Wegen Nahost-Streit
Wird sie in Kürze entlassen? Krisensitzung wegen Berlinale-Chefin

Tricia Tuttle
Hier strahlt Berlinale-Chefin Tricia Tuttle noch auf dem roten Teppich
© IMAGO/Julie Edwards / Avalon / Imago Images
Muss Berlinale-Chefin Tricia Tuttle gehen? Kulturstaatsminister Wolfram Weimer beruft eine Krisensitzung wegen des Nahost-Streits bei dem Filmfestival ein.
 

Ein Festival der großen Gefühle – und der großen Eklats: Kaum sind die Lichter der Berlinale erloschen, steht die Leitung des Filmfestivals erneut im Fokus. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat für Donnerstag eine außerordentliche Sitzung einberufen. Anlass: die Frage, ob Tricia Tuttle an der Spitze des Festivals bleiben kann – oder bleiben soll.

Offiziell heißt es aus Weimers Büro, es gehe um eine „Aussprache zur Ausrichtung der Berlinale“. Inoffiziell kursiert längst, dass Tuttle und Weimer sich einig seien: Eine weitere Zusammenarbeit ist kaum noch vorstellbar. Die "Bild" berichtet, Tuttle selbst habe ihre Zukunft infrage gestellt.

Berlinale-Eklat um syrisch-palästinensischen Regisseur

Hintergrund sind Auftritte während des Festivals, die den Nahostkonflikt mitten auf die Berlinale-Bühne holten. So nutzte der syrisch-palästinensische Regisseur Abdallah Alkhatib seine Dankesrede, um die Bundesregierung für ihre Haltung im Gazakrieg scharf zu kritisieren. Worte, die für ein Beben sorgten – und den Bundesumweltminister aus dem Saal trieben. Die „Bild“ veröffentlichte auch ein Foto, das Tuttle während der Berlinale mit Alkhatib zeigt. Mitglieder des Filmteams halten darauf die palästinensische Flagge hoch.

Seitdem wird wieder einmal darüber gestritten, wie viel politische Haltung die Kunst verträgt und wie sensibel ein Festival sein muss, das seit jeher für Offenheit und künstlerische Freiheit stehen will. Weimer sah im Auftritt „Israel-Hass“ und „politische Destruktion“, auf der anderen Seite hatten rund 80 Filmschaffende, darunter Tilda Swinton und Javier Bardem, die Berlinale kritisiert, weil sie sich nicht ausreichend in der Gaza-Frage positioniere.

Tricia Tuttle leitet Festival seit 2024

Die US-Amerikanerin Tuttle, die 2024 die Nachfolge von Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek antrat, hatte sich vorgenommen, die Berlinale internationaler und diskursfähiger zu machen. Nun droht sie, an genau diesem Anspruch zu scheitern – zwischen künstlerischem Idealismus und politischem Druck.

ypr / mit DPA-Material

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