Aktuelle Tipps
Lizzo ist auch nur ein Mensch: Das sind die Musik-Highlights der Woche

  • von John Fasnaugh
Nach den letzten Rückschlägen möchte Lizzo mit dem neuen Album "Bitch" Selbstvertrauen und Selbstliebe ausstrahlen. Zwischendurch wird aber auch ordentlich ausgeteilt.
Nach den letzten Rückschlägen möchte Lizzo mit dem neuen Album "Bitch" Selbstvertrauen und Selbstliebe ausstrahlen. Zwischendurch wird aber auch ordentlich ausgeteilt.
© Getty Images/Jesse Grant

Debattieren Sie mit!

  • Mit stern-Account aktiv an allen Debatten teilnehmen und kommentieren.
Jetzt registrieren
Barry Manilow, Evanescence und Lizzo, deren Comeback-Album sich wie ein ausgestreckter Mittelfinger anfühlt: Erfahren Sie hier, was neu, wichtig und hörenswert ist in der Welt der Musik.

Nach dem rasanten Aufstieg mit Hits wie "Juice" und "Truth Hurts" erlebte US-Sängerin Lizzo ein paar schmerzhafte Rückschläge. Die werden jetzt verarbeitet in einem neuen Album mit einigen giftigen Zwischentönen. Neues und Hörenswertes gibt es außerdem von Barry Manilow und Evanescence.

Lizzo – Bitch

Bei den Grammys, den American Music Awards, den MTV Video Music Awards und den Teen Choice Awards: In den Jahren 2019 und 2020 war wohl niemand sonst bei so vielen Preisverleihungen als "Artist of the Year" nominiert wie Lizzo. Nach dem kometenhaften Aufstieg mit Hits wie "Juice" und "Truth Hurts" (Siebenfach-Platin) dachten alle, dass die US-Musikerin schnell in die Sphären von Megastars wie Taylor Swift, Beyoncé oder Billie Eilish aufsteigen würde. Im Juni 2026, wenn Lizzo nun ihr neues Album "Bitch" veröffentlicht, sieht die Welt aber doch etwas anders aus.

Im Sommer 2023 erhoben mehrere Tänzerinnen schwere Vorwürfe gegen Lizzo (unter anderem war von Mobbing und verschiedenen Übergriffen die Rede), die von der Künstlerin abgestritten wurden, aber doch einen nachhaltigen Image-Schaden bewirkten. 2025 wollte Lizzo nach längerer Pause mit dem Album "Love In Real Life" neu durchstarten. Nach sehr verhaltenen Reaktionen auf die ersten Vorab-Singles ist das Album nie erschienen. Stattdessen meldet sich die Diversity-Ikone jetzt, ein Jahr später, mit "Bitch" zurück. Das Artwork ist gestaltet wie ein ausgestreckter Mittelfinger, und genau so fühlen sich auch viele Songs an.

Ein Gefühl, als hätte die ganze Welt sich gegen sie verschworen: So beschrieb Lizzo zuletzt den ursprünglichen Antrieb hinter "Bitch". Es dringt auch gleich eine Menge Trotz und Wut durch, wenn sie im Auftaktsong "A Toast" einen vergifteten Gruß an alle schickt, die sie verletzt haben. "Hoffentlich macht es euch glücklich, anderen wehzutun" – nicht die einzige ziemlich bittere Songzeile auf diesem Album. Aber Lizzo wäre nicht Lizzo, wenn sie nicht versuchen würde, aus dem Schmerz wieder neue Stärke zu gewinnen. Das Album "Bitch" soll vor allem Selbstvertrauen und bedingungslose Selbstliebe ausstrahlen. Das gelingt in den heiteren Momenten dieser Platte durchaus, aber nicht auf Albumlänge. Lizzo ist eben auch nur ein Mensch.

Barry Manilow – What A Time

Ein neues Album von Barry Manilow, sein erstes mit neuen Songs seit fast 15 Jahren – was sind das für schöne Nachrichten, zumal nach den Schreckensmeldungen der jüngeren Vergangenheit. Im Dezember 2025 schockierte der Sänger die Öffentlichkeit mit einer Lungenkrebs-Diagnose. Sehr früh erkannt glücklicherweise, inzwischen erfolgreich operiert. Nach überstandener Behandlung machte der 82-jährige Ausnahmesänger (80 Millionen verkaufte Tonträger) sich mehr oder weniger direkt auf den Weg ins Studio, um "What A Time" aufzunehmen.

Im Opener "Once Before I Go" sagt Barry Manilow erst einmal, was er unbedingt noch loswerden möchte, bevor es zu spät ist. Dass er alles noch einmal genau so machen würde, dass er nichts bereut. Der Titel funktioniert als Liebeslied, kann nach den schweren letzten Monaten aber auch als persönliche Rückschau gelesen werden. So oder so: Manilow liefert vom ersten bis zum letzten Song ab, versprüht Glück und Gefühl und Grandeur und ein bisschen auch den Kitsch, der bei ihm nun einmal dazugehört. Die Stimme, verriet er kürzlich, sei nicht mehr (oder noch nicht wieder) die alte, aber davon merkt man auf Platte kaum etwas. Vielleicht dann eher live: Manilow musste zuletzt noch einige Konzerte absagen, will aber bald wieder regelmäßig auf der Bühne stehen.

Evanescence – Sanctuary

Es war zuletzt wieder sehr still um Evanescence. Die Fans kennen das. Dass zwischen den Alben der US-Band um Frontfrau Amy Lee mal vier, fünf Jahre vergehen, ist nicht ungewöhnlich. Aber wenn sie wieder aufdrehen, dann umso lauter. Für "Sanctuary", den Nachfolger zu "The Bitter Truth" (2021), arbeiteten die Metal-Ikonen mit Songschreibern und Produzenten, die unter anderem schon mit Bring Me The Horizon und Korn im Studio waren. Das Ergebnis, zwölf Songs verteilt auf 49 Minuten Spielzeit, ist brachial, aufwendig inszeniert, variantenreich – zweifellos eines der spektakulärsten Metal-Alben des Jahres. Und eines der engagiertesten.

Evanescence präsentierten sich auf dem letzten Album "The Bitter Truth" politisch wie nie zuvor, der Kampf gegen Unterdrückung war damals ein großes Thema. Auch "Sanctuary" speist sich inhaltlich aus einem kritisch-sorgenvollen Blick auf die Welt. In einem Interview mit dem Magazin "Kerrang!" erklärte Amy Lee zuletzt, dass sie nie eine politische Musikerin sein wollte, aber dass die gegenwärtige Situation insbesondere in den USA ihr keine andere Wahl lasse. Man müsse sich auflehnen gegen Tyrannei und die Verletzung von Menschenrechten. Gleichzeitig gehe es bei den neuen Songs darum, Hoffnung zu verbreiten und die Menschen wieder zusammenzuführen. Mit einer entsprechenden Attitüde dürfte Lee demnächst auf der Bühne stehen: In Kürze startet für Evanescence eine neue Welttournee, die im Spätsommer auch nach Deutschland führt.

TELESCHAU

PRODUKTE & TIPPS