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29. Januar 2009, 13:03 Uhr

Die Leiden des alten Brad Pitt

Jeden Tag jünger, fitter und begehrenswerter werden - ein Traum! Ausgerechnet Brad Pitt, der ohnehin schon hübscher ist als die meisten Menschen, darf in seinem neuen Film das erleben. "Der seltsame Fall des Benjamin Button" könnte ihm seinen ersten Oscar einbringen - hat er ihn verdient? Von Anja Lösel

Einmal zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Brad Pitt und Cate Blanchett in "Der seltsame Fall des Benjamin Button"© Warner Bros. Ent./DDP

Das Leben würde unendlich viel glücklicher verlaufen, wenn wir mit 80 geboren würden und uns langsam auf 18 zu bewegten", hat Mark Twain mal behauptet. Nun ja, "Der seltsame Fall des Benjamin Button" spielt die Idee durch, und zwar bis zum bitteren Ende. Und plötzlich hat man das Gefühl, dass es gar nicht so super ist mit dem Jüngerwerden.

Benjamin Button lebt sein Leben rückwärts. Bei der Geburt sieht er so alt und verschrumpelt aus, dass sein erschreckter Vater ihn für eine Missgeburt hält und auf den Stufen eines Altersheimes aussetzt. Dort findet ihn Tizzy, die gute Seele des Hauses. Inmitten der Alten wächst Benjamin auf - ein verknitterter Greis mit dem Geist eines Kindes.

Ein siebenjähriger Lustgreis

Natürlich verliebt Benjamin sich in das einzige junge Mädchen weit und breit: Daisy, die Enkelin einer der Damen aus dem Altersheim. Natürlich spüren Daisy und Benjamin eine Seeelenverwandtschaft. Und natürlich gerät Benjamin in Verdacht, ein Lustgreis zu sein, weil er sich an die Siebenjährige ranmacht. Dabei ist er doch selbst erst sieben und muss erst leben und lieben lernen.

Also begibt er sich auf Wanderschaft, macht Bekanntschaft mit Alkohol, Sex, Krieg und sonstigen Widrigkeiten des Lebens. Daisy (Cate Blanchett) bleibt seine große Liebe. Daran kann auch die wunderbare Tilda Swinton nichts ändern, die Benjamin in einer viel zu kurzen Sequenz als geheimnisvoll-schöne Diplomatenfrau in die Geheimnisse des raffinierten Flirts einweihen darf.

Trotz Liebe und Herzschmerz bleibt mit Daisy alles schwierig. Weil Benjamin immer jünger und sie immer älter wird, finden sie nur für kurze Zeit zusammen. Mal ist er zu alt für das kleine Mädchen mit den hübschen roten Haaren. Dann wieder zu jung für die reife Dame Daisy. Trotzdem begleiten sie einander durchs Leben, er entwickelt sich zurück zum Twen und zum Teen, bis er am Ende als Baby in ihren Armen stirbt.

150 Millionen Dollar für die Maske

Das klingt schmalzig und ist es auch. Fast drei Stunden schwelgt man in altmodisch bräunlich eingefärbten Bildern vom immer hübscher werdenden Brad Pitt, der in dieser Rolle für den Oscar als bester Schauspieler nominiert wurde. Und mehr und mehr reift der Verdacht, dass Regisseur David Fincher den Streifen nur machte, weil Hollywood hier endlich mal alle Tricks und Finten der Maskenbildner und sämtliche möglichen Computeranimationen und technischen Raffinessen zeigen kann (Kosten: 150 Millionen Dollar). Dementsprechend ist der Film Oscar-Kandidat für Ausstattung, Maske sowie Make up, insgesamt ist das Werk 13 Mal nominiert.

Keine Nominierung hat allerdings die makellos schöne Cate Blanchett bekommen, die in eine schrumpelige Alte auf dem Totenbett verwandelt wird. Mädchenschwarm Brad Pitt zittert als Knittergreis im Rollstuhl, nur um 70 Filmjahre später als knackiger Segler mit nacktem Oberkörper dem Sonnenuntergang entgegen zu fahren. Hübsch muskulös, braungebrannt und appetitlich wie damals, als er in "Thelma und Louise" Scharen von Frauen mit seinem Waschbrettbauch verzückte. Später können wir ihn sogar ganz kindlich-süß als Zehnjährigen bewundern - alles Dank Tricks und Schminkkunst. 24 Silikon-Masken wurden für Pitt geformt, jede kostete rund 15.000 Euro. Mit feinsten Pinselchen wurden Adern, Hautunreinheiten, Haare und Altersflecken aufgetragen, bis alles lebensecht aussah. Fünf Stunden dauerte das Auftragen der Maske, zwei Stunden das Abschminken. Tortour und höllische Arbeit. Das mag ein Fest für Brad-Pitt- Fans sein. Aber was machen die anderen? "Reifeprüfung" und "Forrest Gump" Im besten Fall vergessen sie irgendwann, dass dieses penetrante Jüngerwerden eine ziemlich unwahrscheinliche und märchenhafte Sache ist, und leiden mit dem armen Brad-Benjamin und der süßen Cate-Daisy, wie sie den rechten Augenblick für ihre Liebe suchen - und doch wissen, dass alles ein böses Ende nehmen muss. Genießen die hübsche Anspielung auf den Film "Reifeprüfung". Und sehen hinweg über die lächerlich vielen Parallelen zu "Forrest Gump", obwohl sich darüber schon einige Parodien im Internet lustig machen. Immerhin ist die Geschichte von "Benjamin Button" romantisch, rührend und manchmal sogar zum Weinen schön. Ein Märchen über Altern und Vergänglichkeit, über den Verlauf der Zeit und über den Tod. Und im schlimmsten Fall? Ist man genervt von einer vorhersehbaren Story, einem selbstverliebten Schauspieler und einem viel zu langen Film. Ob Brad Pitt dafür einen Oscar bekommen wird? Eher nicht. Er ist doch immer nur Brad Pitt, niemand anderes. Ganz hübsch und ein bisschen langweilig.

Von Anja Lösel
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
Silbador (29.01.2009, 19:43 Uhr)
Brad Pitt
hätte den Oscar schon für "12 Monkeys" bekommen müssen.
Er ist, das muss ich als Mann (hetero) nicht ganz neidlos anerkennen, neben seines Aussehens auch noch ein exzellenter Schauspieler.
Es macht (fast) immer Spaß ihm zuzuschauen.
Was diesen Film betrifft: ich werde ihn anschauen und mir ein eigenes Urteil bilden - unvoreingenommen - trotz dieses nicht sehr objektiven Artikels.
littledesaster (29.01.2009, 18:21 Uhr)
Liebe Frau Lösel,
haben Sie den Film gesehen oder bloß die diversen bekannten Homepages nach Kommentaren dazu durchforstet?
Mir scheint, letzteres ist der Fall. Natürlich kann auch "...Benjamin Button" nicht gefallen, aber mit dieser Art von Argumenten?
Cate hätte also für schön sein und alt werden eine Nominierung verdient, Brad hingegen für seine beste schauspielerische Leistung nicht?
Haben Sie bemerkt, wie fantastisch sich nicht nur Kleidung, Make-up und das Aussehen der Städte sondern auch das Licht dem jeweiligen Jahrzehnt anpassen und dieses wiederspiegeln? Offensichtlich nicht, denn Sie behaupten ja, dass 155 Minuten Film in altmodisch bräunlichem Bilder daherkommen.
Die Arbeit von Kostüm- und Maskenbildern sowie der Crew für Spezialeffekte so kleinzuschreiben, wie Sie es tun, ist eine Beleidigung für jeden, der sich auch nur ein bisschen mit diesen Themen beschäfigt.
Und das Sie eine kleine, aber für den Film so wichtige Szene wie das nächtliche Treffen der beiden als Kinder beim Kerzenschein unter einer aus Decken gebauten Burg für eine Anspielung auf den "Lustgreis" nutzen, sagt mehr über Sie als über den Film aus.
Nennen Sie mich schmalzig, aber ich habe gestern Abend geweint, lang und ausgiebig, weil ich selten einen schöneren, traurigeren, anrührenderen und nachdenklicheren Film gesehen habe. Und ich halte es lieber mit dem Spiegel-Kommentar:
Wem dieser Film nicht zu Herzen geht, der hat keins.
P.S. Meine bessere Hälfte ist kein Pitt-Fan, aber selbst er stellte gestern fest: Die Rolle des Benjamin hätte niemand anders als Brad Pitt spielen können, da er alleine in der Lage ist, glaubwürdig einen Mann mit dem Aussehen eines 20-Jährigen und der Lebenserfahrung eines 60-Jährigen zu spielen.
mortonmensh (29.01.2009, 16:02 Uhr)
Liebe Stern-Redaktion
Ich hoffe, liebe Stern Redaktion, dass sie der Frau Lösel kein Honorar für diese "Kritik" bezahlt haben, denn offensichtlich hat sie sich den Film nicht oder nur unzureichend angesehen. Erkennbar an vielen Fakten, die Frau Lösel so wunderbar durcheinander wirft. Zum Beispiel heißt die Frau die den Baby-Button findet nicht "Tizzy" sondern "Queeny" und auch selbstverliebt ist Herr Pit in diesem Film ganz und gar nicht. Auch hat die Maske keine 150 Mio. Dollar gekostet sondern der ganze Film (was einen kleinen Unterschied macht). Somit ist auch der 10-jährige Darsteller des geistig "alten" Benjamin kein Brad Pit mit einer atemberaubend teuren Maske und Computereffekten sondern lediglich... ein ähnlich aussehender Jung-Schauspieler, ja sowas. Und wer diesen Film mit Forrest Gump vergleicht hat offensichtlich beide nicht verstanden, leider. Nur ähnliche Handlungsstränge oder den gleichen Drehbuchautoren sind wohl kaum ausreichende Parallelen. Auch wenn in der Form Ähnlichkeiten zu erkennen sind, sind die Geschichte ausmachenden Inhalte doch sehr unterschiedlich. Aber wer sich von einer amerikanischen Parodie einwickeln lassen möchte...
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