Es waren noch andere Zeiten, als die erste Berlinale 1951 aus der Taufe gehoben wurde. Die Mauer stand zwar noch nicht, doch die Welt war damals in zwei Machtblöcke aufgeteilt, und mitten durch Berlin ging der „Eiserne Vorhang“, der die westliche Welt von den kommunistischen Staaten im Machtbereich der Sowjetunion trennte. Mit amerikanischer Unterstützung sollte das Filmfestival als „Schaufenster der freien Welt“ dienen. Von Anfang an war die Berlinale also politisch aufgeladen, immer wieder thematisierte Berlin seine Stellung als „Frontstadt“. Nach dem Fall der Mauer widmete sich das Festival besonders dem osteuropäischen Film.
Dass hier nicht nur der esoterische Kunstfilm, sondern großes Kino seinen Platz haben soll, machte der Eröffnungsfilm der ersten Berlinale deutlich: Am 6. Juni 1951 starteten die Filmfestspiele mit Alfred Hitchcocks „Rebecca“ im Steglitzer Titania-Palast. Während sich Berlin die ersten Jahre im Sommer der Filmwelt präsentierte, verlegte man das Festival 1978 in den Februar – die terminliche Nähe zu den Filmfestspielen in Cannes machte dies notwendig. So ist es bis heute geblieben.
Im Mittelpunkt der Festspiele steht der Wettbewerb. Über die Vergabe der Preise entscheidet eine international besetzte Jury, der beste Spielfilm wird mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet. Silberne Bären gehen unter anderem an die besten Darsteller und den besten Regisseur.
Berlinale: Die Sektionen neben dem Wettbewerb
Im Laufe der Jahre wurden neben dem Wettbewerb weitere Sektionen gegründet. So gingen die gesellschaftlichen und politischen Umwälzungen der späten 60er Jahre auch an der Berlinale nicht spurlos vorüber. 1970 kam es zum Eklat: Der Vietnamkriegs-Film „o.k.“ von Michael Verhoeven löste so heftigen Streit aus, dass die Jury zurücktrat und das Wettbewerbsprogramm abgebrochen wurde. Als Konsequenz daraus wurde auf der Berlinale 1971 neben dem Wettbewerb das „Internationale Forum des jungen Films“ eingerichtet, eine vormalige Gegenveranstaltung, die sich jungen und progressiven Filmen widmet. Das Ziel von „Panorama“ ist es, einen repräsentativen Überblick über die weltweite Filmproduktion zu geben. Und in der Sektion „Perspektive Deutsches Kino“ wird speziell jungen deutschen Regisseuren eine Plattform geboten, sich mit ihren Filmen zu präsentieren.
Seit vielen Jahren residieren die Filmfestspiele am neu gestalteten Potsdamer Platz. In dem in den 90er Jahren aus dem Boden gestampften Stadtteil im Zentrum Berlins stehen 28 Kinosäle mit fast 8000 Plätzen bereit. Im Zentrum steht das Musical-Theater am Marlene-Dietrich-Platz, in dem mehr als 1800 Gäste Platz haben. Dort finden die großen Premieren statt sowie der Eröffnungs- und der Abschlussabend.
75 Jahre nach ihrer Taufe ist die Berlinale noch immer lebendig. Von der „freien Welt“, deren Schaufenster das Festival sein sollte, lässt sich das aktuell leider nicht sagen.