingues dem armen Wesley schonungslos, aber mit ruhiger tiefer Stimme erklären: "Dein Vater war einer der größten Killer, die je gelebt haben." Und dann wird sie im gleichen Tonfall fortfahren, nach nur dem kleinsten Atemhauch einer Pause: "Und der andere - steht hinter dir." Sie ist es, die Angelina Jolie in der deutschen Version von "Wanted" so cool und gleichzeitig so aufregend sprechen lässt.

In einem Stummfilm nicht so sexy

Wenn sie nicht gerade hinter dem Körper der begehrtesten Frau Hollywoods verschwindet, ist Claudia Urbschat-Mingues etwas kleiner als Jolie. Ihre blauen Augen sind ein bisschen wärmer, der Mund ist weniger füllig, und darunter liegt ein energischeres Kinn. Sie lacht, wenn sie gefragt wird, wie sie es schaffe, so sexy zu klingen. Und dabei sieht sie so nett und harmlos aus, ganz anders als die berühmte Vamp-Frau. Solange, bis sie spricht. Denn dann ist Jolie in ihr manchmal so präsent, dass selbst ein Türsteher in einem Berliner Club sie gleich auf die VIP-Liste setzte. "Das ist wirklich passiert", erzählt sie lachend. "Natürlich hat er mich nicht für sie gehalten. Aber er meinte, 'Du sprichst ja schon wie Angelina Jolie' - und ließ mich rein."

Stimmlage: lieblich-fein bis mittelkräftig markant

Die Stimme beeinflusst angeblich zu mehr als einem Drittel, wie eine Person von anderen beurteilt wird. Stimmungen - die nicht ohne Grund so heißen - Gefühle oder Ängste schlagen sich direkt in der Stimme nieder. "In einem Stummfilm wäre Angelina Jolie nicht so sexy", sagt Urbschat-Mingues. "Die Stimme, das ist das direkte Gefühl." Und sie hat eben die Stimme, die Jolies direktes Gefühl ausdrückt.

Ein Blick in ihre Sprecherkartei klassifiziert diese Stimme wie folgt: "Sehr variabel, lieblich-fein bis mittelkräftig-markant, zwischen 25 bis 40 einsetzbar". Allerdings kann Claudia Urbschat-Mingues damit nicht allzuviel anfangen: "Ich gebe nicht einfach meine Stimme ab. Ich muss die Gefühle der Schauspielerin nacherleben", sagt sie. "Und das fällt mir bei Angelina Jolie sehr leicht."

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